Lörrach Vier-Gänge-Menü für einen Job

Die Oberbadische
Jetzt muss es schnell gehen. Der Hauptgang wird gleich serviert. Foto: Beatrice Ehrlich Foto: Die Oberbadische

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Aus der Küche duftet es verführerisch, konzentriert füllen Hussein und Mohamed Teigtaschen mit Kichererbsenmus und Frühlingszwiebeln. Mit Schürze und Kochhaube, auf dem T-sShirt den Schriftzug vom Freundeskreis Asyl, jeder Handgriff soll jetzt sitzen. Denn draußen, an den runden, schön gedeckten Tischen sitzen heute einflussreiche Gäste: Bürgermeister Michael Wilke, die Integrationsbeauftragte des Landkreises Lörrach, Vertreter der Arbeitsagentur und vom Jobcenter, der Diakonie, Pressevertreter und nicht zuletzt Gastronomen, die dringend auf der Suche nach Arbeitskräften sind.

Die schön gestaltete Karte führt eine viergängige Menüfolge auf: Gefüllte Weinblätter, Salat, Kurma-Hähnchenbrust mit Reis, gefüllte Teigtaschen stehen darauf. Den Service übernimmt ein Team der ifas-Arbeitsvermittlung, in deren gastronomischem Zentrum in Haagen die Aktion stattfindet.

Für die Teilnehmer, Flüchtlinge aus verschiedenen Unterkünften im Landkreis Lörrach, geht es bei der Berufsbörse um viel: Den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt, die Möglichkeit, hier endlich auch finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Für Flüchtlinge mit einem unsicheren Aufenhaltsstatus, etwa aus Afghanistan oder Gambia, ist ein Ausbildungsvertrag sogar unabdingbar, um für die kommenden fünf Jahre in Deutschland bleiben zu können. Aber auch auf der Seite der Gastronomen ist die Not groß. „Wir können uns nicht auf’s hohe Ross setzen und darauf warten, dass die Leute kommen, sondern müssen umdenken und neue Wege einschlagen“, sagt Axel Böhm in aller Deutlichkeit. Seine Gäste in den Präger Böden in Todtnau kommen aus China, Indien, Israel, der Schweiz und Frankreich. Das Geschäft läuft gut, nur mit der Suche nach Mitarbeitern habe er seine liebe Not.

Nicht anders geht es Claude Gysin-Spitz vom Pfaffenkeller in Wollbach, ein Haus der gehobenen Gastronomie, zu dem auch eine Manufaktur und Hofladen gehören. Die Personalsituation sei nicht weniger als katastrofal. Seine Erfahrungen mit Flüchtlingen seien bisher nicht so positiv gewesen, sagt er ganz offen, vor allem die deutsche Sprache sei ein ganz großes Problem. Dennoch will er es wieder versuchen und seine Erfahrungen einbringen, damit es künftig besser läuft. „Wir versprechen uns viel von der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen“, fasst Mike Kiefer vom Hotellerie- und Gaststättenverband (DEHOGA) Lörrach zusammen, der die Veranstaltung, ebenso wie das Landratsamt, finanziell unterstützt hat.

Unter den Gästen ist auch eine Delegation der Firma Hieber, die in Weil am Rhein zusammen mit fünf weiteren Unternehmen auf eigene Faust das Projekt Integration durch Ausbildung, kurz Ida, ins Leben gerufen hat. Dem Einstieg in die Ausbildung geht ein von den Unternehmen finanzierter, sechsmonatiger Intensiv-Sprachkurs vor–aus.

Später am Abend stellt sich das Küchenteam einzeln vor, es werden Adressen und Telefonnummern ausgetauscht. Axel Böhm hat einen Probetag mit einem jungen Afghanen vereinbart, und auch Claude Gysin-Spitz ist fündig geworden nach einem Kandidaten mit Potenzial.

Das Dessert Millefeuielles stammt aus der Hand von Mouhamad Raid, früher Küchenchef und Patissier in Aleppo, der erst vor einer Woche über den Familiennachzug in Lörrach angekommen ist und sich in fließendem Französisch bei den Gästen bedankt.

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