Lörrach Wege aus der Gewalt

Regine Ounas-Kräusel
Franziska Weiser (l.) und Julia Geiger, Beraterinnen der Frauenberatungsstelle Foto: Regine Ounas-Kräusel

„Psychische Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter“, wissen Franziska Weiser und Julia Geiger von der Frauenberatungsstelle Lörrach. Am 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, wollen sie für dieses Thema sensibilisieren.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. „In unserer Beratung ist das ein Querschnittsthema“, sagten Weiser und Geiger vom Team „Häusliche Gewalt“ der Beratungsstelle bei einem Pressegespräch. Ganz gleich, ob die ratsuchenden Frauen unter körperlicher, sexualisierter Gewalt oder unter Essstörungen leiden, immer wieder berichteten sie auch von erfahrener psychischer Gewalt.

42 Prozent aller Frauen in Deutschland haben im Laufe ihres Lebens psychische Gewalt erfahren. Dies ergab eine Studie „Zur Lebenssituation, Gesundheit und Sicherheit von Frauen“ aus dem Jahr 2004, die das Bundesfamilienministerium in Auftrag gab und bei der 10 000 Frauen befragt wurden.

Vor allem narzisstische Männer gehen manipulativ vor

Anders als das Klischee sage, übten oft Männer psychische Gewalt aus, so die Beraterinnen. Häufig seien es die Partner oder ehemaligen Partner der Frauen: „Dabei geht es um Kontrolle und Macht.“ Einschüchterung, Anschreien und Demütigungen gehören zur psychischen Gewalt. Genauso Drohungen, die Kontrolle über Bedürfnisse wie Essen und Sexualität sowie die Isolation der betroffenen Frau von ihrem sozialen Umfeld.

Vor allem narzisstische Männer gingen manipulativ vor, indem sie die Frau wegstießen und wieder zu sich zögen, so die Beraterinnen. Wenn sich die Frau nur schwach wehre, sinke oft die Hemmschwelle des Täters und körperliche oder sexualisierte Gewalt könne hinzukommen. Die Frauenberatungsstelle berate zum Beispiel aber auch Mütter, deren Söhne sie nicht respektierten, oder Frauen, die am Arbeitsplatz gemobbt werden.

Im Kampf gegen psychische Gewalt setzt die Frauenberatungsstelle auf Prävention und eine Beratung, bei der die Stärken der ratsuchenden Frauen im Mittelpunkt stehen: „Jede Frau ist einzigartig.“ Die beiden Beraterinnen wollen aber auch die gesamte Gesellschaft für das Thema sensibilisieren, denn sie wissen: Wenn betroffene Frauen ihre Scham überwinden und über erfahrene Gewalt reden, vertrauen sie sich am häufigsten Menschen aus ihrem nahen Umfeld an. Auch Frauenhäuser würden Frauen, die psychische Gewalt erleben, aufnehmen. Noch nie hätten sie erlebt, dass eine Frau wegen psychischer Gewalt Anzeige erstattet habe, obwohl die Beratungsstelle Betroffene auch auf diesem Weg begleiten würde. Vor allem die Beweisführung sei schwierig.

Mehr Infos

Zum Tag gegen Gewalt an Frauen hat die Beratungsstelle ein Schaufenster bei der Regiobuchhandlung Schopfheim gestaltet. Wer ein Zeichen setzen will, kann sich auch an der Aktion „Gemeinsam das Schweigen brechen“ des Bundeshilfetelefons auf Instagram beteiligen.  Greiner und Weiser raten, auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa bei der Frauenberatungsstelle Lörrach (Tel. 07621/87 105) oder beim Bundeshilfetelefon für gewaltbetroffene Frauen (Tel. 0800/116 016).

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