Lörrach „Uns steht das Wasser bis zum Hals“

Lörrach - Eine Aktion mit Signalwirkung: In der Nacht von Montag auf Dienstag sollen in Lörrach das Steigenberger Hotel, der Burghof, das Lasser-Sudhaus und weitere Objekte mittels Scheinwerferlicht in sattes Rot getaucht werden. Der Grund: die bundesweite Aktion „Night of Light“, die auf die coronabedingte Misere der Veranstaltungswirtschaft hinweisen möchte.

Für den Initiator der bundesweiten Aktion, den Event-Veranstalter Tom Koperek aus Essen, ist klar: „Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht! Die aktuellen Auflagen und Restriktionen machen die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen quasi unmöglich“, ist auf seiner Homepage zu lesen. Das treffe nicht nur die Veranstalter, sondern auch Spielstätten sowie Zulieferer und Dienstleister jeder Art und Größe: Technikfirmen, Bühnen- und Messebauer, Ausstatter, Caterer, Logistiker, Künstler bis hin zum Einzelunternehmer, der Content, Drehbuch, Regie oder florale Dekoration zu Veranstaltungen beisteuert.

Politik und Öffentlichkeit auf akute Notlage hinweisen

Via Facebook wurde der Lörracher Heiko Pommerening, der mit seiner Ein-Mann-Firma „Event Solution“ in genau dieser Branche tätig ist, auf die „Night of Light“-Initiative aufmerksam. Mit der Aktion sollen Politik und Öffentlichkeit auf die akute Notlage hingewiesen werden. Der 39-Jährige findet für seine wirtschaftliche Lage drastische Worte: „Seit 15. März gibt es quasi keine Aufträge mehr. Das ist ein Totentanz.“ Er freut sich, dass andere Betroffene in Lörrach, im Landkreis und auch in der Schweiz sich der Aktion anschließen.

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni sollen also Bauwerke, Event-Locations und Spielstätten in über 250 deutschen Städten mit rotem Licht illuminiert werden. Darunter seien so prominente Gebäude wie der Kölner Dom, der Berliner Fernsehturm oder Brücken, aber auch kleinste Locations bis zu Garagen, in denen Nischen-Anbieter ihrer Arbeit nachgingen. Die Bandbreite ist also groß.

Steigenberger Hotel als idealer Bau für die Aktion

In Lörrach habe sich für ihn sofort das Steigenberger Hotel als idealer Bau aufgedrängt, erzählt der Initiator. Die weiße, hohe Fassade und die zentrale Lage machten den Bau zum idealen Objekt. Ein Telefonat und eine E-Mail hätten genügt, um die Zustimmung von Seiten des Steigenbergers zu bekommen. Auch die Stadt stimmte zu. Ein Bekannter steuert Lampen für die Beleuchtung bei, die gegenüber des Baus jenseits der Bahnlinie aufgestellt und auf das Hochhaus gerichtet werden sollen.

Ab 18 Uhr will er am Montag mit dem Aufbau beginnen, die Beleuchtung soll von circa 22 Uhr bis zum nächsten Morgen dauern. Weitere Aktionen sind nicht geplant. „Wer mit mir ins Gespräch kommen will, kann das natürlich gerne tun.“

Vielfältigkeit und Systemrelevanz der deutschen Veranstaltungswirtschaft

Ziel der Aktion sei es, ein Zeichen zu setzen: ein Appell zum Einstieg in einen Branchendialog, der die Vielfältigkeit und Systemrelevanz der deutschen Veranstaltungswirtschaft thematisieren soll.

Auch der Burghof unterstützt die Aktion „Night of Light“ und wird sein Haus in der entsprechenden Zeitspanne rot anstrahlen.

Thomas Platzer, Geschäftsführer der Messe Lörrach, hat sich eine besondere Variante einfallen lassen: Da die Messe über kein festes Gebäude verfügt, mietet er rund zehn Fahrzeuge von Ausstellern an und erleuchtet diese eine Stunde lang auf dem Messe-Gelände.

Ein Zeichen der Verbundesnheit möchte auch Lasser-Geschäftsführer Andreas Walter setzen. Er lässt darum das Sudhaus an der Wallbrunnstraße rot anstrahlen. Auch das Brauereigschäft sei natürlich von der Veranstaltungsflaute betroffen.

Gerade kleine und mittelständische Firmen akut gefährdet.

„Wir hoffen alle, dass Night of Light die Aufmerksamkeit auf unsere Branche lenkt. Gerade kleine und mittelständische Firmen aus dem Event-Bereich sind akut gefährdet. Dazu gehören auch Clubs und Bars, was sich auf das kulturelle Leben insgesamt auswirkt. Wir wollen zeigen: Auch wir sind systemrelevant“, heißt es von Seiten der Initiatoren.

Heiko Pommerening weiß, dass sich weitere Akteure im Landkreis beteiligen wollen. Und er hofft auf einen Erfolg der „Night of Light“ mit positiven Nebenwirkungen. Denn: „Uns steht das Wasser bis zum Hals.“

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