Lörrach Widerstand durch Pazifismus

Harald Braun (l.) mit Peter Horn von der Seniorenunion Lörrach Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Viele kennen in Lörrach das Max-Josef-Metzger-Haus auf dem Salzert, aber nur wenige wissen, wer der Mensch, nach dem die Versammlungsstätte benannt ist, wirklich war. Harald Braun informierte kürzlich bei der Feier zum Advent der CDU-Seniorenunion Lörrach über Max Josef Metzger.

Lörrach. „Ich habe mich damals maßgeblich und mit Erfolg für die Namensgebung des Gemeindehauses eingesetzt“, sagte der Theologe und ehemalige Religionslehrer. Besonders positiv sei, dass das Haus auch für ökumenische Veranstaltungen genutzt wird. Hat sich der Namensgeber doch bereits in den 20er Jahren für die Ökumene eingesetzt.

Metzger wurde 1887 in Schopfheim geboren. Dort besuchte er bis zur Mittelschulreife auch die Schule. Seine Gymnasialzeit verbrachte er in Donaueschingen, Lörrach und Konstanz. Danach studierte er Philosophie und Theologie in Freiburg, 1911 promovierte er in Fribourg.

Im Ersten Weltkrieg arbeitete Metzger als Divisionspfarrer. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit machten ihn zum bedingungslosen Pazifisten. Seine Ansichten strahlten auch über Deutschlands Grenzen hinaus, und er wurde Mitglied des Internationalen Versöhnungsbundes. In den 20er Jahren lebte Metzger länger in Graz, wo er die Alkoholabstinenz mit dem Pazifismus verband. Er gründete mehrere pazifistische Organisationen. Aus seinen Schriften ging eindeutig hervor, dass er die Nationalsozialisten ablehnte.

In den 30er Jahren wirkte er in Meitingen in der Nähe von Augsburg, wo er längst unter Beobachtung der Gestapo stand. Trotz Warnungen von Freunden zog Metzger 1939 nach Berlin. In einer Denkschrift machte er sich 1943 Gedanken über einen Staat nach Hitler, denn er war fest überzeugt, dass der Krieg verloren gehen werde.

Dieses Memorandum wurde von einer Denunziantin an die Gestapo weitergegeben. Die Folge war eine Anklage wegen Hochverrats vor dem Volksgerichtshof. Dessen Präsident, der berüchtigte Roland Freisler, verurteilte Metzger in einem 70 Minuten langen Schauprozess zum Tode. Am 17. April 1944 wurde das Urteil vollstreckt.

Metzger sprach sich für ein Zusammenhalten der Christen aus und setzte sich für die Aussöhnung von Deutschland und Frankreich ein. Er war gegen die Aufrüstung Hitlers und trat für das Recht auf Wehrdienstverweigerung ein. 1939 forderte er Papst Pius XII. auf, ein ökumenisches Friedenskonzil einzuberufen.

2004 eröffnete Robert Zollitsch, der damalige Erzbischof von Freiburg, den Seligsprechungsprozess. Bis 2014 sammelte man an die 6000 Seiten, um die Seligsprechung zu begründen. Seither liegt der Vorgang in Rom.

Die Feier der Seniorenunion wurde vom Ehepaar Klemke auf Gitarren und von Berthold Castell, Gesang, vorweihnachtlich gestaltet.

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