Lörrach „Wir haben alle das gleiche Problem“

Besonders gefährdet sind Zahnärzte. Foto: Julian Stratenschulte

Lörrach - Die Folgen der Corona-Krise zeigen sich auch in Lörracher Facharztpraxen. Patienten sagen langfristig geplante Termine ab, Schutzartikel bleiben aus.

Ralf Storz macht aus seinem Unmut keinen Hehl: „Bis heute haben wir keine Schutzausrüstung erhalten“, sagt der Zahnarzt am Telefon mit hörbarer Fassungslosigkeit in der Stimme. „In Kürze“, mit dieser Auskunft würden Zahnärzte wieder und wieder vertröstet. Bei gleichzeitig seitens der Politik „übertriebener Hysterie“ und „unverhältnismäßiger Reaktion“ auf das Corona-Virus, wie Storz meint.

Ärzte warten auf Schutzausrüstung

Gerade Zahnärzte und ihre Teams sind durch rotierende Instrumente ständig Aerosolen ausgesetzt. Diese feinen Sprühnebel können Viren aller Art optimal übertragen. „Wir hängen völlig in der Luft“, erklärt Storz und spricht von „politischem Versagen auf höchster Ebene“. In den letzten Jahren seien die Krankenhäuser „kaputtgespart“ worden und „genau darin liegt die Crux“, ist er überzeugt. Trotzdem – und trotz 70 bis 75 Prozent weniger Patienten und Umsatz – will er seine Mitarbeiterinnen bis auf Weiteres nicht in Kurzarbeit schicken und auch keine Rettungsschirme beanspruchen.

Von 30 bis 40 Prozent weniger Patienten spricht der Lörracher HNO-Arzt Heiner Wirtz: „Gerade ältere Patienten sagen Routinegeschichten wie etwa Nachkontrollen vorsorglich ab.“ Auch Wirtz und sein Kollege Alexander Lazzaro warten in ihrer Gemeinschaftspraxis in der Palmstraße bislang vergeblich auf das Paket mit Schutzmitteln. „Die letzte Lieferung vom Großhändler ist vor drei Wochen gekommen, und die war nicht vollständig“, berichtet der Mediziner und ergänzt: „Wir haben alle das gleiche Problem“.

Einheitliche Linie in Sachen Schutzmaßnahmen

„Niemand sollte die Gefahren durch das Corona-Virus auf die leichte Schulter nehmen“, appelliert Daniela Speck. Die Frauenärztin mit Praxis in der Tumringer Straße trifft sich mit Fachkolleginnen der Region regelmäßig zum Informationsaustausch und hat mit diesen eine einheitliche Linie in Sachen Corona besprochen. Konkret heißt das: Was sich gut verschieben lässt, wird verschoben. Der Fokus liegt aktuell auf Tumorpatientinnen, Notfällen, Schwangerenbetreuung. Zu den Schutzmaßnahmen gehört auch: Keine Begleitpersonen und so wenig Frequenz wie möglich in der Praxis.

„Wir tragen chirurgische Gesichtsmasken“, berichtet Daniela Speck, die bereits an der zentralen Abstrichstelle in Rheinfelden Dienst tat. Generell gelte es, Abstand zu halten und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Auch im Alltag. „Wenn an der Supermarktkasse jemand zu nah an mich heranrückt, sollte ich ihn bitten, die nötige Distanz zu wahren“, empfiehlt sie.

Alle Zeichen auf Hygiene

Ebenfalls eng am Menschen arbeiten Optiker. Als Dienstleister aus dem Gesundheitswesen dürfen sie während der Krise öffnen. Doch zur Zeit ist das nicht einfach. „Wir halten uns wacker“, fasst Karin Mülhaupt die Lage bei Optik Mülhaupt im Brombach zusammen. Kundenfrequenz und Verkauf seien mit der Corona-Krise massiv zurückgegangen. Seit Freitag arbeitet der Großteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit. Trotzdem hat man weiterhin zweimal zwei Stunden am Tag geöffnet, um niemanden mit kaputter Brille im Stich zu lassen. Obschon an den Serviceleistungen nichts verdient ist. „Für uns bleibt es wichtig, weiter für unsere Kunden da zu sein“, sagt Karin Mülhaupt.

Gleichzeitig stehen alle Zeichen auf Hygiene: Fortlaufend wird alles desinfiziert, seien das anprobierte Brillen, seien es die Gerätschaften für Sehtests.

Entzerrter Zeitplan gibt Raum für Desinfektion

Auch Physiotherapeuten behandeln weiterhin. Etwas missverständlich sei die Formulierung von Kanzlerin Angela Merkel gewesen, wonach Massagepraxen schließen müssten, meint die Lörracher Physiotherapeutin Claudia Kellner. Viele Patienten hätten das so verstanden, dass auch bei der Physiotherapie die Lichter ausgingen. Doch das ist nicht der Fall. Kellner und ihr 13-köpfiges Therapeutenteam in Haagen haben umfangreiche Hygienevorkehrungen getroffen.

Ein herkömmliches Wartezimmer gibt es derzeit nicht. Patienten werden an der Tür abgeholt und direkt ins Behandlungszimmer geführt, wo auch das Schriftliche erledigt wird. Auch hier desinfiziert man alles regelmäßig, von den Türgriffen bis zu den Massagebänken. Um „jeden Raum komplett steril zu machen“, arbeiten die Therapeuten derzeit nicht mehr im 20-Minuten-Takt, sondern im 30-Minuten-Takt.

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