Lörrach Wertvolle Flächen im urbanen Raum

Lörrach - Grünflächen werden gerade im urbanen Raum immer wertvoller. Sie reinigen die Luft, beeinflussen das Klima positiv, und Bäume spenden zudem Schatten. Der Erhalt und der Ausbau dieser Flächen mit teils hoher Biodiversität ist ein Ziel der Stadt. Keine leichte Aufgabe in Zeiten des Klimawandels, steigender Temperaturen und invasiver Neophyten.

„Klar ist, so kann es nicht weitergehen. Viele Bäume halten das Klima nicht aus“, betonte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic beim Pressetermin am Montag. Gerade im Stadtgebiet leide der Bestand unter zunehmendem Trocken- und Hitzestress, weil Bäume früher oft in zu kleinen Baumquartieren gepflanzt wurden und sich der urbane, von Asphalt und Beton dominierte, Raum stärker aufheizt als Grünflächen.

Bäume wie Birke und Hainbuche seien an diese nahezu mediterranen Standortfaktoren nicht angepasst. Hinzu kommen neue Krankheiten und Schadorganismen. Eingeschleppte Pilze die das Ulmen- und Eschentriebsterben auslösen oder der Buchsbaumzünsler und asiatische Laubholzbock sind Beispiele der jüngeren Zeit, wie Britta Staub-Abt, Fachbereichsleiterin für Umwelt und Klimaschutz, ausführte.

Keine Monokulturen

Reine Monokulturen in Alleen wie die Platanen an der Brombacher Straße seien zwar „schön anzusehen, aber nicht besonders sinnvoll für die Biodiversität“, erklärte Jens Langela, Betriebsleiter Eigenbetriebe Werkhof, Stadtgrün und Friedhöfe. Die Bäume erweisen sich als zunehmend problematisch und fördern die Ausbreitung von Krankheiten wie die Massaria, eine Pilzerkrankung an Platanen, die große, scheinbar vitale Äste abfallen lässt.

Die veränderten Umweltbedingungen führten dazu, dass die Resistenz der heimischen Baumarten schwindet und die Auswahl der Pflanzen bei Neupflanzungen den sich verändernden klimatischen Bedingungen zukünftig angepasst werden muss.

Die „Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz“ („GALK“) habe sich schon frühzeitig mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Klimaanpassung auseinandergesetzt. Seit 1994 werden zu Forschungszwecken Bäume derselben Baumart, Größe und Qualität an klimatisch unterschiedlichsten Standorten in Deutschland gepflanzt und wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse finden sich in der „GALK-Liste“ wieder. Diese wird ständig erweitert und stellt die Grundlage für die Baumartenauswahl für Neupflanzungen dar.

Diese Erkenntnisse werden bei Neupflanzungen in Lörrach berücksichtigt. So wurden zuletzt der Südliche Zürgelbaum, die Purpurerle, der Ginkgobaum, der Amberbaum, die Zerreiche und die Felsenbirne gepflanzt. Beispielsweise wurden nach einem Sturm im Jahr 2014, der mehrere große Silberahornbäume auf der Grünfläche am Bernerweg in Tumringen umriss, Zürgelbäume in gleicher Zahl nachgepflanzt, weil diese aus Südeuropa stammende Baumart laut Langela sowohl einen heißen, mediterranen Sommer als auch kalte Winter mit Schnee gut verkrafte.

Zahl der Bäume erhöhen

„Es ist wichtig, kranke und gefällte Bäume zu ersetzen, aber auch zu überlegen, wo wir im Stadtgebiet zusätzliche Bäume pflanzen können“, betonte Staub-Abt. „Denn jeder Baum speichert CO2, und unter einem Baum ist es rund vier bis fünf Grad kühler.“ Ein künftiges Ziel der Stadt Lörrach ist es darum laut Neuhöfer-Avdic, „stabil 100 Bäume pro Jahr zu pflanzen“.

Um günstige Voraussetzungen für die Baumgesundheit zu schaffen, werden die Baumscheiben entsprechend groß ausgestattet und mit speziellem Substrat verfüllt. Bei zu kleinen Standorten wird versucht, die Baumgrube in Richtung Fußweg oder Fahrbahnfläche mit überbaubarem Substrat zu erweitern.

„Die neuen Bäume sollen es wirklich gut haben, damit sie nicht nach ein paar Jahren selbst zum Problemfall werden“, sagte Langela. Solche Maßnahmen im Bestand werden laut Neuhöfer-Avdic jedoch „sehr kostenintensiv“, hier gebe es deshalb „viel Gesprächsbedarf mit der Politik“.

Außerdem regelt die Stadt die Vorgaben für nachhaltige Baumpflanzungen in den Bebauungsplänen. Baumgruben müssen ein Volumen von mindestens zwölf Kubikmetern aufweisen, 1,5 Meter tief sein und mit Baumsubtrat verfüllt werden. Mindestens sechs Quadratmeter der Baumscheibe müssen offen gehalten werden.

Grünflächen als aktiver Klimaschutz

Doch nicht nur Bäume, auch der Ausbau und Erhalt der Grünflächen ist ein wichtiger Bestandteil des städtischen Naturschutzes. „Sie sind gerade im Sommer wichtig für das Stadklima“, sagte Neuhöfer-Avdic. So hat der Gemeinderat bereits 2010 beschlossen, die Deklaration zur „Biologischen Vielfalt in Kommunen“ zu unterschreiben. Die städtischen Wechselflorflächen wurden abgeschafft und dafür naturnahe Staudenmischpflanzungen angelegt. Sie sind langlebiger, haben ein geringeren Pflegeaufwand und bieten heimischen Insekten mehr Nahrung.

Wildblumenwiesen wie am Berliner Platz oder vor dem Rathaus sollen ebenfalls verstärkt angesät werden, um die Artenvielfalt zu fördern. „Kurz gemähte Rasenflächen an jeder Straße gehören der Vergangenheit an“, betonte Langela. Die Akzeptanz für diesen „Wandel des Schönheitsideals“ wird laut Neuhöfer-Avdic aber noch einige Zeit und Aufklärung benötigen.

Die Stadt will hier mit gutem Beispiel vorangehen, aber auch die privaten Eigentümer seien gefordert. Neuhöfer-Avdic: „Wir dürfen nicht nur den öffentlichem Raum betrachten, da müssen alle mitmachen.“ Im kommenden Jahr sei dazu ein Schwerpunktthema geplant.

Mehr Streuobstbäume

Die Obstbäume tragen ebenfalls zur Erhaltung eines wertvollen Lebensraumes für wild lebende Tier- und Pflanzenarten bei. Im Rahmen des städtischen Natur- und Klimaschutzes organisiert die Stadt seit einigen Jahren eine Kooperation am Tüllinger Berg mit Grundschulen. Hintergrund ist das zunehmende Verschwinden der Obstbäume am Tüllinger. Bislang gab es vier Pflanzaktionen, bei denen insgesamt 46 Streuobstbäume gepflanzt wurden. Zwei Aktionen wurden in Kooperation mit Grundschulen durchgeführt. Das Ziel ist es, neben dem Erhalt der Streuobstbäume die Schüler für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren.

Auch auf städtischen Ausgleichsflächen werden immer wieder Streuobstbäume gepflanzt. So wird als Ausgleich für die Eingriffe durch das Neubaugebiet Belist unter anderem auf Brombacher Gemarkung im kommenden Jahr eine bislang intensiv bewirtschaftete Wiese aufgewertet. Diese wird momentan gedüngt und mehrmals im Jahr gemäht. Daher ist sie artenarm und von Gräsern dominiert. Im nächsten Sommer wird sie kurz gemäht, dann der Boden aufgelockert und Mähgut von einer artenreichen Wiese aufgebracht. Im Herbst 2020 werden zehn hochstämmige Streuobstbäume gepflanzt. Die Wiese wird dann nur noch extensiv bewirtschaftet, auf Dünger und Pflanzenschutzmittel wird verzichtet.

Das wärmere Klima begünstigt auch Neophyten. Die eingeführten und eingewanderten Pflanzen haben es so einfacher, im Stadtgebiet heimisch zu werden. Einige Arten, die invasiven Neophyten, verdrängen die heimische Pflanzenwelt, gefährden das Ökosystem und verursachen teils große wirtschaftliche Schäden, manche beeinträchtigen auch die Gesundheit. Darum besteht laut Staub-Abt Handlungsbedarf (wir berichten noch).

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