Lörrach Warum wir streiken, statt zu lernen

Unsere Autorin Anouk (mit Mikrofon) bei der Schülerdemo in Freiburg am 18. Januar Foto: Youtube/Screenshot/Super Nice

Lörrach - Hunderte Lörracher Schüler demonstrieren heute zum wiederholten Male für einen besseren Klimaschutz und einen früheren Kohleausstieg. Unsere Bogy-Praktikantin Anouk Kilburg (15), Schülerin des gymnasialen Zugs an der Freien Evangelischen Schule, meint: Ohne die Unterstützung der Regierung lässt sich wenig ausrichten.

Das Thema „Klimawandel“ haben wir im Erdkunde-Unterricht ausführlich durchgenommen. Ich war leicht desillusioniert, als ich gehört habe, wie steil es mit unserem Planeten bergab geht – und wie wenig Handlungsspielraum uns noch bleibt. Als ich von der Bewegung „Fridays for Future“ erfahren habe, war ich entsprechend frustriert und motiviert genug, mich für mehr Klimaschutz einzusetzen und an einer Demonstration teilzunehmen.

Der Klimawandel ist gar nicht so weit weg, wie viele meinen

Ich denke, der Klimawandel findet gar nicht so weit weg statt, wie viele meinen. Allein wenn man einen Blick auf das Lörracher Wetter von 2018 wirft, fällt einem auf: Eine sehr lang andauernde Dürre im Sommer, die die Wiese zeitweise zur Pfütze degradiert hat, ein ungewöhnlich warmer Herbst und ein vielseitiger Winter, bei dem an Temperaturen wirklich alles vorkam. Wenn in den Nachrichten derart regelmäßig von Rekordtemperaturen berichtet wird, macht einen das stutzig.

Auch wenn die Streikbewegung auf viel Zustimmung stößt, habe ich natürlich viel von der Kritik mitbekommen. Viele Vertreter der älteren Generation, insbesondere Schulleiter und Politiker, halten nichts davon, dass die Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden.

Die Befürchtung: Viele der Jugendlichen würden einfach nur aus Freude am Schulschwänzen an den Demonstrationen teilnehmen. Selbstverständlich gibt es immer welche, die sich beim Wort „Klimastreik“ eher vom Streik als vom Klima begeistern lassen, was natürlich auch ein Nachteil der Bewegung ist.

Meistens sind die „richtigen Schulschwänzer“ jedoch sowieso schon diejenigen, die öfters mal blaumachen. Der Großteil der Bewegung interessiert sich wirklich für die Zukunft.

Gehör verschaffen und die Regierung zum Handeln bewegen

Manchmal fände ich eine Demonstration am Nachmittag auch besser. Auf jeden Fall wäre sie leichter zu organisieren und besser mit den Wünschen von Eltern und Lehrern vereinbar. Jedoch hätte die Bewegung nie die benötigte mediale Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie den Protest nicht in Form eines Schulstreiks geäußert hätte. Das ist traurig, aber wahr.

Man denke nur an den Streit um den Hambacher Forst. Hätten die Aktivisten sich damals nicht derart gegen die Räumungsaktionen der Polizei gestellt, würde der Wald in Nordrhein-Westfalen zwischen Köln und Aachen heute nicht mehr stehen.

Ein anderes Argument, das ich auch schon von Gleichaltrigen gehört habe, ist, dass sich die Mitglieder der Bewegung nicht klimaneutraler und ökologischer verhalten würden als andere. Ich muss gestehen, ich bin auch nicht sonderlich ökologisch: Ich fliege diesen Sommer mit meiner Familie nach Australien. Auch ich werde mein Konsumverhalten überdenken müssen. Immerhin fangen wir als Familie schon einmal klein an: Wir benutzen fast keine PET-Flaschen mehr und verzichten in der Fastenzeit auf Fleisch.

Ein Problem der Bewegung ist zudem, dass Jugendliche in Deutschland rein zahlenmäßig in der Minderheit sind. Selbst wenn wir beispielsweise alle gemeinsam beschließen würden, kein Fleisch mehr zu essen (was nicht funktionieren würde, da längst nicht alle Jugendlichen mitmachen würden), könnten wir ohne die Unterstützung der Erwachsenen wenig ausrichten.

Das Argument „Ja, wenn alle mitmachen würden, dann...“ funktioniert nicht. Es werden nie alle mitmachen. Deshalb versuchen wir, die Regierung zum Handeln zu bewegen, weil sie andere Möglichkeiten besitzt als wir. Wir sind noch nicht erwachsen und besitzen kein Wahlrecht, darum müssen wir uns anderweitig Gehör verschaffen – zum Beispiel durch einen Schulstreik.

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