Lörrach Vom Charme der leisen Klänge

 Foto: Beatrice Ehrlich

Lörrach - Genau hinhören hieß es bei der Kammermusikreihe „Junges Podium“ im Burghof. Mit ihrer bezaubernden Gitarren-Matinee mit Werken vom Händel bis De Falla zogen Julia und Christian Zielinski die Zuhörer fast zwei Stunden lang in ihren Bann. Die große Bandbreite – virtuos perlende Läufe, Fugen und Tempowechseln auf der einen, mit großem Einfühlsamkeit zum Klingen gebrachte einzelne Töne auf der anderen Seite – ist ein Markenzeichen dieses Duos und Paars, das seit vielen Jahren zusammen auftritt und sich nicht nur musikalisch blind versteht.

Schon in Händels „Chaconne“ in G-Dur, im Original für Cembalo, werden die Möglichkeiten feinst aufeinander abgestimmten Zusammenspiels bis ins Detail ausgelotet. Der ganze Charme höfischer Musik entfaltet sich gleich darauf in den vier kurzen Stücken François Couperins. Mit seinen humorvollen Miniaturen mit Titeln wie: „Die Schäferin“, „das Waschweib“ oder „Der Tic-Toc-Schock“ durchkreuzte er zu seiner Zeit bereits unterschwellig die Hörgewohnheiten am Hofe Ludwigs XIV.

Johann Sebastian Bachs „Capriccio sopra la lontananza del fratello dilettissimo“ ist dann der Höhepunkt des ersten Programmteils vor der Pause. Alle, auch die Kinder und Jugendlichen im Publikum haben ihren Spaß an dem sechsteiligen Abschiedsständchen, ursprünglich am Cembalo, des erst 17-jährigen Bach für seinen Bruder, der die Stadt verlässt. Deutlich sind vor dem Vortrag von den Interpreten vorgestellten Sätze zu erkennen: Schmeichelnde Abschiedsworte, dann die energisch voranschreitenden Schritte des Reisenden, die in langsames, dunkles Moll gekleidete Trauer wegen des Abschieds, das Abschiedfest, der Klang des Posthorns und nicht zuletzt die großartige Fuge über das Thema des Posthorns – ein früher Bach, von den beiden Gitarristen glänzend und mit viel Gefühl für klangliche Details in Szene gesetzt.

Spanische Gitarrenmusik

Der zweite Programmteil gilt einer weiteren erklärten Liebe des ARTIS-Gitarrenduos: der spanischen Gitarrenmusik. Im Mittelpunkt steht Isaac Albéniz „Mallorca“, ein Stück, in dem Melancholie und Fröhlichkeit gleichermaßen zum Erklingen kommen. Durch das ausgefeilte Zusammenspiel der Zielinkis gewinnt das Klavierwerk in der Transkription für zwei Gitarren noch an Kontur und dynamischer Gestaltung.

Mit kalkulierten Dissonanzen verweist Joaquín Rodrigos „Tonadilla“ davor in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, wenn auch der Grundklang unverwechselbar spanisch bleibt.

Das gleiche gilt für die Auszüge aus Manuel de Fallas Suite „El amor brujo“ – ursprünglich komponiert für eine Tanzaufführung – denen unverkennbar der die andalusische Volksmusik prägende Flamencogesang Cante jondo zugrunde liegt.

In seiner Interpretation der spanischen Gitarrenwerke arbeitet das Duo statt des zu erwartenden expressivem „flamencoartigen“ Spiels die Struktur der Komposition als Aneinanderreihung filigran-aufgebauter Passagen heraus, die, mal in Dur, mal in dramatischem Moll, ein vielfarbiges Genre-Bild vor dem inneren Auge des Zuhörers entstehen lassen.

In der gerne gewährten Zugabe, Albéniz’ „Capricio catalán“, wird es noch einmal richtig schmissig-spanisch.

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