Lörrach Vegan, koscher, lecker

Die Oberbadische, 08.06.2018 20:24 Uhr

Im Neubau der Israelitischen Kultusgemeinde hat in direkter Nachbarschaft zur Synagoge in der Rainstraße ein kleines Bistro eröffnet. Natali Blanc und Amit Baum aus Israel bieten im „Delikaktus“ seit einigen Tagen koschere, vegane Speisen an.

Von Bernhard Konrad

Lörrach. Eine Kombination, die es hierzulande womöglich nicht noch einmal gibt, sagt Moshe Flomenmann, Landesrabbiner von Baden und Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde. Zumal Blanc und Baum konsequent auf Müllvermeidung und Nachhaltigkeit setzen. Flomenmann freut sich, dass das Vorhaben der Gemeinde mit den beiden jungen Gastronomen nun umgesetzt werden kann.

Das Bistro arbeite betriebswirtschaftlich eigenständig und sei offen für die gesamte Bevölkerung, betont Flomenmann. Lediglich die koschere Zubereitung des Angebots nach den jüdischen Speisegesetzen werde überprüft – wobei er versichert, dass die Chemie zwischen den Betreibern und der Gemeinde stimme: „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Ohne Vertrauen geht es nicht.“

Das sei bei der Bäckerei Rexrodt – Heiners Backparadies nicht anders, die seit Jahren koschere Backwaren offeriert: „Eine wunderbare Zusammenarbeit“, sagt Flomenmann. Zudem bietet der „Intermarkt Sibirien“ in der Basler Straße ein koscheres Sortiment an – Angebote, die übrigens auch von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Basel nachgefragt werden.

Das „Delikaktus“ – der Name ist das Resultat einer Facebook-Abstimmung – sei interreligiös, sagt Flomenmann. Gleichwohl sehe er darin auch eine Möglichkeit, den jüngeren Mitgliedern der jüdischen Gemeinde einen Treffpunkt zu bieten. Blanc und Baum kamen im Februar 2017 von Israel nach Freiburg und betrieben dort einen veganen Catering-Service. Durch Zufall erfuhren sie von der Möglichkeit, ein kleines Bistro an der Synagoge zu führen – und wagten den Sprung in die Lerchenstadt. Der Ingenieur im Fachgebiet „Nachhaltigkeit“ und die Psychologin möchten dort jeden Tag einen wechselnden Mittagstisch anbieten, zudem Salate, Quiches, herzhafte Cremes und Aufstriche sowie Müslis, Kuchen und Plätzchen. Hierzu werden unter anderem Tee, Kaffee, frisch zubereitete Smoothies und Säfte serviert. Sonntags kommt ein israelisches Frühstück auf den Tisch. Auch Kunstausstellungen im Bistro sind denkbar. Donnerstags plant Baum, einen Hebräisch-Kurs anzubieten.

Natürlich werde sich das ein oder andere noch finden und einspielen – etwa die Öffnungszeiten im Winter. Gleichwohl freuen sie sich bereits über Gäste. Die offizielle Eröffnung ist am 28. Juni vorgesehen. Derzeit parlieren die Gastgeber in einem Mix aus Englisch und Deutsch – Letzteres wird immer besser, und jetzt kommt noch Alemannisch hinzu.

Im Bistro reicht Natali Blanc zum Kaffee mit geschäumter Hafermilch Oasis-Datteln, die in der Maghreb-Levante-Region oft bei festlichen Anlässen serviert werden, knusprige Sesam-Plätzchen, die auf arabischen Märkten zu finden sind, saftige Amaretti und Mandelkuchen mit Früchten. Diese Leckereien sind ebenso selbst gemacht wie ein guter Teil des Bistro-Innenlebens: Mit dem gemeinsamen Freund Steven Karl haben sie Tische und andere Einrichtungsgegenstände gefertigt.

Auf den Regalen stehen Gläser mit allerlei Plätzchen zum Verkauf. Menüs zum Mitnehmen werden ebenfalls in Gläsern gereicht, für die Kunden ein Pfand hinterlegen. Auch so werde Müll vermieden.

Blanc und Baum sehen ihr veganes Programm übrigens nicht als Modeerscheinung, sondern einfach als eine natürliche, ökologisch orientierte Art und Weise der Ernährung. Dabei wollen sie abwechselnd Speisen aus dem gesamten Mittelmeeraum anbieten, denn auch Israel und seine Küche sei von vielen Ländern und kulinarischen Einflüssen inspiriert worden.   Öffnungszeiten: Mo. bis Do. 9 - 19 Uhr, Fr. 9 - 17 Uhr, So. 9 - 17 Uhr, Samstag: geschlossen Kontakt: info@DeliKaktus.de Internet: www.delikaktus.de

 
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