Lörrach „Wir haben viel erreicht“

Sie kordinieren die Feierlichkeiten (v. l.): Hanna Scheinker, Moshe Flomenmann und die zweite Vorsitzende Anna Schneider Foto: Ursula König Foto: Die Oberbadische

Von Ursula König Lörrach. Für die Israelitische Kultusgemeine (IKG) Lörrach wird die Synagoge an der Rainstraße am morgigen Sonntag ganz im Zeichen festlicher Anlässe stehen. Chanukka, das jüdische Lichterfest wird als Akt der Befreiung gefeiert. In diesem Jahr werden die Festlichkeiten verbunden mit dem fünfjährigen Bestehen der Synagoge. Die 2012 erfolgte Auszeichnung der Architektenkammer Baden-Württemberg für beispielhaftes Bauen, ist ebenfalls Bestandteil der Feier.

Der Jahrestag des Neubaus der Synagoge, der 9. November, wird für die Gemeinde ein Tag des Gedenkens bleiben. Die alte Synagoge am Marktplatz wurde 1938 von den Nationalsozialisten zerstört. Die noch verbliebenen jüdischen Mitbürger wurden 1940 deportiert. Für mindestens 49 Personen war dies ein Weg in die Vernichtung.

Die Vorsitzende der IKG, Hanna Scheinker, gehörte zu den ersten jüdischen Mitbürgern, die sich in der Region wieder ansiedelten. Sie vertraute auf die deutsche Demokratie. Und sie gehörte 1995 zu den Gründern der neuen jüdischen Gemeinde Lörrach. Heute zählt die Gemeinde 470 Mitglieder. Die Synagoge, von den Architekten Wilhelm, Hovenbitzer und Partner geplant, wurde mit einem Grundstück von der Stadt unterstützt. Für den badischen Landesrabbiner Moshe Flomenmann ist dies ein Zeichen dafür, dass die Gemeinde einen hohen Stellenwert hat. Der gegenseitige Austausch wird gezielt gefördert: „Wir schätzen eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt und mit anderen Religionsgemeinschaften.“

Es ist das Verbindende, für das er sich engagiert. Ein besseres Verständnis helfe Vorurteile abzubauen. Davon ist er überzeugt. Das Interesse an Führungen durch die Synagoge bezeichnet er als erfreulich groß. Das Haus ist für alle offen, allerdings mit gewissen Einschränkungen. Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen dienen vor allem dem Schutz der Gemeinde. Der interreligiöse Dialog wird ebenso gesucht, um antisemitischen Tendenzen rechtzeitig zu bremsen. Denn die großen Feiern an Chanukka stehen symbolisch auch für ein freies jüdisches Gemeindeleben.

Und dafür wird einiges getan. Die Gemeinschaft wird durch religiöse, kulturelle und soziale Säulen gestützt. Viele Gemeindemitglieder stammen aus der ehemaligen Sowjetunion. Integration bedeutet hier auch, Behördengänge zu begleiten und Sprachbarrieren zu überwinden.

Als Prozess des Zusammenwachsens beschreibt der Rabbiner die vergangenen fünf Jahre. Und es gibt allen Grund zur Freude: „Wir haben viel erreicht.“ Doch hier werde sich niemand auf den Lorbeeren ausruhen, betont er. Es gilt, neue Ziele umzusetzen.

Derzeit geplant sind ein Kindergarten, ein koscheres Café und die Möglichkeit, koschere Lebensmittel einzukaufen. Bei Brot und Gebäck wird dies bereits durch die Kooperation mit „Heiners Backparadies“ ermöglicht.

Die Thora, die heilige Schrift, bildet die Grundlage des Glaubens mit 613 Geboten, die seit über 3000 Jahren nichts an Aktualität verloren haben. Die Einheitsgemeinde wird orthodox geführt. Verbindend wirkt in erster Linie das Leitmotiv des Friedens, dem hier ein hoher Stellenwert zukommt. Und das kann viele Menschen erreichen, ist es doch an keine religiöse Überzeugung gebunden.

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