Lörrach Ungeahnte Probleme – aber auch Chancen

Lörrach - Soziale und kulturelle Einrichtungen wurden besonders hart von der Corona-Pandemie getroffen. Über ihre Erfahrungen und die sich aus der Krise ergebenden Konsequenzen berichteten jetzt beispielhaft in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses für die Kultur Vertreter des freien Theaters „Tempus fugit“ und des soziokulturellen Zentrums Nellie Nashorn. Den Bereich Soziales präsentierten der SAK und die Dieter-Kaltenbach-Stiftung.

Betrieb zeitweise zusammengebrochen

Einig waren sich die Repräsentanten aller Einrichtungen, dass die Corona-Krise sie vor ungeahnte Probleme und Herausforderungen gestellt hat. Zeitweise brach der Betrieb in den Einrichtungen regelrecht zusammen. Allerdings wurde in den Vorträgen auch immer wieder betont, dass die Pandemie Chancen eröffnet habe.

Patrick Dengl, Geschäftsführer des Nellie Nashorn, gab sich keineswegs wehleidig – im Gegenteil: „Uns geht es sehr gut“, betonte er gleich zu Beginn seines Vortrags. Die Zeit des kulturellen Stillstands wurde im Nellie für Renovierungen genutzt. Insbesondere die Technik wurde erneuert, sodass das über 100 Plätze verfügende Haus jetzt mehr Möglichkeiten bei Aufführungen hat als zuvor.

Dengl handelte mit seinem kleinen Team nach dem Motto: „Mutig nach vorne schauen“. Das vergangene Corona-Jahr bezeichnete er als das anstrengendste seiner beruflichen Laufbahn, obwohl „wir unserem kulturellen Auftrag nicht nachkommen konnten“.

„Sommer im Hof“: Ticketnachfrage riesig.

Die besondere Herausforderung lag darin, bei weiterlaufenden Fixkosten Fördergelder und weitere Mittel einzusammeln. Dies sei gelungen, betonte er. „Keine gute Idee“ ist es, in der gegenwärtigen Situation am Personal zu sparen. Denn das bedeute ein geringeres Angebot und folglich weniger Einnahmen. Laut Dengl ist das Ende des Tunnels erreicht. Für die Reihe „Sommer im Hof“ sei die Ticketnachfrage riesig. „Die Menschen haben Lust auf Kultur.“

Die Stadträte bat Dengl, bei den künftigen Zuschüssen zu bedenken, dass jeder Euro, den die Stadt dem Nellie weniger zahle, noch einmal 50 Cent weniger an Landeszuschüssen bedeute. Und solche Ausfälle seien auf Dauer nicht zu verkraften.

Nellie Nashorn kein Fass ohne Boden

Dass das Nellie Nashorn kein Fass ohne Boden ist, machte der Geschäftsführer ebenfalls deutlich. Seit 2017 sei der Veranstaltungsbereich finanziell ausgeglichen. Zudem konnten die Mieteinnahmen deutlich gesteigert werden. „Wir kalkulieren extrem gut und sind sparsam“, betonte er. 27 000 Besucher zählt das Nellie in normalen Jahren.

Von extremen Herausforderungen berichtete auch Karin Maßen, die Chefin des Theaters „Tempus fugit“. Bei einem Jahresumsatz von 1,06 Millionen Euro ist das Haus mit 18,4 festen Personalstellen „ein mittelständisches Unternehmen“.

Extreme Herausforderungen

Die Pandemie bezeichnete sie als „extrem herausfordernd“. Mit großen Anstrengungen sei es gelungen, alle Sponsoren und Förderer beisammen zu halten.

Glücklicherweise hätten viele Projekte mit Schulen auch im Corona-Jahr stattfinden können.

Existenz nur mit Zuschüssen gesichert 

Nicht gelungen sei es, neue Zuschussanträge für die Sicherheit in den nächsten Jahren unter Dach und Fach zu bringen. Andererseits könne „Tempus fugit“ jetzt nicht hingehen und Fehlbeträge durch höhere Teilnehmer-Preise ausgleichen. Maßen: „Wir sind niederschwellig und inklusiv tätig“. Und das solle auch so bleiben, denn „Tempus fugit“ vermittle „kulturelle Bildung“.

Auch Maßen warnte davor, die städtischen Zuschüsse in den Jahren nach Corona zu kürzen. Aus ihren Worten wurde deutlich, dass das die Einrichtung an den Rand ihrer Existenzfähigkeit bringen könnte.

 Über die Stellungnahmen der sozialen Einrichtungen berichten wir noch.

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