Lörrach „Wir brauchen Theater, Kino, Musik“

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Hennes Bender kommt mit seinem aktuellen Bühnenprogramm ins Nellie Nashorn. Foto: zVg/Marvin Ruppert

Beim dritten Lörracher Kabarett-Comedy-Wort-Festival „WortHasenOhrenArt“ kommt am Samstagabend mit Hennes Bender ein Bühnenkünstler ins Nellie Nashorn, der sich seit Anfang der 1990er-Jahre einen Namen als Komiker gemacht hat. Der Bochumer ist auch in Lörrach kein Unbekannter.

Lörrach. Warum er für die Kulturszene derzeit guten Mutes ist, wie wichtig es ist, gerade in schwierigen Zeiten den Humor nicht zu verlieren, und warum der Auftritt im Jahr 2020 im „Nellie“ für ihn etwas Besonderes war, darüber gibt Hennes Bender im Gespräch mit unserer Zeitung Auskunft.

Frage: Herr Bender, laut Ihrer Internetseite sind Sie der „kleine Komiker Hennes Bender aus dem Ruhrpott, der sich wie kein anderer so schön und mit Recht aufregt“. Worüber regen Sie sich derzeit am meisten auf?

Wie viel Zeit haben wir denn? In erster Linie rege ich mich über mich selbst auf, über meine eigenen Unzulänglichkeiten. Aber ich merke auch: Es bringt letzten Endes nichts, sich aufzuregen. Mit den Jahren bin ich auch in vielerlei Hinsicht ruhiger geworden. Die vergangenen zweieinhalb Jahre haben uns alle gelehrt, uns in Geduld zu üben. Das ist auch Bestandteil meines aktuellen Programms, in dem ich unter anderem die Corona-Zeit auf der Bühne reflektiere.

Frage: Ihr Programm trägt den Titel „Wiedersehn macht Freude“. Spielt das darauf an, dass Ihnen das Publikum während der Pandemie gefehlt hat?

Ja. Das Publikum hat mir gefehlt. Generell die sozialen Kontakte, das Freunde-treffen. Obwohl eine Zeit in Quarantäne durchaus etwas für sich hat. Auch die Maskenpflicht hat bei manchen Menschen nicht nur Nachteile. Das gehört mit zur Komik, zur Satire und zum Humor dazu, dass man bestimmten Menschen auf die Füße treten darf. Wenn ich in meinem Programm etwa das Thema Rassismus behandle, dann muss ich das klar aussprechen. Wenn sich dadurch zwei oder drei Leute im Publikum unangenehm berührt fühlen, ist das gut, weil sie dadurch vielleicht zum Nachdenken angeregt werden. Man kann es sowieso nie allen recht machen. Das will ich auch gar nicht.

Frage: Sie haben die Corona-Zeit erwähnt. Da sind Auftrittsmöglichkeiten weggebrochen, Termine abgesagt oder verschoben worden. Wie ist derzeit die Stimmung in der Sie umgebenden Kulturszene?

Tatsächlich ziemlich gut, denn es geht wieder aufwärts. Im vergangenen Sommer haben wir alle gemerkt, dass viele Leute sich nicht ins Theater getraut haben. Hinzu kam das Überangebot an Veranstaltungen durch die Verschiebungen aus den Jahren 2020 und 2021. Die Folge war, dass die Menschen zu einzelnen großen Events hingegangen sind, aber viele kleinere Anlässe unter mangelndem Zuspruch gelitten haben. In gewisser Weise war der Sommer 2022 für die Kulturszene schlimmer als die beiden Pandemie-Jahre zuvor. Derzeit aber habe ich das Gefühl, dass das Publikum wiederkommt. Ich freue mich auf den Auftritt im Nellie Nashorn, zumal ich hier einen der ungewöhnlichsten und schönsten Auftritte meiner Karriere hatte.

Frage: Inwiefern?

Im Jahr 2020 bin ich unter Corona-Bedingungen im „Nellie“ aufgetreten. Das war einfach toll, was die Veranstalter sich da mit Live-Stream und Ähnlichem alles überlegt hatten. Überhaupt hat Lörrach mit dem Nellie Nashorn bundesweit einen guten Namen in der Comedy- und Kabarettszene. Viele Kollegen haben zu mir gesagt: Dort musst du unbedingt einmal auftreten.

Frage: Die angespannte Weltlage macht derzeit vielen Menschen zu schaffen. Corona ist noch nicht wirklich vorbei. Im Februar jährt sich der Ausbruch des Krieges zwischen Russland und der Ukraine. Kann man da überhaupt einfach nur lustig sein? Oder vielleicht gerade jetzt?

Man muss es sogar. Es gab immer schon Pandemien, Grippewellen und Ähnliches. Auch Kriege gab es immer schon. Nur ist die Ukraine eben näher als Syrien oder der Jemen. Warum sollten wir es nicht merken, wenn die Leute in der Ukraine bombardiert werden? Uns ging es zu lange gut auf Kosten Anderer. Es gibt den schönen Begriff „Bequemlichkeitsverblödung“, der leider nicht von mir ist, aber die Situation treffend beschreibt. Wenn man nur schon sieht, dass man sich heutzutage alles liefern lassen kann. Früher ließ man sich höchstens die Post und ab und zu eine Pizza liefern. Das greife ich in meinem Programm auf. Natürlich frage ich mich da im Vorfeld auch, ob wir das jetzt brauchen. Meine Antwort lautet ganz klar ja. Wir brauchen Theater, Kino, Musik. Nicht umsonst gibt es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach wie vor aktive Comedy-Clubs.

Frage: Sie sind auch ein Kenner der Pop-Kultur, von Asterix-Comicalben bis zu Monty Python. Spielt das auch auf der Bühne eine Rolle?

Es stimmt, ich bin natürlich ein Nerd. Mein Faible für Filme, Musik, Fantasy und Ähnliches macht mich aus. Das spielt in meine Programme herein.

 Das Gespräch führte Adrian Steineck.

 Hennes Bender: Samstag, 20 Uhr, im Nellie Nashorn, Karten an der Abendkasse

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