Lörrach Vier wahre Meister ihres Fachs

Kerstin Dill, Annette Walther, Xandi van Dijk und Thomas Schmitz brillierten im Burghof. Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Von Willi Vogl

Lörrach. Der Name Signum ist Programm. Hier setzt ein junges Streichquartett ein hörbares Zeichen. Mit selbstverständlicher Präzision und ansteckendem Ausdrucksvergnügen strichen Kerstin Dill (1. Violine), Annette Walther (2. Violine), Xandi van Dijk (Viola) und Thomas Schmitz (Violoncello) im Burghof über die Saiten.

Das Ensemble verfolgte dabei ein Klangideal, das fern einer nur irgendwie einheitlich schönen Tongebung nach vielfältiger farblicher Differenzierung trachtet. Laute Töne wurden nicht automatisch nur mit breiteren, festeren Stichen erzeugt, und leise Töne waren nicht nur als eine geringere Lautstärkestufe wahrzunehmen. Vielmehr wurde jedem Ton innerhalb der Melodielinie und des harmonischen Zusammenhangs eine konkrete Funktion zugewiesen. Dieser Fokus führte vor allem in der Musik von Joseph Haydn und Antonín Dvorák zu großer Plastizität.

Bereits mit den ersten Tönen von Joseph Haydns Streichquartett d-Moll, Op. 76 Nr.2 war klar, wohin die Reise ging. Mit präzise ziselierten 16tel-Plaudereien der 1. Violine über weiträumig angelegtem Wogen von Quinten und dazwischen immer wieder atemberaubenden Echoeffekten im Allegro porträtierte das Ensemble Haydn als originellen Meister feinster kammermusikalischer Dialoge.

Gerade in den mäßig bewegten Mittelsätzen zeigte das Quartett ein so delikates wie gleichwohl bestimmtes Spiel, dass auch die wörtliche Wiederholung einer Passage zu einem klanglich variantenreichen Erlebnis werden ließ. Abgründig modulierend im Andante, mürrisch aufgeraut im Menuett. Jung, spritzig, unbezopft und dabei klanglich traumhaft sicher dosiert ergossen sich die Tonkaskaden im „Vivace assai“. Da wäre auch dem alten Haydn die Perücke davongeflogen.

Mit Alfred Schnittes Streichquartett Nr. 3 präsentierte das Ensemble ein Werk, das durch seine Zitattechnik eine Brücke zu Traditionen der vergangenen vier Jahrhunderte schlägt und gleichzeitig ein packendes Eigenleben entwickelt. Schnittke war ein musikalischer Jäger und Sammler. Interessant ist er vor allem da, wo er das Mosaik seiner Fundstücke zum klingenden Panoptikum werden lässt.

Bienenstocksummende Tremoli, ironische Halbton­rückungen oder Momente fahler Erstarrung wurden als Symbole überkommener Tonsprachen wahrgenommen. Durch die nach Leichtigkeit strebende Spielweise des Ensembles und seiner Orientierung an mittleren Tempowerten überwog bei diesem Werk insgesamt der Eindruck morbiden Charmes.

Vielgestaltig und ausladend trat Antonín Dvoráks Streichquartett Nr. 13 G-Dur auf. Feinste Regungen der vier Musiker bestimmten das Zusammenspiel. Besonders intensiv gerieten hier gerade oft leise Stellen. Da hörte man im „Allegro moderato“ bis ins äußerste Pianissimo zurückgeführte Melodielinien oder trügerische Schlüsse, die sich im weiteren Verlauf als raffinierte Fortführung in neue thematische Gefilde erwiesen.

Im „Adagio ma non troppo“ reihte sich ein nervöses Pizzicato-Zucken der 2. Violine ebenso selbstverständlich in das harmonische Klangband ein wie ein souverän tänzelnder Springbogen der Viola im „Molto Vivace“.

Die quecksilbrig flirrenden Figuren im Finale schließlich erforderten einen blitzschnellen Rollenwechsel zwischen thematischer Führung und farbgebendem Hintergrund. Die vier Musiker erwiesen sich darin als wahre Meister ihres Faches. Im Fall von Annette Walther hatten diese Rollenwechsel zudem eine ausdrucksverstärkende theatralische Komponente. Sie wechselte dabei zwischen einem Führungs- und einem Hintergrundgesicht. Damit sah man gleichsam bereits vor dem ersten Ton die nachfolgende Klangrolle.

Der denkwürdige Abend fand mit der Zugabe, dem „Un poco Adagio“ aus dem Streichquartett KV 170 C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, zu einem ebenfalls begeisternden Abschluss.

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