Lörrach Von nordischen Landschaften inspiriert

Das Violinkonzert mit Gregor Hänssler geriet zu einem Höhepunkt. Foto: Gottfried Driesch

Lörrach - Zur Adventszeit gehört in Lörrach das große Konzert des Oberrheinischen Sinfonieorchesters einfach dazu. Am Sonntag brillierte das Orchester und der Solist Gregor Hänssler an der Violine mit einem exzellenten Programm.

Der Dirigent und künstlerische Leiter des Oberrheinischen Sinfonieorchesters, Stephan Malluschke, hatte ein erlesenes Programm zusammengestellt. Er fordert seinen Musikern viel ab, aber nicht zuletzt dadurch steigert sich das musikalische Niveau der Musiker von Jahr zu Jahr. Inzwischen liegt die künstlerische Qualität weit oberhalb von dem, was man von einem Laienorchester erwarten kann.

Eingeleitet wurde das Konzert mit der sinfonischen Dichtung „Finlandia“ op. 26 des Finnischen Komponisten Jean Sibelius. Dieser ließ sich von seiner nordischen Heimat inspirieren. Wer sich einmal mit dieser urwüchsigen Landschaft befasst hat, kann diese in der Musik direkt wiedererkennen. Düster beginnt das Werk, getragen von Blechbläsern und Pauken. Man spürt förmlich die lange Dunkelheit, die sich im Winter über die Landschaft legt. Erst mit dem späteren Einsatz der Holzbläser geht die Sonne auf. Der lyrische Mittelteil lässt den Zuhörer schwelgen. Der Schluss ist stark und beeindruckend. Die Musiker glänzten mit großen Differenzierungen und schönem Klang und machten schon dieses kurze Stück zu einem Erlebnis.

Das Werk fällt in die Zeit, in der das finnische Nationalbewusstsein erwachte. So wurde die Komposition auch politisch gedeutet, schließlich sogar durch die russischen Herrscher mit einem Aufführungsverbot belegt.

Gregor Hänssler (Violine) aus Schopfheim hatte bereits vor vier Jahren sein Ausnahmetalent in einem Konzert mit dem Oberrheinischen Sinfonieorchester mit dem Violinkonzert von Peter Tschaikowsky unter Beweis gestellt. Diesmal spielte er das Violinkonzert in d-moll op. 47 von Jean Sibelius. Sibelius war selbst Violinist. Er reizte deshalb den Solopart seines Konzerts bis an die Grenzen des Machbaren aus. Da ihm bei der Uraufführung 1904 in Helsinki kein erstklassiger Solist zur Verfügung stand, fiel das Werk beim Publikum durch. In der Folgezeit hat der Komponist das Konzert überarbeitet, gekürzt und manche Passagen entschärft. Obwohl Sibelius anschließend noch gut 50 Jahre lebte, blieb das d-moll Violinkonzert sein einziges.

Im Burghof kam jetzt diese zweite Fassung zur Aufführung. Auch diese verlangt dem Violin-Solisten hohes technisches Können ab. Hoch konzentriert meisterte Gregor Hänssler alle Schwierigkeiten. Den sehr beeindruckenden Randsätzen stellt der Komponist einen seelenvollen Mittelsatz gegenüber. Lyrische Bögen bilden einen Kontrast zu dem dichten Beginn und Schluss des Konzerts.

Hänssler verfügt über ein auffallend warm klingendes Instrument, das trotz des weichen Klangs sehr gut trägt.

Die Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonín Dvorák bildete den Abschluss des Abends. Ein liebliches Hauptthema eröffnete den ersten Satz. Klangschön setzten die Hörner ein. Perfekt der Zusammenklang des gesamten Orchesters. Malluschke leitete entspannt die Sinfonie. Seine gründliche Einstudierung trug satte Früchte. Mit weit gespannter Dynamik und präzisen Übergängen wurde die Musik zu einem Erlebnis. Heiter der zweite Satz „Adagio“. Überhaupt war die Sinfonie sehr eingängig.

Die Zuhörer waren begeistert. Um den Bogen zum Konzertbeginn zu schließen, spielte das Orchester noch einen bekannten Marsch von Sibelius als Zugabe. Ein Teil des Erlöses des Konzerts fließt in unser Aktion „Leser helfen Not leidenden Menschen“.

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