Lörrach Vom Stipendium bis zur Sprachreise

Die Oberbadische, 09.01.2014 23:00 Uhr

Von Florian Nantscheff Lörrach. Ausbildung und Weiterbildung von Mädchen und Frauen aus dem muslimischen Kulturkreis zu fördern ist Aufgabe der Schubert-Durand-Stiftung. Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist die Einzelförderung. Einige Förder­maß­nahmen konnten im abgelaufenen Jahr erfolgreich abgeschlossen werden oder werden 2014 fortgeführt.„Ich möchte mich sehr für Ihre Hilfe bedanken. Denn gerade dann, wenn ich viel zu tun habe an der Uni und nicht viele Stunden in der Kinderarztpraxis verbringen kann, bin ich wirklich froh unterstützt zu werden“, schrieb Funda, deren Medizinstudium die Stiftung seit 2009 mit einem monatlichen Beitrag förderte. Im Abschlussbericht hieß es: „Fünf Jahre mit voller Geschwindigkeit durch München und den theoretischen Teil des Medizinstudiums mit allen Prüfungen, mit der Doktorarbeit am Max-Planck-Institut, mit den Famulaturen in der Türkei, mit den Choraufführungen dem trotz allem intensiven Ballett­trai­ning, Mitarbeit in der Kinderarztpraxis und der Beteiligung an der deutsch-türkischen Gesellschaft.“ Regelmäßig berichtete Funda über ihr Studium. Seit 2013 arbeitet sie im Kantonsspital St. Gallen und ist dort seit Januar Assistentin in der chirurgischen Abteilung.

Ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Einzelförderung ist Ebru. Sie entschloss sich nach der Abendrealschule zu einem sozialen Jahr in einer anthroposophischen Einrichtung für Behinderte. Diese Arbeit hat sie so motiviert, dass sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin begann. Seit ihrem zweiten Ausbildungsjahr erhält sie von der Stiftung ein monatliches Stipendium. „Ohne die Unterstützung könnte ich die Fahrten nach Stuttgart zur Ausbildung und das Wohnen an meinem Praxisort nicht bezahlen. Ich bin dankbar, dass mir die Stiftung so die Ausbildung ermöglicht. Die Arbeit mit den behinderten Kindern macht mir großen Spaß.“

Im Mai 2013 beantragten die beiden Schwestern Aysel und Aylin die Förderung eines englischen Sprachaufent­halts. Beide sind derzeit auf dem ernährungswissenschaftlichen beziehungsweise sozialwissenschaftlichen Gymnasium in Lörrach und möchten gerne nach dem Abitur studieren. Da ihre Englischkenntnisse dafür noch nicht ausreichen, ermöglichte ihnen die Stiftung eine dreiwöchige Sprachreise nach Malta. Die tägliche Konversation in der Gastfamilie und der intensive Unterricht mit Mitschülern aus verschiedensten Ländern hat sie gestärkt und motiviert. In ihrem Erfahrungsbericht heißt es, dass es ihnen gelungen ist, „neue Kontakte im Ausland aufzubauen, mit denen wir uns regelmäßig auf Englisch unterhalten. Doch vor allem haben wir gelernt, Englisch ohne Angst vor Fehlern in der Aussprache und in der Grammatik zu sprechen. Dies wäre uns ohne die Reise nicht gelungen“.

Außerdem erhalten derzeit zwei Mädchen Förderung beim Einzelunterricht am Klavier in der Musikschule und mehrere Frauen erhielten 2013 eine finanzielle Unterstützung bei den B2-Kursen in Deutsch, für die es keine Förderung mehr durch das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge gibt.

Neben der Einzelförderung ist die Schubert-Durand-Stiftung in vielen Feldern aktiv, um Frauen und Mädchen mit muslimischem Hintergrund zu fördern: in Kindergärten und vier Hauptschulen sowie der Realschule in Lörrach unterstützt sie Schüler mit Deutschunterricht. Sie organisiert Frauentreffs, das wöchentliche Café international in der Pestalozzischule und in Zusammenarbeit mit dem Theater Tempus fugit eine interkulturelle Frauentheatergruppe. Seit vielen Jahren findet in der Stadtbibliothek die wöchentliche deutsch-türkische Lesung mit Melahat Ulec große Resonanz. Ulec ist hauptamtliche Mitarbeiterin der Stiftung und leitet auch Elternkurse auf Türkisch.

Wie Gudrun Schubert betont, ist die Einzelförderung von Frauen und Mädchen auch in Zukunft ein Schwerpunkt der Schubert-Durand-Stiftung.