Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Wie Johann Peter Hebel von Martin Heidegger betrachtet wurde – diesem Thema hat der Hebel-Biograf und Hebeldank-Preisträger Franz Littmann bei der sonntäglichen „Literarischen Begegnung” im Dreiländermuseum einen komplexen und hochinteressanten Vortrag gewidmet.

Anhand von Heideggers’ Aufsatz „Hebel, der Hausfreund“ aus dem Jahr 1957, unternahm er den Versuch, einige Parallelen im Denken zwischen dem wegen seines unkritischen Verhaltens während des nationalsozialistischen Regimes damals schon umstrittenen Philosophen und dem alemannischen Dichter nachzuweisen.

Dass mit Hebel gewissermaßen eine Verbundenheit im Geiste schon immer bestanden hat, zu diesem Ergebnis kommt Heidegger in seiner nur 30 Seiten langen Schrift. Ob Hebel es allerdings ebenso gesehen hätte, wenn er umgekehrt Heideggers Schriften gekannt hätte, kann bezweifelt werden. So muss sich die Beschäftigung mit Heideggers Text notwendigerweise darauf beschränken, seine Thesen anhand der jeweiligen Textstellen bei Hebel nachzuverfolgen und sie nicht nur philosophisch sondern mit den Methoden der Literaturwissenschaft zu hinterfragen.

Die Mitglieder des Hebelbundes, denen fast alles, was ihr Namensgeber verfasst hat, bis aufs Wort geläufig ist, treffen dabei auf viel Vertrautes. „Der Abendstern“, „Die Eidechsen“, „Fliegende Fische“ – vor allem die genauen, oft mit einem tieferen Sinn hinterlegten Naturbeobachtungen Hebels haben es dem Philosophen, der übrigens ursprünglich auch ein Studium der (katholischen) Theologie begonnen hatte, angetan. Hier manifestiert sich die von ihm postulierte „Resonanz der Natur“ gegenüber der entfremdeten Existenz in der modernen Welt. Gelassenheit, Maß und Mitte, eine ausgewogene Balance zwischen Egoismus und Altruismus, die Fähigkeit zum Wandel: Für sein Streben nach einem Ziel, nach Glück, nimmt Heidegger Hebel als Kronzeugen.

Zweifellos hat Littmann mit „Heidegger und Hebel“ ein faszinierendes Thema gewählt, mit seinem Vortrag richtet er sich aber ausschließlich an ausgewiesene Kenner des Hebelschen Werks sowie von Heideggers Text, den man im Vorfeld möglichst gelesen haben sollte.

Eine anspruchsvolle Veranstaltung im Rahmen der „Literarischen Begegnungen“, die sich sonst oft durch eine zugängliche Hinwendung zur Mundart auszeichnen. Beides hat seinen Ort beim Hebelbund.