Von Michael Werndorff Lörrach. Sie sind klein, leben in der freien Natur und sind vielerorts vom Aussterben bedroht: Nein, gemeint ist nicht Loriots Steinlaus (Petrophaga lorioti): Es ist von Wildbienen die Rede. Um den Wildbienen zu helfen, hatte der BUND Lörrach-Weil Kinder zu einem Bastelworkshop eingeladen: Selbstgebaute Bienenhotels sollen den Insekten Unterschlupf bieten. Die Aktion ist Teil des Erlebnisprogramms „Stadtwildnis“. Das Bohren und Hämmern war am Montag weithin zu vernehmen, als auf dem Gelände der Kaltenbachstiftung alles im Zeichen der nützlichen Insekten stand. Die jungen Naturschützer im Alter von fünf bis elf Jahren, die der Einladung des BUND-Vorsitzenden Markus Wursthorn zahlreich folgten, waren eifrig bei der Sache: Es wurde gesägt, gehämmert und gebohrt was das Zeug hielt. Unterstützt wurden sie von Eltern und fachkundigen Helfern. Mitorganisator Raphael Mainiero erklärte den Kindern nicht nur, was beim Bau der Kinderstuben zu beachten ist, sondern auch, wie wichtig die Hotels für die fliegenden Helfer sind: „Es gibt 550 verschiedene Wildbienenarten in Deutschland, fast die Hälfte ist bedroht, weil es an Blüten und Nistmöglichkeiten mangelt.“ Zudem seien in Europa viele Nutz- und Wildpflanzen abhängig von der Bestäubung durch Wildbienen. Die jüngsten Teilnehmer durften sich der Tragweite ihrer Handwerkskunst noch gar nicht bewusst gewesen sein, umso mehr stand der Spaß im Vordergrund. Und die Hoffnung, möglichst viele Insekten im eigenen Hotel beherbergen zu können. „Wir stellen das Arbeitsmaterial samt Werkzeug, die Teilnehmer legen selbst Hand an. Natürlich stehen wir mit Rat und Tat zur Seite, damit die Kinder ihre Nistkästen erfolgreich zusammenbauen können“, sagte Raphael Mainiero. Den Kindern fiel der Zusammenbau leicht: Augenmaß und eine ruhige Hand beim Auftragen des Holzleims hatte der fünfjährige Vitus. Der nahm mit Bruder Lux und seiner Mutter an der Ferienfreizeit teil. „Wir wollten schon immer so ein kleines Insektenhotel basteln, jetzt hats endlich geklappt“, freute sich Mutter Vera Thomas, die sich mit dem achtjährigen Lux um das Innenleben des Nistkastens kümmerte. „Wenn das Hotel fertig ist, sieht es nicht nur schön aus, ich kann auch die Bienen beobachten“, sagte Lux. Auf Details komme es an: „Die zukünftigen Bewohner der Hotels sind sehr wählerisch, daher muss eine Fülle an Materialien zum Einsatz kommen, unter anderem Schilf, Bambus, Tannenzapfen oder Holzkeile, die mit verschieden großen Bohrlöchern versehen werden. Wir erklären den Kindern auch, warum das Innenleben so facettenreich sein muss“, so Mainiero. Denn: Viele Wildbienen leben natürlicherweise in Löchern im Holz, die Käfer gefressen haben. Einige Arten legen ihre Nester dagegen nur in selbstgegrabenen Gängen im weichen Mark getrockneter Stängel, daher hatte Raphael Mainiero auch Holunderstängel mitgebracht. Es durfte aber auch experimentiert werden, betonte Wursthorn: „Neben Pflanzen kommt auch Löss zum Einsatz.“ Den hatte Wursthorn zwischen Fischingen und Binzen abgebaut. Mit Wasser angerührt, füllten ihn die Kinder in Pappröhrchen, die Teil des Bienenhotels wurden. „In getrocknetem Zustand soll der Löss die Bienen zum Nestbau einladen“, erklärte der BUND-Vorsitzende. Am Nachbartisch griff Anina Adam beherzt zur elektrischen Bohrmaschine, um die Holzscheite vorzubereiten. „Das macht Spaß und ist ganz einfach“, sagte die Neunjährige. Die hantierte mit dem Werkzeug routinierter als manch Erwachsener. Helferin Michaela Lötscher hielt derweil die Werkstücke fest. Das gehe nämlich nur gemeinsam, betonte sie. Nach gut einer Stunde war die erste Bienenkinderstube fertig. „Wir haben schon einen Platz in unserem Garten,“ sagte Vera Thomas, natürlich sonnig und vor Regen geschützt. Weitere Infos zum Erlebnisprogramm auf der Homepage des BUND Lörrach-Weil. u www.bund-loerrach-weil.de

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