Lörrach Verneigung vor dem Meister

Motettenchor und Oberrheinische Sinfonieorchester überzeugen mit Beethoven. Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Von Willi Vogl

Lörrach. Johann Wolfgang von Goethe ruhte im Zentrum seiner literarischen Produktion. Lediglich durch Friedrich Zelters schlichte Vertonungen seiner Texte fühlte er sich nicht allzu sehr irritiert. Ludwig van Beethovens Widmung von „Meeresstille und Glückliche Fahrt“ ließ er unbeantwortet. Beethovens eigenwilliger Umgang mit seinen Texten ging wohl nicht nur ihm gegen den Strich, sondern stellte bereits damals einen kompositorischen Regelverstoß dar, der letztlich seine Musik bis heute zur konzertanten Attraktion machte. Der Motettenchor Lörrach und das Oberrheinische Sinfonieorchester Lörrach setzten gemeinsam auf diesen Klassiktrumpf und präsentieren in der Kirche St. Peter am Sonntag zum ersten Mal ein gemeinsames Konzert ausschließlich mit Werken von Beethoven.

Die von Stephan Malluschke im Programmheft vorzüglich beschriebene Wirkung dieser Musik basiert einerseits auf Beethovens souveränen Umgang mit Satzstandards seiner Zeit und gleichwohl auf fantasievollen und zumeist tonmalerischen Weiterentwicklungen derselben.

Eindringliche Mitteilungskraft

So kann man in „Meeresstille und Glückliche Fahrt“ ein mit ruhigem Atem geführte Passagen wahrnehmen, die den zentralen Worten „Stille“, „Fläche“ und „Weite“ eindringliche Mitteilungskraft verleihen. Kontraststark verkündet ein energischer Rhythmus den aufkommenden Wind, und das lustvoll musizierende Orchester führt die chorischen Seeleute triumphierend in den sicheren D-Dur-Hafen.

Kontraste bestimmen auch das kompositorische Programm der konzerteröffnenden Ouvertüre zum Schauspiel „König Stephan“. Zwei Marschgestalten, wie sie Anfang des 19. Jahrhunderts unterschiedlicher kaum sein können, stehen im kurzweiligen Widerstreit: Sauber intonierte Unisoni der Hörner und martialisch rumpelnde Nachschläge gegenüber einem Marsch, der von schmeichelnden Tanzgesten bestimmt ist.

In beiden Werken motiviert Stephan Malluschke Chor und Orchester durch deutliche und engagierte Zeichengebung zu überzeugendem Musizieren.

„Aber lieber Beethoven, was haben Sie denn da wieder gemacht?“, wird eine spontane Frage vom ursprünglichen Widmungsträger der Messe in C-Dur, Fürst Esterházy, überliefert. Diese Messe wird zwar über weite Strecken durch die Kantabilität von Chor und Orchester bestimmt, geht jedoch harmonisch und im Orchestersatz weit über die üblichen Formeln seiner Zeit hinaus. Beethovens exzessiver Umgang mit den Messvorbildern seines Lehrers Joseph Haydn erscheint uns heute mehr als vertraut.

Die Messe in C-Dur regte auch Stephan Böllhoff zu einer wohlgeordneten interpretatorischen Verneigung vor diesem Komponisten an. So konnte man kraftvolle Chorstimmen im Gloria sowie plastische Artikulationen und vor allem treffsicher intonierte strahlende Spitzentöne der Soprane im Credo wahrnehmen.

Solistenquartett mit individuellen Farbtupfern

Ein junges Solistenquartett mit Alies Mack (Sopran), Julia Hilpert (Alt), Eduard Wagner (Tenor) und Lorenz Kauffer (Bass) beeindruckte durch eine gleichsam chorische, äußerst homogene Tongebung in den Ensemblepartien und feinen individuellen Farbtupfern.

Schließlich trug das Orchester etwa mit markanten Streicherfiguren in den bewegten Messteilen und den klangschönen Einwürfen der Holzbläser, vor allem der 1. Klarinette im Agnus Dei zu einem gelungenen Gesamteindruck bei.

Langer Applaus für einen vielfältig erlebbaren Beethoven.

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