Lörrach Viel Technik, wenig Platz

Lörrach - Der Traum vieler Kinder, ein Blick hinter die Kulissen der Feuerwehr werfen zu dürfen, wurde für rund 30 Teilnehmer des städtischen Seniorensommers wahr. Sie erhielten eine Führung durch die Lörracher Feuerwache. Kommandant Manuel Müller zeigte dabei viele interessante Details, sprach aber auch aktuelle Herausforderungen der Wehr an.

531 Einsätze verzeichnete die Statistik für das Jahr 2018. „Das sind durchschnittlich fast zwei pro Tag“, präsentierte Müller zu Beginn einige Statistiken und Zahlen im Versammlungsraum. Zu 123 Wohnungsbränden wurde die Lörracher Wehr 2018 gerufen, in 91 Prozent der Fälle waren die Einsatzkräfte innerhalb der geforderten zehn Minuten vor Ort. „Das ist ein sehr guter Wert“, bilanzierte Müller angesichts der Verkehrssituation und der Schrankenschließzeiten, welche die Feuerwehrleute schon auf dem Weg zur Feuerwache wertvolle Minuten kosten können.

Denn was viele nicht wissen: Lörrach hat keine Berufsfeuerwehr. „Sie denken, wir hätten eine, weil wir oft so schnell sind, aber wir sind überwiegend ehrenamtlich aufgestellt“, erläuterte Müller. Mit dem Kommandaten gibt es insgesamt zehn Hauptamtliche, aufgrund von Urlaub und Schichtdienst, sind aber meist nur vier oder fünf im Dienst. „Damit kann man keinen Krieg gewinnen“, betonte Müller.

Feuerwehr Lörrach verfügt über 230 Aktive

Im Einsatzfall werden darum rund 60 Personen per Piepser alarmiert, auch wenn nur ein 23-köpfiger Löschzug ausrücken muss. Denn nicht alle können an ihrem Arbeitsplatz immer alles stehen und liegen lassen. Generell seien die Arbeitgeber aber recht tolerant, sagte Müller.

Insgesamt verfügt die Feuerwehr mit allen Abteilungen aktuell über rund 230 Aktive, 120 gehören zur Lörracher Abteilung, die übrigen verteilen sich auf Tumringen, Haagen, Hauingen und Brombach. Die Feuerwehr besitzt zudem 32 Fahrzeuge und betreut mehrere Spezialfahrzeuge des Landkreises.

Dieser Fuhrpark und viele Gerätschaften sowie Räume und Werkstätten wurden nach dem Vortrag besichtigt. Die Senioren stellten dabei viele Fragen und erhielten von Müller auch Hinweise, wie sie sich im Ernstfall selbst verhalten sollen.
Ordner mit Informationen über Firmengebäude

In der großen Fahrzeughalle stehen nicht nur Drehleiter- und Löschgruppenfahrzeuge sondern in drei Schränken auch jede Menge Ordner mit Informationen über Firmengebäude und andere Objekte mit Brandmeldeanlage. Mit diesen können sich die Einsatzkräfte schon auf der Anfahrt einen ersten Überblick verschaffen, was sie vor Ort erwartet. So sind beispielsweise Gebäudepläne hinterlegt, in denen Gefahrenquellen oder Zugänge markiert sind.
Ein Problem: der Informationsgehalt. Die große Mehrzahl der Ordner trägt einen roten Punkt, weil die Unterlagen veraltet oder unvollständig sind. „Das ist schlecht und geht auf unsere Sicherheit, wir arbeiten aber aktuell daran, die Informationen nachzutragen“, erzählte Müller.

Neben der Wartung der Technik und regelmäßiger Weiterbildung ist das praktische Training von großer Wichtigkeit. Dafür verfügt die Feuerwache über spezielle Räume, um den Einsatz mit Atemschutzgerät in verrauchten Gebäuden oder die Fitness mit der bis zu 35 Kilogramm schweren Ausrüstung zu trainieren. Des weiteren steht in Brombach ein Wärmegewöhnungscontainer, in dem große Hitze simuliert werden kann. „Man muss vor dem Ernstfall den heißen Wasserdampf mal gespürt haben, der entsteht, wenn man mit dem Schlauch direkt auf eine Flamme hält“, erklärte Müller.
Interessant für die Senioren war auch der Gang durch die Umkleideräume, die im Rahmen der Sanierung (2012 bis 2014) von der Fahrzeughalle räumlich getrennt wurden. Diese hygienische Verbesserung ging jedoch auf Kosten des Platzes, zudem sind alle Spinde belegt. Im Falle eines Großeinsatzes bedeutet das wenig Platz für viele Feuerwehrmänner.

Eigene Umkleide für Frauen erst seit 2014

Für die Frauen – insgesamt sind es 13 verteilt auf alle Abteilungen – gibt es seit der Sanierung einen seperaten Umkleideraum, die Umkleiden in den Ortsteilen verfügen hingegen weder über eine räumliche Trennung von den Fahrzeugen noch nach Geschlechtern. Das sei nicht optimal, so Müller, aber: „Wer nach der Alarmierung Zeit zum Gucken hat, macht etwas falsch.“

Doch nicht nur in den Umkleideräumen geht es eng zu, auch im Atemschutzreinigungsraum, wo die Masken nach dem Einsatz in einem Industrie-Geschirrspüler gereinigt werden, wäre mehr Platz laut Müller wünschenswert. Insgesamt gebe es aber wenig Ausbaumöglichkeiten am Standort in der Weiler Straße. Dafür wird in den Bestand investiert. Neben dem Fuhrpark, der in den nächsten fünf Jahren für rund vier Millionen Euro erneuert werden soll (wir berichteten ausführlich), steht im kommenden Jahr eine Modernisierung der Einsatzleitstelle an.
Nachsorge wird immer wichtiger

Ein wichtiger Rückzugsort für die Kameraden ist das daneben liegende „Brandnest“ – der an eine Kneipe erinnernde Aufenthaltsraum. Hier können sich die Feuerwehrleute nach Übungen und Einsätzen stärken, die Kameradschaft pflegen und Erlebtes besprechen: „Das Thema Nachsorge wird immer wichtiger“, betonte Müller. Früher habe man traumatische Erlebnisse oft mit nach Hause genommen, heute werde darüber gemeinsam gesprochen. Bei Bedarf stehen außerdem speziell geschulte Psychologen zur Verfügung. Müller: „Das ist ein unglaublicher Gewinn.“

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