Lörrach Von New York über Taiwan zurück nach Lörrach

Foto: Kristoff Meller Foto: Die Oberbadische

Lörrach - Moeh-ring: Im Ausland nicht leicht auszusprechen – von der Schreibweise ganz abgesehen. Deshalb hat sich der Lörracher Sänger und Pianist Julian Moehring vor rund einem Jahr einen Künstlernamen zugelegt, der seiner mittlerweile internationalen Musikerkarriere besser ansteht: Julian Moreen.

Mit Verleugnung der Herkunft und Heimat habe das gar nichts zu tun, versichert der 25-Jährige überzeugend. „Eigentlich mag ich meinen Namen. Aber die Leute kommen mit dem neuen besser klar.“

Zurück von Asientournee

Gerade kommt der junge Pianist und Sänger rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit von einer Asientournee in seine Heimatstadt zurück. Hier trifft er neben der Familie auch regelmäßig seine alten Kumpels aus den musikalischen Anfängen der Jazz AG am Hans-Thoma-Gymnasium wieder, von denen einige inzwischen ebenfalls Karriere als Musiker machen.

Über 20 Konzerte und Meisterklassen führten Moehring und seine Mitmusiker durch Taiwan, Malaysia und Singapur. Dort traten sie in Clubs oder Hallen auf und begeisterten mit ihrer stilübergreifenden Musikmischung das Publikum.

Nun gastiert Moehring in dieser Besetzung am 21. Dezember im Jazztone, es ist sein drittes Gastspiel dort. Als Gastsängerin kommt eine frühere Mitstudentin aus Voicelab-Zeiten dazu: Natascha Gooneratne. Gespielt werden hauptsächlich Eigenkompositionen, ein Mix aus Jazz. Weltmusik, Folk und Pop.

Die letzten fünf Jahre hat der Musiker als Student am Berklee College of Music in Boston verbracht, danach lebte er freischaffend in New York – bis sein Visum auslief.

„Ich möchte von meiner Musik leben können“

Sich als Profimusiker durchzuschlagen, ist natürlich nicht leicht, aber das unbedingte Ziel Moehrings. Derzeit schafft er das durch zusätzliche Jobs als Musiklehrer oder das Anbieten von Workshops. „Ich möchte von meiner Musik leben können“, lautet sein Credo. Und er ist zuversichtlich, dass das auch so funktionieren wird, dass sich vielleicht neue Perspektiven auftun, mit denen er nie gerechnet hätte. „Früher habe ich mir immer genaue Zielvorgaben gesetzt, wann ich wo stehen möchte. Das lasse ich jetzt. Ich arbeite hart, aber mit Freude – das hat mich weitergebracht.“

Die Liebe zum Jazz ist in Moehrings Generation eher selten. Der Sohn eines Peruaners und einer Deutschen war als Zwölfjähriger großer Robbie Williams-Fan. Damals sang er mit seiner ersten Band „Firehands“ Coversongs. Als er dann Williams Swing-CD in die Hände bekam, war er fasziniert von Dean Martin  & Co. „Ich habe mir einen Zehner-Pack Sinatra-CDs gekauft“, erinnert sich Moehring grinsend. Damals wollte er eine BigBand gründen. Schwarzer Anzug, viel Stil, das fand er sehr cool.

Mittlerweile hat sich sein musikalisches Spektrum vielen anderen Einflüssen gegenüber geöffnet. Seine Eigenkompositionen haben oftmals einen melancholischen Grundton, „obwohl ich eigentlich gar kein melancholischer Typ bin.“ Doch die europäische Musiktradition gebe da viel Inspiration. Sehr wichtig sind Moehring die Texte – auch bei Coversongs. „Musikalisch kann man einen Song ja klanglich entwickeln, bei Texten geht das nicht.“

Vielschichtige Text-Kompositionen und musikalische Einflüsse

Seine Text-Kompositionen sind genauso vielschichtig wie die musikalischen Einflüsse. In „Yellow“ fängt Moehring die Stimmung eines Herbsttages am Fluss in Boston ein, darin steckt Heim- und Fernweh zugleich, das Ganze sehr poetisch in englische Wörter gepackt.

In „Strange Fish“ wiederum greift er ein soziales Thema auf, thematisiert das erschütternde Foto des ertrunkenen Flüchtlingskindes vor der türkischen Küste, das um die Welt ging. Assoziationen zu Billie Holidays Song „Strange Fruit“ sind beabsichtigt.

Und in seinem Duett „The Wall“ geht es um ein Kind, das von seinem Vater getrennt ist. Mauern gebe es ja überall. Um so bewusster werde ihm daher die privilegierte Lage in seiner Heimat, wenn er zu Besuch ist.

Die Ideen zu Melodien und Texte kommen Moehring unverhofft: beim Schlendern durch New Yorks Straßen oder beim Spazierengehen durch die heimatlichen Wälder. Bruchstücke, Wörter, Textteile speichert er auf seinem Handy. „Wenn sie mich nach ein paar Tagen immer noch ansprechen, improvisiere ich am Klavier und versuche, ein Stück zu schreiben. Das ist dann echte Arbeit.“

Auf seinen Jazztone-Auftritt freut sich Moehring sehr. Der Club mit den zwei Ebenen hat für ihn besonderen Charme, auch, aber nicht nur, weil er in seiner Heimatstadt Lörrach liegt. 

  • Freitag, 21. Dezember, 20.30 Uhr im Jazztone Lörrach: Julian Moehring (Piano, Gesang), Yu-Jia Liu (Bass), Andrew Cheng (Gitarre) und Kon­stantin Kreutler (Schlagzeug)

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