Lörrach Wegen Überfüllung geschlossen

Am Mittwochmorgen war die S-Bahn nur mit einem Triebwagen unterwegs. Foto: Kristoff Meller

Lörrach - Morgen diskutiert der Gemeinderat über das „Ein-Euro-Ticket“, um mehr Lörracher zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen. Im Herbst fällt der „Conrad-Parkplatz“ weg und wird durch 80 Pendlerparkplätze am Bahnhof Haagen ersetzt. Doch schon jetzt kann es zu Stoßzeiten offenbar passieren, dass die S-Bahn so voll ist, dass dort niemand mehr einsteigen kann.

„Ich fahre seit Dezember Richtung Basel und steh jetzt zum vierten Mal am Bahnhof und kam nimmer in den Zug, weil er so voll ist“, schrieb eine frustrierte Frau aus Haagen am Mittwoch in die Gruppe „Netzwerk Lörrach“ auf Facebook. Auf ihren Beitrag meldeten sich etliche Nutzer und berichteten von ähnlichen Erlebnissen: „Ich fahre von Schopfheim zwischen 6.45 und 7.45 Uhr, selbst da kommt man nicht immer rein, wenn nur ein Waggon kommt, das passiert aber wirklich selten“, war eine Antwort.

Kupplungsstörung bei zwei Fahrzeugen

Wie Daniel König, Leiter Marketing & Qualität bei der SBB GmbH, im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, handelte es sich im konkreten Fall um eine Verkettung zweier Defekte: Am Dienstag konnte aufgrund einer Kupplungsstörung nur ein Einzelfahrzeug eingesetzt werden und am Mittwochmorgen trat das Problem bei einem weiteren Fahrzeug auf. „Das passiert wirklich sehr selten. Wir halten immer ein Ersatzfahrzeug vor und können in der Regel auch weiteres Fahrmaterial von den Schweizer Kollegen beziehen, aber wenn sich unsere Fahrzeuge morgens nicht kuppeln lassen, bekommen wir nicht so kurzfristig Ersatz“, sagte König. „Wir bitten um Verständnis, aber das kann trotz regelmäßiger Wartung leider vorkommen.“

Normalerweise immer zwei Triebzüge zu den Stoßzeiten am Morgen

Normalerweise werden auf der Wiesentalbahn zwischen 6 und 8.30 Uhr immer zwei Triebzüge zusammengekuppelt, um den Ansturm durch Schüler und Pendler zu bewältigen. Denn zu den Stoßzeiten kann es trotz der Doppeltraktion mitunter eng werden. „Im Normalfall bekommt aber jeder einen Platz“, hat König, der nach eigener Aussage selbst oft auf der Strecke unterwegs ist, beobachtet.

Eine weitere Nutzerin schreibt hingegen: Wir haben das Problem in Haagen auch schon oft gehabt, dass niemand mehr rein gelassen wird. Meinen Sohn, der in Lörrach zur Schule geht, hat es schon mehrmals getroffen. Bei den Bussen sieht es nicht besser aus, bei Regenwetter sind sie teils so voll, dass sie keinen mehr rein lassen.“

Der Druck auf den ÖPNV wird mit dem Zentralklinikum und den geplanten Neubaugebieten in den Lörracher Ortsteilen weiter zunehmen. Zumal auch talaufwärts weitere Wohngebiete entstehen. Darum ist mittelfristig bekanntlich eine Taktverdichtung auf 15 Minuten geplant. Der dafür notwendige zweigleisige Ausbau wird vom Land gefördert, das auch das Zugangebot auf der Strecke bei der SBB bestellt. Doch bis durchgängig zwei Gleise vorhanden sind, ist es wohl noch ein weiter Weg.

Bahnsteige zu kurz für zwei Triebwagen

Längere Züge als Zwischenlösung lassen sich laut König aufgrund der vorhandenen Infrastruktur auf der S6-Strecke gar nicht einsetzen: „Zwei zusammengekuppelte Flirt-Modelle sind 148 Meter, die Bahnsteige 150 Meter lang.“ Noch kürzer – gerade einmal 80 Meter – sind die Haltestellen der „Gartenbahn“ zwischen Dammstraße und Weil am Rhein. Deswegen kann die S5, die zu den Hauptzeiten auch bis Schopfheim unterwegs ist, immer nur mit einem Triebwagen verkehren. König: „Da können wir nichts machen.“

Doppelstockfahrzeuge sind laut König ebenfalls keine Alternative: „Aufgrund der Auf- und Abgänge haben sie weniger Türen, dadurch würden wir die aktuellen Fahrgastzeitenwechsel nicht mehr schaffen und aufgrund der weitgehend eingleisigen Strecke wäre der Fahrplan dann nicht mehr zu halten.“

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

Newsticker

blank

Umfrage

Von der Leyen hält ihre Bewerbungsrede in Straßburg

Ursula von der Leyen wurde vom EU-Parlament zur neuen EU-Kommissionspräsidentin gewählt. Halten Sie das für eine gute Entscheidung?

Ergebnis anzeigen
loading