Lörrach Wo der Schrecken zuhause ist

Adrian Steineck

Lörrach-Brombach - Horrorclown Pennywise verzieht die Mundwinkel zu einem diabolischen Lächeln. Neben der Figur aus Stephen Kings „Es“ steht eine kahlköpfige Gruselgestalt mit einer blutverschmierten Metzgerschürze am Leib, in den Händen Hackebeil und Schürhaken. Derweil ertönt hämisches Gelächter, das jeder Geisterbahn zur Ehre gereichen würde: Willkommen in der Welt des Larvenmachers und Kostümschneiders „Horrorwäber“.

Wer das Atelier auf dem Schöpflin-Areal in Brombach betritt, der braucht starke Nerven ob der Gruselfratzen und Horrorgestalten, die sich hier ein Stelldichein geben. Der Schöpfer dieser Masken nimmt sich dagegen bescheiden aus. „Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt“, sagt er beim Atelierbesuch unserer Zeitung. Selbst seinen bürgerlichen Namen Dieter Weber will er eigentlich lieber nicht gedruckt sehen, „Wäber“ oder „Horrorwäber“ ist ihm lieber. „Sonst sagen alle: Was ist denn das für ein Wichtigtuer?.“

Dabei kann sich das Werk des passionierten Gruselfreundes sehen lassen: Seit 1990 fertigt er Masken und Kostüme vorzugsweise der schaurigen Art, seit sechs Jahren hat der gebürtige Brombacher sein Atelier im Schöpflin-Areal. Dort lagern fein säuberlich sortiert etwa 200 Masken, von der Mörderpuppe Chucky aus dem gleichnamigen Horrorfilm bis zu Attila, dem Hunnen, dem Troll oder dem Krampus. „Den gibt es bei uns ja eigentlich nicht“, sagt er mit Blick auf diesen aus dem österreichischen Raum bekannten Begleiter des heiligen Nikolaus zur Adventszeit. „Aber Krampusse muss ich trotzdem viele machen, weil meine Kunden das wollen.“

Mit Larvenpapier und Kunstharz zur Spukfigur

Allen Figuren gemein ist, dass Weber zuerst die Form – das sogenannte Negativ – schafft, was schon einmal zwei Tage dauern kann. Als Materialien für die fertigen Masken dienen ihm dann Larvenpapier, Epoxidharz und Kunstharz für die Zähne und Ohren. Die Preise für seine Dienste sind unterschiedlich. „Kleine Larven verschenke ich gerne, aber wenn eine Maske Glasaugen hat, kostet sie schon einmal 200 Euro“, sagt er. Extras wie ein Hut oder Federn kosten ebenfalls extra.

Zu den Kunden Webers gehören Fasnächtler aus Lörrach und Umgebung sowie aus der Schweiz, aus Basel und Luzern vor allem. Guggemusiken, Wagencliquen und Laufcliquen tragen Masken aus seiner Fertigung. Das bedeutet allerdings auch, dass die Corona-Pandemie für das Geschäft des „Horrorwäbers“ einen Einschnitt mit sich gebracht hat. „Früher war ich oft auch sonntags im Atelier und habe gearbeitet“, sagt er. „Seit zwei Jahren läuft es längst nicht mehr so gut.“ Kürzlich habe eine Schweizer Clique 35 Larven bei ihm bestellt, „das hilft wieder eine Weile“. Aber ansonsten bedeuten abgesagte Fasnachtsumzüge und Halloween-Veranstaltungen immer auch Durststrecken.

Der Brombacher ist gelernter Konditor. Als Kind malte er Geisterbahnen ab. Über das Interesse am Zeichentrickfilm – „Früher habe ich Super 8-Kopien von ,Tom & Jerry’-Filmen nachgezeichnet“ – kam er zur Maskenbildnerei. In einem Nebenzimmer des von seiner Großmutter betriebenen Gasthauses „Hirschen“ in Brombach (heute: „Bianca’s Hotel“) zeigte er seine Masken der Öffentlichkeit. Die Liebe zum Grusel wurde bei Weber durch Filme wie „Tanz der Vampire“ (1967) oder die Streifen der britischen Hammer-Filmstudios geweckt.

Was sagt Webers Familie zu seiner Leidenschaft? „Meine Frau und meine zwei Kinder lassen mich mein Ding machen“, sagt er lachend. „Aber ich glaube, meine Begeisterung teilen sie nicht.“

Weitere Bilder in unserer Fotogalerie.

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