Lörrach Unvergessenes Zeichentalent

Gabriele Hauger

Regio - Letzten Sommer hätte er seinen 110. Geburtstag gefeiert: Arthur Schmidt. Der Maler und Zeichner, der 1908 in Maulburg geboren wurde, lebte von 1950 bis 2007 in Lörrach auf dem Tüllinger. Er gilt als der wohl letzte Schüler des Bauhauses Dessau, lernte bei Kandinsky, Albers und anderen bekannten Künstlern. Schmidt blieb der neuen Sachlichkeit stets verbunden, er zeichnete und malte aber in expressiv realistischer Manier.

Kürzlich erschien ein Band von Petra Hoffmann, der sich den Handzeichnungen Schmidts widmet im agenda Verlag unter der Mitarbeit von Schmidts Sohn Jost. Im gleichen Verlag war bereits ein Bildband mit dem Schwerpunkt Malerei und Grafik von Schmidt herausgegeben worden.

Der gut 60-seitige neue Band enthält neben Biografie, Fotografien sowie Verzeichnissen Zeichnungen, die nach Themen wie Städte, Landschaften, Porträts, Akte und Diverses gegliedert sind.

Im Vorwort schreibt die Galeristin Petra Hoffmann über Schmidt: „Zu Lebzeiten mied er die Öffentlichkeit. Er fürchtete, seine Bilder würden gestohlen, wenn sie erst einmal bekannt wären – und das sind doch seine Kinder!“

Auf den Städtezeichnungen sieht man mit Verve aufs Blatt geworfene Striche: das Münster in Freiburg, Gondeln in Venedig, Stadtansichten von Köln, Heidelberg, Zürich oder Karlsruhe. Des öfteren nimmt der Zeichner dabei eine Perspektive von oben ein. Ebenso auch bei den Landschaftszeichnungen. Die Berge sind ihm ein beliebtes Motiv, darunter Schwarzwald und Bayern, aber natürlich auch das Markgräflerland: mit weitem Blick über die Hügel mit angedeuteten Weinreben bis hin zu den hohen Gipfeln.

Schmidt war auch ein Meister des Porträts

Schmidt war aber auch ein Meister des Porträts. Davon zeugen seine Selbstbildnisse, Zeichnungen von Familienmitgliedern oder Persönlichkeiten. Auffällig ist hier der nach innen gerichtete Blick der Porträtierten, die den Betrachter niemals fokussieren, und eine gewisse Nachdenklichkeit, fast Melancholie, die sie charakterisiert.

Unter den Aktzeichnungen finden sich auch Männer, der Fokus liegt ganz auf den Köpern, die Gesichter sind gleichsam verwischt, wenden sich ab oder verschwinden ganz hinter der Körperlichkeit.

Dass Schmidt zum bemerkenswerten Künstler werden konnte, war ursprünglich nicht zu erwarten. Seine Eltern wollten, dass er „Etwas Rechtes“ lernen sollte und schickten ihn in eine Schlosserlehre, in der er allerdings todunglücklich wurde. Bereits als Schüler in Schopfheim hatte der junge Schmidt einen Preis fürs Zeichnen erhalten. Glücklicherweise erkannte zudem der Direktor der Kunstgewerbeschule Basel Schmidts besondere Begabung und förderte ihn. Auch in Karlsruhe an der Akademie der Künste stach Arthur Schmidts Begabung ins Auge, besonders seine Zeichenkunst, und so wurde er ans Bauhaus Dessau empfohlen. Gropius, Feininger, Klee und Kandinsky waren seine Lehrer. Stärker als an diesen, orientierte sich Schmidt jedoch am Repertoire der alten Meister, besonders bei den Zeichnungen. Das schreibt Bertold Hänel im Band „Die Maler des Markgräflerlandes“. Kunsthistoriker wie Hänel lesen in Schmidts Werken eher eine Verwandtschaft zu Corinth oder Kokoschka.

Bilder von Arthur Schmidt fanden Abnehmer, einige landeten in den USA, ist der abgedruckten Biografie zu entnehmen. Später ging Schmidt in die Schweiz, wurde Grafiker. Er besuchte nochmals die Gewerbeschule Basel und lernte dort seine Frau kennen. Beide machten sich als Werbegrafiker in Lörrach selbstständig. Schmidt wurde später zum Kriegsdienst eingezogen. Er kam in amerikanische Gefangenschaft und porträtierte die Befehlshabenden. Nach dem Krieg arbeitete Schmidt als Lehrer kunstgewerblicher Berufe an der Gewerbeschule Lörrach. Hier wie in der Regio hatte er mehrere Ausstellungen. 2008 gab es eine Gedächtnisausstellung im Dreiländermuseum in Lörrach. Am 1. März 2007 starb Arthur Schmidt in Tüllingen.

  •  Arthur Schmidt „Handzeichnungen“, agenda Verlag, Münster

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