Lörrach Wandel im Weinberg

Lörrach - Seit Dezember 2018 befindet sich Karlheinz Ruser offiziell im Ruhestand. Gleichwohl wird der Tüllinger Winzer sein Sortiment in etwas reduzierter Menge weiterhin anbieten. 2,2 Hektar Reben übernimmt Winzer Hanspeter Ziereisen aus Efringen-Kirchen – deren Ertrag wird künftig im Weingut Riehen verarbeitet.

Ruhestand – für Ruser heißt das zunächst: „Ich reduziere von einer 70- auf eine 50-Stunden-Woche.“ Im November ist er 65 geworden, eigentlich könne er sich nun ganz zur Ruhe setzen: „Aber warum sollte ich?“

Wandel bei Zeiten einleiten

Den Arbeitsumfang wollte er gleichwohl zurückfahren, deshalb hat er seine Rebfläche von 5,2 auf drei Hektar verringert. Hinzu kommen noch rund zwei Hektar Land mit Obstbäumen, auf denen er etwa Zwetschgen, Birnen und Mirabellen für seine Obstbrände erntet. Nicht zu vergessen den Wochenmarkt, auf dem er neben seinen Weinen Äpfel des Haltinger Obstbauern Stefan Fuchs verkauft.

Sieht so Ruhestand aus? Allein 700 Stunden Außenarbeit rechnet er pro Hektar Rebfläche, die Kellerarbeit kommt noch hinzu! Karlheinz Ruser lacht: „Ich bin ein sehr aktiver Rentner.“ Dennoch leitet er den Wandel nun ein. Von seinen drei Töchtern wolle keine den Betrieb übernehmen: „Damit hab’ ich überhaupt keine Probleme“, betont er.

Ziereisen kauft zu

Mit Hanspeter Ziereisen hat er einen Abnehmer für seine Reben gefunden, der schon seit Längerem auch am Tüllinger Berg aktiv ist. Der Markgräfler zählt mittlerweile zu den Top-Winzern Deutschlands und hat im Jahr 2014 gemeinsam mit seinem ehemaligen Kellermeister, dem jungen Schweizer Thomas Jost, die Reben der Gemeinde Riehen gepachtet, um dort hochwertige, terroir-orientierte und lagerfähige Weine zu erzeugen. Sie richteten den Betrieb neu aus: Strenge Selektion im Rebberg, Ertragsreduktion, spontane Gärung und ein möglichst schonender Ausbau im Keller waren die Pfeiler des neuen Projekts.

Im Gespann mit Ullrich

Nachdem sich Jost zu einer beruflichen Neuorientierung entschlossen hatte, übernahm Ziereisen das Riehener Weingut gemeinsam mit Jacqueline und Urs Ullrich – Schweizer Fachhändler für Weine und Spirituosen. „Ziereisen wird für Strategie und Produktion verantwortlich sein, die Paul Ullrich AG für den Vertrieb der Weine und die Administration. Beide Parteien sind zu 50 Prozent am Weingut beteiligt“, hieß es in einer Pressemitteilung. Ziereisen fungiert derzeit auch in Riehen noch als Betriebsleiter, vor Ort ist Silas Weiss im Tagesgeschäft verantwortlich.

Nun bestätigte Hanspeter Ziereisen den Zukauf der Ruser'schen Reben im Gespräch mit unserer Zeitung. Vermarktet werden kann der grenznah angebaute Wein von der Lörracher und Weiler Seite des Tüllingers wahrscheinlich als „Schweizer Wein aus deutschen Trauben“. Gutedel, Chardonnay sowie Weiß-, Grau- und Spätburgunder hat Ruser an Ziereisen abgegeben. Damit wird das Riehener Weingut künftig mit Trauben von insgesamt gut 5,5 Hektar Rebfläche beliefert. Im Herbst 2019 wird das Lesegut von der deutschen Seite des Tüllingers erstmals über die Grenze nach Riehen transportiert und dort weiter verarbeitet.

Wein, wie er gewachsen ist

Unterdessen wird Ruser seinen Sortenspiegel und die Vermarkung beibehalten: Gutedel, die klassischen Burgundersorten, Chardonnay und Lemberger baut er aus. Auf kalkhaltigen Lehmböden mit Süßwasserkalk als Unterlage bringen die Rebstöcke mineralische, langlebige Weine hervor. „Ich baue den Wein aus, wie er gewachsen ist, mit möglichst wenig Eingriffen – jahrgangstypisch und ohne Alkoholanreicherung.“ Und: Ruser gibt seinen Weinen Zeit: Zwei bis zweieinhalb Jahre liegen etwa seine Spätburgunder im Fass, bevor sie in Flaschen abgefüllt werden.

Rund zwei Drittel seiner Weine vermarktet Ruser privat, gut 30 Prozent über die Gastronomie – überwiegend zwischen Freiburg und der hiesigen Grenzecke. Er habe sich dafür entschieden, nicht vor der eigenen Haustür in den Einzelhandel zu gehen, lediglich in Freiburg und in Ravensburg werden seine Weine in einigen wenigen Fachgeschäften verkauft. Die meisten seiner Kunden kommen zu seinem Betrieb auf dem Tüllinger – bis auf Weiteres wird das auch künftig möglich sein.

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