Lörrach Wiedersehen hebt die Laune

 Foto: Kristoff Meller

Lörrach - Seit Montag sind die Grenzen wieder offen. Zur Freude aller grenznahen Einzelhändler, die lange auf die ausbleibende Kundschaft aus Frankreich und besonders aus der Schweiz warten mussten. Wie wirkt sich die Grenzöffnung in der Lörracher Innenstadt aus? Wir haben uns umgehört.

Reza Rahimi und Samantha Fazio haben gleich nach Beendigung der Corona-Zwangspause beherzt ihr Schmuckgeschäft neben dem „Wilden Mann“ wieder geöffnet. Mit der Kundennachfrage von deutscher Seite waren sie höchst zufrieden. Trotz Corona seien daher die Umsätze sehr gut gewesen.

Gleich am Montag kamen dann auch die ersten Schweizer Kunden. Mit einem Ansturm rechnet er für Samstag. Schließlich hätten viele Schweizer bereits vor der Pandemie Aufträge für spezielle Anfertigungen gegeben, die in den nächsten Tagen abgeholt würden.

Die Maskenpflicht sei für ihr Geschäft kein Problem. Würden beispielsweise Ohrringe probiert, könnten das die Kundinnen – geschützt durch eine Scheibe – auch kurz ohne Mundschutz im Spiegel begutachten.

„Als Region wieder vereint“

Zufrieden ist er auch mit dem kulanten Agieren seines Vermieters. Gar nicht verstehen kann er indes, dass es offensichtlich hin und wieder zu Anfeindungen gegen Schweizer Kunden an der Tankstelle oder im Lebensmittelhandel gekommen sei. „Die trinationale Kundschaft macht unsere Stadt doch erst interessant.“ Die Mehrwertsteuersenkung will Rahimi an seine Kunden weitergeben.

„Es ist schön dass wir als Region wieder vereint sind“, meint Sportmüller-Geschäftsführer Peter Vogl. Der Großteil seiner Kunden komme zwar aus Deutschland, dennoch sieht er seinen Betrieb als „Sportgeschäft für das Dreiländereck“. Jetzt könne er diesem Motto endlich wieder gerecht werden. Vogl: „Natürlich profitieren wir von der Grenzöffnung. Der ganze städtische Handel profitiert davon, dass in der Innenstadt wieder mehr los ist. Wir sind aber auch vorher gut mit unseren zuverlässigen deutschen Kunden zurechtgekommen.“

Gabriele Jais-Heuser, die Inhaberin des gleichnamigen Juweliergeschäftes, findet ebenfalls, dass die Fußgängerzone einen lebendigeren Eindruck macht. Um eine definitive Aussage über den Einfluss der Grenzöffnung auf den Lörracher Handel zu treffen, sei es allerdings noch zu früh: „Den angekündigten Boom durch Schweizer und französische Kunden gab es bis jetzt noch nicht. Man kann aber auch nicht davon ausgehen, dass nach so einem Ereignis nach einer Woche wieder alles normal ist.“

Die Maskenpflicht sei unterdessen im Geschäft durchaus ein Hindernis für viele ihrer Kunden, sagt Jais-Heuser: „Die Menschen sind dadurch noch immer sehr verunsichert, was sie bei uns machen können und was nicht. Ich glaube, sie müssen erst wieder lernen, die Freiheit zu genießen.“

„Deutlicher Anstieg an Kunden“

Auch in der Buchhandlung Osiander war der Wochenbeginn eher verhalten, erklärt Filialleiterin Monika Franz-Gehlert. Ab Dienstag sei dann ein deutlicher Kundenzuwachs spürbar gewesen. „Trotzdem ist aktuell noch weniger Betrieb, als zur selben Zeit letztes Jahr“, sagt Franz-Gehlert.

Am meisten hätten sie und ihre Mitarbeiter sich darüber gefreut, Stammkunden von der anderen Seite der Grenze wiederzutreffen: „Wenn man jemanden oft berät, lernt man sich mit der Zeit ganz gut kennen. Diese Kunden wiederzusehen, hat auf jeden Fall auch die Stimmung im Laden verbessert.“ Franz-Gehlert rechnet nun mit einem deutlichen Betriebsanstieg für den kommenden Samstag.

Die „dm“-Filiale in der Tumringer Straße konnte laut der Gebietsverantwortlichen Saskia Augustinski „einen deutlichen Anstieg an Kunden verzeichnen“.

Ähnlich lief es bei Sport Greinwald in Stetten, wo der Zulauf durch Schweizer am Dienstag und am Mittwoch überraschend hoch gewesen sei. „Da unser Geschäft außerhalb des Zentrums liegt, kaufen unsere Kunden meistens gezielt bei uns ein. Der Fakt, dass viele unserer ausländischen Stammkunden sofort wieder zu uns gekommen sind, ist ein großes Kompliment für uns“, freut sich Inhaberin Marlene Greinwald. Auch einige eidgenössischen Neukunden seien bereits dazugekommen.

Bei den verkauften Artikeln konnte Greinwald in dieser Woche einen Trend erkennen: „Wander- und Fahrradausrüstung wird aktuell von Schweizern sowie Deutschen am meisten gekauft. Da viele noch sehr unsicher sind, was Reisen betrifft, herrscht eine große Lust auf diese Freizeitaktivitäten und Heimaturlaub.“

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