Lörrach „Wir werden nicht aufgeben“

Lörrach - Die Corona-Krise hat das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt, und doch wird vielerorts gearbeitet. In einer Serie beleuchtet unsere Zeitung, wie Einrichtungen, Institutionen und Unternehmen mit dieser Situation umgehen, wie sich die Arbeit verändert, wie sich Menschen noch immer beruflich oder ehrenamtlich engagieren – wie das Leben weitergeht. In dieser Folge spricht der Geschäftsführer des Kulturzentrums Nellie Nashorn, Patrick Dengl, über die Situation der geschlossenen Einrichtung.

Organisatorische Schadensbegrenzung

Derzeit geht es vor allem um organisatorische Schadensbegrenzung. Die aktuellen Ausfälle von fest geplanten Künstler-Auftritten müssen mit Agenturen und Künstlern abgewickelt, eventuell verschoben werden, Rückzahlungen müssen erfolgen.

Keine schöne Aufgabe für Patrick Dengl, der das Programm ja bereits bis Anfang nächsten Jahres mit viel Herzblut festgezurrt hatte. Nun hofft er, dass es wenigstens im Herbst weitergehen kann. Ist sich aber über die Unsicherheit der Lage durchaus bewusst.

Homeoffice aus Schutz vor dem Virus

„Zunächst einmal machen alle aus Schutz vor dem Virus Homeoffice“, erzählt Dengl. „Wir müssen uns jetzt erstmal sammeln und brainstormen“. Zur Panik neige er nicht. „Dennoch habe ich die Verantwortung für die Mitarbeiter. Und es ist mir am wichtigsten, dass alle gesund bleiben.“

In der Gastronomie des Nellie Nashorn geht es zunächst noch um ganz Praktisches: Hier wird derzeit gesäubert, Kühlschränke werden geleert und ausgeschaltet, um keinen Strom zu verbrauchen. Das Haus wird quasi „klar Schiff“ gemacht.

In der Gastronomie geht es um Praktisches

Eine Vollzeitstelle sowie zwei Mini-Jobber sind von der Gastronomie-Schließung betroffen. Die Herausforderung: Dieser Bereich muss sich finanziell selbst tragen. Mit Stundenabbau und Resturlaub wird das derzeit gemangt, was aber keine Dauerlösung ist. Verträge mit Zulieferbetrieben oder Putzfirmen müssen abgeklärt werden. Viel Bürokratie für Dengl. Natürlich denke man jetzt daran, Aufgaben wie lang geplante Renovierungsarbeiten in Angriff zu nehmen. „Doch wer weiß, wie lange man noch an die Materialien herankommt? Derzeit ist alles spekulativ“, konstatiert er.

„Wir hoffen darauf, im September wieder starten zu können“

Auch die Planungen im Kulturbereich beruhen auf unsicheren Größen. „Wir hoffen darauf, im September wieder starten zu können“. Große Zuversicht herrscht über dieses Datum indes nicht. Zwei volle Stellen sowie ein 450 Euro-Job in der Technik und ein Azubi sind betroffen. Dengl denkt auch über Kurzarbeit nach. „Das ist derzeit eine große Rechnerei“.

Als gefördertes Kulturhaus sei man glücklicherweise in einer besseren Situation als all die privatwirtschaftlichen Betriebe. 50 Prozent der Kosten sind als Fördermittel vom Land für das erste halbe Jahr zugesagt. Das hilft zur Überbrückung. „Wie es dann weitergeht, wird man sehen“, sagt Dengl. Er ist sich sicher: „Wir werden nicht aufgeben, sondern schauen, dass wir durch diese Krise durchkommen.“

Kostenlose Kulturangebote bedeutend für die Zukunft

Gerade als soziokulturelles Kulturhaus, das vielen Interessensgruppen Heimat sei, tut ihm die aktuelle Schließung sehr weh. Indes erlebt er auch viel Solidarität. Er hofft darauf, dass die Wertschätzung für Orte wie das Nellie nach der Krise steigen wird, dass den Menschen bewusst werde, wie wichtig gesamtgesellschaftlich gesehen solche Zentren sind.

Auch wenn Dengl selbst ein unerschütterlicher Optimist ist: Er rechnet damit, dass es wirtschaftlich gesehen nach Corona den meisten Menschen schlechter gehen wird. Gerade daher sieht er kostenlose Kulturangebote als umso bedeutender für die Zukunft an. „Wir möchten auch dann für alle da sein.“

Froh ist er über Zeichen der Solidarität. Wenn sich beispielsweise Künstler melden und live-Streams anbieten, werde das auf der Homepage verlinkt, „damit die Kultur nicht ganz untergeht.“

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