Lörrach „Unglaubliche Sanftheit“

Die Oberbadische

Von Peter Ade

Lörrach. „So geht gelebte Inklusion“, freuen sich die Verantwortlichen der Karl-Rolfus-Schule (KRS) und der Freien Evangelischen Schule (FES) über den ihrer Ansicht nach bestens gelungenen Start einer Kooperation beider Bildungseinrichtungen.

Geistig und körperlich behinderte Grundschüler werden seit fast zwei Jahren überwiegend gemeinsam unterrichtet und verbringen zusammen viel Freizeit. Das immer noch weit verbreitete Argument, behinderte Kinder seien an Sonderschulen besser „aufgehoben“, wird zumindest in der Karl-Rolfus-Schule widerlegt.

Die verantwortlichen Pädagogen waren von Anfang an der Auffassung, eine gemeinsame Schullandschaft, in der Schüler miteinander und voneinander lernen können, sei besser als Kinder in Schubladen zu stecken.

Grundschulleiter Nathanael Pantli (FES) und Standortleiterin Sonja Benz-Peiszan (KRS) sind fest überzeugt, dass das sorgfältig aufgebaute Modell in der Bildungslandschaft der Region seine Zukunft haben wird und schon jetzt als „fest verankert“ gelten dürfe.

Benz-Peiszan sieht sich bestätigt, dass Kinder mit Behinderung „in einem größeren Verbund bestehen können“. FES-Gesamtschulleiter Wolfgang Zschämisch und KRS-Schulleiterin Birgit Hehl sind obendrein überzeugt, dass gemeinsames Lernen wichtige Sozialkompetenz vermittelt und die Persönlichkeit stärkt und fördert. Pantli spricht von einer „hervorragenden Charakterbildung“.

Die Eltern würden am Erfolgsmodell aktiv beteiligt. Klassenlehrer Bernhard Rost ist begeistert, dass es zwischenzeitlich auch außerhalb des Schulbetriebs zu schönen Begegnungen kommt, etwa bei Geburtstagen, zu denen Kinder mit Behinderung „wie selbstverständlich“ eingeladen würden.

Im gestrigen Pressegespräch zitierte Rost die berührenden Worte der Mutter eines nichtbehinderten Schülers: „Mein Kind hat eine unglaubliche Sanftheit im Umgang mit behinderten Schulkameraden entwickelt.“

In der KRS-Außenstelle an der Wallbrunnstraße werden derzeit 72 Mädchen und Jungen der Klassenstufen 1 bis 9 unterrichtet, darunter zwei Inklusionsklassen -–Klasse 1 mit neun FES- und fünf KRS-Kindern, Klasse 2 mit sieben FES- und sechs KRS-Schülern.

Schulleiterin Hehl berichtete, dass im Stundenplan Phasen des gemeinsamen und des individualisierten Lernens enthalten sind. Jedes Kind werde nach seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten gefordert und gefördert. Überdurchschnittlich Begabte lesen bereits ganze Texte, während zur selben Zeit Kinder mit Down-Syndrom die Zahlen lernen.

Gelernt wird grundsätzlich nur in der Schule und ohne Hausaufgaben. Darüber hinaus enthält der Stundenplan eine „Aktivitätsinsel“ für Kunst- und Theaterprojekte.

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