Lörrach Unter der Flagge des Bassisten

Bass-Ikone Hellmut Hattler und Sängerin Fola Dada sorgten für „The Big Flow“, wie ein Album des Quartetts „Hattler“ heißt. Foto: Veronika Zettler Foto: Die Oberbadische

Von Veronika Zettler

Lörrach. Dass Hellmut Hattler nach seiner Leukämie-Erkrankung noch einmal derart die Bühne rocken würde wie am Dienstag in Lörrach, wagten seine Fans kaum zu hoffen. Mittlerweile sei für ihn jeder Auftritt „ein totales Fest“, erklärt der rekonvaleszente Bassist im gut gefüllten Burghof-Foyer. Er sagt aber auch: „Ich bin noch nicht ganz wieder da, wo ich hin will“.

Es mag an dieser Vorgeschichte liegen, dass die Spielfreude der Musiker greifbar ist. Stammzellentransplantation, Wochen auf der Intensivstation (die Hattler wann immer möglich zum Komponieren nutzte), die kurzum harte Zeit hört man der virtuosen Plektrumarbeit des Ulmer Musikers nicht an. In einem zweistündigen, pausenfreien Konzert gibt er am E-Bass Vollgas wie seine drei Mitstreiter. „Die Band hebt alles auf ein Level, so dass man’s fast nicht mehr aushält vor Freude“, dankt er dem Gitarristen Torsten de Winkel, der „völlig überqualifiziert unter der Flagge eines Bassisten“ spiele, ebenso Oli Rubow, dem Schlagzeuger, der sich wie kaum ein anderer um die Fusion von akustischen und elektronischen Beats und Grooves verdient gemacht hat, und der stimmgewaltigen Stuttgarter Sängerin Fola Dada, die offenkundig alle Gesangskünste beherrscht. Was sie an samtiger Gewandtheit abliefert, hört man nicht alle Tage.

„Hattler“ heißt dieses Projekt, eines von vielen des 67-jährigen Hellmut Hattler. Mit der schon zu ihrer Glanzzeit in den 70er- und 80er-Jahren legendären Art- und Krautrock-Band „Kraan“ hatte er bis in die USA für Furore gesorgt. Den Geist der eigenwilligen deutschen Progressive-Ära können Kraanianer durchaus noch aufspüren in der kreativ überbordenden Mixtur der Hattler-Kapelle: viel Pop, Jazz, Funk und Soul, dazu moderne bis psychedelische Dancefloor-Sounds wie auch effektvoll und manchmal überraschend eingesetzte Elektronik (als Hintergrunddröhnen bei einem Akustikgitarrensolo). All das perfekt arrangiert, verschachtelt, vielseitig, intensiv und sich immer wieder aufs Neue steigernd.

So beim kunstvollen Stück „Salaud“ vom 2011er-Album „The Big Flow“, durchzogen von arabischen und karibischen Strömungen, auf denen die Musiker einen mitreißenden, geradezu hypnotischen Drive aufbauen. Oder bei der treibenden Nummer „Dimitri“ (zu hören auf dem Album „Gotham City Beach Club Suite“), das mal nordafrikanisch, mal indisch tönt (Thorsten de Winkel glänzt an der elektrischen Sitar) und bei dem die Band alles um sich herum zu vergessen scheint.

Durchatmen kann man bei den langsameren und soften Nummern wie dem Hattler-Dada-Duett „Fine Days“. Auch neuere Sachen haben die Vier im Gepäck. Zum Beispiel vom soeben erschienenen neuen Studioalbum „Velocity“ die quirlige Gute-Laune-Nummer „Teaser“, die Hattler auf der Intensivstation komponierte. „Der Bass hat mich gerettet“, meinte er in einem Interview.

Während verschiedene Videos, Bilder und Muster über die Leinwand im Hintergrund flackern, gibt es regelmäßig Zwischenapplaus: Hier für ein brillantes Gitarrensolo, dort für einen von Hattlers berühmten Pickbass-Parforceritten, dann wieder für wundersam verästelte Sound- und Geräuschcollagen. Ihr „kleines Lörrach-Debüt“ (Hattler) endet furios mit der viel beklatschten Zugabe „So Low“.

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