Lörrach „Wir wollen hier etwas aufbauen“

Das KBC-Areal an der Wiesentalstraße Foto: Denis Bozbag

Lörrach - Vor gut einem Jahr machte die Nachricht die Runde, dass das weitläufige KBC-Areal an Schweizer Investoren verkauft wurde. Nun äußert sich Daniel Sieber, Präsident des Verwaltungsrates der Volare Group, erstmals im Gespräch mit unserer Zeitung zu den Plänen für das Gelände. Die Holding möchte es langfristig – und im Dialog mit der Stadt – entwickeln.

„Wir kaufen Immobilien unter perspektivischen Gesichtspunkten. Natürlich möchten wir Geld verdienen, aber das schnelle Geschäft interessiert uns nicht“, erklärte Daniel Sieber am Dienstag. „Es wollte uns schon jemand das Gelände abkaufen, aber wir haben gar nicht darauf reagiert.“ Die Holding aus Suhr in der Schweiz wolle mit dem Areal ihr Engagement im Immobiliensektor ausbauen.

Der frühere Eigentümer, Claas E. Daun, hatte die rund 93 000 Quadratmeter Fläche im Frühjahr 2018 zum Kauf angeboten. Die Stadt Lörrach besaß zwar ein Vorkaufsrecht, aber: im Raum stand damals laut Verwaltung ein Kaufpreis in Höhe von 28 Millionen Euro – für die Stadt wirtschaftlich nicht zu stemmen.

Umbau zum breit aufgestellten Handels- und Industriekonzern

Für die Volare Group hingegen schon. Sie hieß bis vor kurzem noch Oel-Pool AG und befindet sich seit einigen Jahren im Umbruch – vom reinen Brenn- und Treibstoffkonzern mit mehr als 500 Tankstellen in der Schweiz zum breit aufgestellten Handels- und Industriekonzern. „Uns geht es heute gut, aber wir wissen, dass unser Produkt nicht die Zukunft ist“, sagte Sieber.

Die Volare Group ist aktuell unter anderem an Hotel-Projekten bei Cottbus und Chemnitz beteiligt, es gibt Immobilien in Albanien, aber auch der Schweizer Möbelhersteller de Sede, holzproduzierendes Gewerbe und seit kurzem sogar ein Brezelshop in Australien gehören zum Portfolio.

Was künftig zwischen Wiesental- und Marie-Curie-Straße passiert, muss hingegen noch entwickelt werden: „Wir mussten erst wissen, was die beiden bisherigen Mieter – Imprima und Contender Finishing – möchten, aber jetzt haben wir Klarheit und können planen“, erklärte Sieber.

Contender als „künftigen Ankermieter“

Die Imprima-Gruppe, hat ihre Produktion bekanntlich weitgehend nach Como verlagert (wir berichteten) und benötigt nun nur noch 6000 statt 55 000 Quadratmeter auf dem Areal, wie Valentina Franceschini, Präsidentin der Imprima-Gruppe, im Januar im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Die KBC-Segeltuchsparte hat Imprima an den Weltmarktführer Contender verkauft, den Sieber als „künftigen Ankermieter“ bezeichnete.

„Wir können sicher auch für Gewerbetreibende aus Lörrach und Umgebung entsprechende Flächen anbieten“, ergänzte Marc Läuffer, Geschäftsführer der Immobilien-Pool AG. Er ist zuständig für die künftige Vermietung der insgesamt 52 000 freien Quadratmeter. Er betonte: „Wir suchen Mieter.“ Es gebe auch schon einige Anfragen, jetzt gehe es darum, „die richtigen Flächen den richtigen Mietern zuzuweisen“.

„Gewerbepark“ als langfristiges Ziel

Keine leichte Aufgabe. Bislang sei das Gelände ein „homogenes Konstrukt“ gewesen, so Läuffer, nun müsse es aufgeteilt werden, was viele Fragen – beispielsweise zum Brandschutz – aufwerfe. Läuffer: „Wir arbeiten dabei eng mit der Stadt zusammen, das braucht allerdings alles Zeit. Unser langfristiges Ziel ist es, eine Art Gewerbepark entstehen zu lassen. Das haben wir schon an anderen Orten erfolgreich praktiziert, es dauert aber einfach ein paar Jahre, dafür haben wir aber hinterher eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit.“

Daniel Sieber kann sich auch vorstellen, selbst in Startups oder andere Firmen zu investieren, die sich vor Ort ansiedeln: „Wenn wir unser eigener Mieter sind, ist uns das am liebsten.“ Zumal sich die Volare Group langfristig von der Abhängigkeit des Öl-Geschäfts lösen will: „Wir möchten unsere Firma ausbauen. Und wenn es junge Menschen gibt, die eine gute Idee haben, reden wir gerne mit ihnen“, betonte Sieber.

Oberbürgermeister Jörg Lutz bescheinigte den Investoren schon im vergangenen Jahr nach einem ersten Treffen „seriöse Absichten“. Das Gelände werden „kein Spekulationsobjekt“, betonte Lutz damals gegenüber unserer Zeitung. Inzwischen haben laut Sieber weitere Gespräche mit Marion Ziegler-Jung, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Lörrach, und Jörg Lutz stattgefunden, um die jeweiligen Vorstellungen und Ideen für das Areal abzugleichen. Sieber: „Wir sind wirklich langfristig interessiert und wollen hier etwas aufbauen. Es muss natürlich für uns passen, aber auch für Lörrach. Denn wir haben gelernt, dass man miteinander viel weiter kommt.“

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