Von Kristoff Meller

Lörrach. Englisches Karomuster, venezianischer Karneval und Hard-Rock-Klänge aus der Schweiz – die Migros-Gugge-Explosion war bei ihrer 13. Auflage am Samstag so vielfältig wie selten zuvor. Den wohl am meisten gefeierten Tambourmajor haben die Zehntausende von Zuschauern in Lörrach jedoch zum ersten und letzten Mal gesehen.

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Die schwarzen langen Haare schwingen hektisch zum schnellen Takt der Trommeln hin und her. Trotz der schwarzen, schweren Stiefeln springt er hoch in die Luft und wirbelt wild mit seinem Taktstock umher. Basilius Steinmann liebt Hard-Rock-Bands wie „Iron Maiden“, „Rage Against the Machine“ oder „Guano Apes“. Während Guggenmusiker normalerweise überwiegend Songs von Pop-und Schlagerinterpreten  spielen, haben sich die „Quä Quäger“ aus Triengen (Kanton Luzern) deshalb den richtig harten Jungs verschrieben.

„Als ich vor 26 Jahren das Amt des Tambourmajors übernahm, habe ich gleich in der ersten Sitzung gesagt, dass ich das spielen möchte, was ich mag“, erklärt Steinmann. Es habe allerdings 15 Jahre gedauert, „bis alle auf dem heutigen Level“ waren. Weil nur einer Noten lesen konnte, hat Steinmann, der mit klassischer Musik aufgewachsen ist, ein  eigenes Notensystem mit Farben entwickelt und seinen Musikern beigebracht.

Doch nach dieser Fasnacht ist für ihn Schluss. „Ich habe das jetzt lange genug gemacht“, erklärt der durchgeschwitze Schweizer etwas müde, nachdem ihn das Publikum nach seinem zweiten Auftritt auf dem Alten Markt frenetisch gefeiert hat. Doch bis dahin gibt er noch einmal richtig Gas: Am Freitagabend in Laufenburg, am Samstag von morgens bis abends  in Lörrach, danach noch ein Spätauftritt in der Heimat und gestern natürlich ein Umzug im Nachbardorf. Verschnaufen? Fehlanzeige.

„Er ist ein absolutes Unikum“, weiß Claudio Burger, musikalischer Leiter der Gugge-Explosion. „Als wir erfahren haben, dass er aufhört, haben wir Quä Quäger sofort eingeladen.“ Diese Rockshow wollte Burger dem Lörracher Publikum nicht vorenthalten.

Ebenfalls einzigartig ist die „Frumptarn Guggenband“ aus Barnsley in Nordengland. Ihr Leiter, der Musiklehrer Keith Ramskill, war 2003 erstmals in der Partnerstadt Schwäbisch Gmünd beim Internationalen Guggenmusiktreffen zu Gast. Er war sofort begeistert von den schrägen Tönen. Zurück auf der Insel gründete er mit knapp 20 Brassband-erfahrenen Musikern die erste Guggegruppe Englands. Inzwischen umfasst „Frumptarn“ 42 Mitglieder und ist jedes Jahr zur Fasnachtszeit in Deutschland und der Schweiz  unterwegs. „Wir sind glücklich hier auftreten zu können, und das Publikum liebt anscheinend, was wir tun“, stellt Keith Ramskill nach dem Auftritt am Senser Platz erfreut fest. Tatsächlich, die Lörracher sind ab der ersten Sekunde begeistert vom eigenwilligen „Barnsley-Sound“, kombiniert mit fetzigen Tanzeinlagen im Kilt. „Wir haben unseren eigenen Stil entwickelt und versuchen recht aggressiv zu spielen“, erklärt Ramskill.

Doch nicht nur die 30 offiziell eingeladenen Guggenformationen haben ihren Spaß. Auch Formationen wie die „Zeller Noteknacker“ oder „Geifersepp“ werden bei ihren Konzerten auf der Spontanbühne von Zuhörern umlagert und finden selbst außerhalb der Fußgängerzone ein Plätzchen für ihre musikalische Show. Manche nahmen für diese Platzkonzerte weite Wege auf sich, wie die Gruppe „X-Treme“ aus Konstanz. „Wir waren vor drei Jahren zum ersten Mal hier und kommen gerne nach Lörrach“, erklärt „X-Treme“-Mitglied Mario, bevor er am Abend wieder in den Bus Richtung Bodensee steigt.

Während der Alte Markt und die Tumringer Straße fast durchgängig prall gefüllt sind, geht es beim Empfang für die Sponsoren und Gönner auf dem Balkon des Restaurants „Drei König“ diesmal überschaubar zu. Die Narrengilde ehrt im kleinen Kreis verdiente Sponsoren und Unterstützter. Thomas Sieberer (Mc Donalds, für die neue Jugendparty) und Michael Schleith (stellvertretend für die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden) dürfen sich einen großen Orden bei Obergildenmeister Jörg Rosskopf abholen.

Von dieser „Loge“ hat man im Anschluss einen eindrucksvollen Ausblick auf den Gugge-Corso, der sich aufgrund des im Kalender recht späten Fasnachtstermins noch in der Dämmerung am Senser Platz in Gang setzt. Aber spätestens mit der zehnten der knapp 30 Formationen kommt auch die Dunkelheit am Marktplatz an.

Ein dementsprechend zufriedenes Fazit zieht Jörg Rosskopf: „Ich sehe sehr viele fröhliche Gesichter, unser routiniertes Team hat gut gearbeitet und auch die Ausgabe der 1200 Mahlzeiten im Burghof hat fast reibungslos funktioniert.“ Dass sich die Sonne kein einziges Mal blicken lässt, kann er verschmerzen: „Für die Aktiven ist das kühle, trockene Wetter ideal und die Plätze sind trotzdem voll.“

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