Basel - Im Januar findet zum 6. Mal das Giacinto Scelsi Festival im Gare du Nord statt, kuratiert von der Scelsi-Spezialistin und Pianistin Marianne Schröder. Das Programm am Freitag und Samstag hat sich entgegen gedruckter Vorlagen geändert.

Eine Reihe von außerordentlichen Musikern spielt Werke des als eigenwillig geltenden Komponisten Giacinto Scelsi sowie von Karlheinz Stockhausen, Johann Sebastian Bach, Conrad Beck, Emanuel Moor und Ernest H. Papier.

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Giacinto Scelsi (1905-1988), geboren in La Spezia, stammte aus einer wohlhabenden Adelsfamilie und fiel schon als Kind durch sein außergewöhnliches Improvisationstalent am Klavier auf. Er studierte Harmonielehre in Rom. Bis 1950 unternahm er zahlreiche Reisen nach Afrika und Ostasien, lebte in Paris London und der Schweiz. 1937 veranstaltete er Konzerte mit avantgardistischer Musik. Zwischen 1940 und 1950 geriet Scelsi in einer schwere Krise. Danach entwickelte er ein eigenes musikalisches Ausdruckskonzept, das von der Beschäftigung mit fernöstlichem Gedankengut beeinflusst war. es entstanden zahlreiche Werke, die mit programmatischen Titeln auf mystische und meditative Ausdrucksbereiche anspielen Er lebte vorwiegend zurückgezogen, war aber mit zahlreichen bedeutenden Musikern, Komponisten, Literaten und Malern bekannt.

Auf dem Programm steht auch die Uraufführung eines Auftragswerks der Komponistin Junghae Lee (Korea/Schweiz) für Theremin und Violine. Als Theremin-Spielerin wird erstmals die russische Musikerin Lydia Kavina im Gare du Nord auftreten. Sie hat ihr Studium mit acht Jahren bei Lev Theremin begonnen, dem Erfinder des elektronischen Instruments und ist eine weltweit gefragte Virtuosin.

Eine weitere Uraufführung ist dem 2018 verstorbenen Autor und Mitbegründer des Scelsi-Festivals Jürg Laederach gewidmet: Dieter Schnebel hat das dreiteilige Stück „Für Jürg“ 2018 kurz vor seinem Tod komponiert.

Mit dem Cellisten Rohan de Saram, dem Bass-Bariton Nicholas Isherwood, der Kontrabassistin Joëlle Léandre, dem Flötisten Roberto Fabricciani, dem Viola-Spieler Vincent Royer und der Theremin-Spielerin Lydia Kavina wirken sechs hoch angesehene Scelsi-Interpreten bei dem Festival mit. Was sie besonders macht, ist nicht nur, dass sie gleichzeitig Virtuosen ihres Instruments und Komponisten sind. Die Intensität, mit der sie die Musik Scelsis – aber auch anderer zeitgenössischer Komponisten wie zum Beispiel Karlheinz Stockhausen – durchdringen, basiert auf jahrelangem Studium und Zusammenarbeit mit diesen Komponisten. Sie haben an vielen Uraufführungen nachhaltig mitgewirkt. Sie sind Meister, Schüler, Schöpfer, ganz im Sinne des Credos des Scelsi-Festivals „To the master“.

In drei offenen Masterclasses geben Nicholas Isherwood, Joëlle Léandre und Marianne Schroeder an den Festival-Nachmittagen ihre Kunst weiter. In den Pausen gibt es die Möglichkeit zum ungezwungenen Austausch mit den anwesenden Scelsi-Spezialisten in der Bar, und es wird ein Büchertisch organisiert.  www.garedunord.ch