Wenn Sarah Hein nur von zwei Tüchern gehalten hoch unter der Zeltkuppel schwebt, knistert die Spannung im Lörracher Weihnachtscircus. Die 26-jährige Artistin steht seit Kindesbeinen in der Manege. Das Unterwegssein, der Nervenkitzel und das Lampenfieber bei jedem Auftritt gehören für sie zum Leben dazu.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. Zum Gespräch mit unserer Zeitung hat die Artistin in die Küche eines geräumigen Wohnwagens eingeladen. Mit am Tisch sitzt eine Cousine und näht an einem Kostüm. Vor der Eröffnungsgala am 22. Dezember ist noch jede Menge zu tun. Auch Sarah Hein hat an ihrer Nummer nochmals gefeilt, um sie in die märchenhafte Choreografie von der Eiskönigin einzubetten. Bei ihren Auftritten wird sie an den Vertikaltüchern durch die Zirkuskuppel schwingen, Drehungen und Spagat vollführen, sich nur von den Tüchern gehalten in die Tiefe fallen lassen.

Sarah Hein erzählt vom Zirkus „Mabema Versaje“, in dem sie aufgewachsen ist, und von ihrer Uroma, die das Familienunternehmen einst gegründet hat. Bei „Mabema Versaje“ hat Sarah die Welt der Manege in ihrer ganzen Vielfalt kennen gelernt. Ihre Familie bietet klassischen Zirkus mit Gauklern, Magie und Artistik, aber auch Varietés, Märchenvorstellungen für Kinder und Zirkusprojekte für Grundschulen. „Unser Spielplatz war die Manege, die Schaukel war das Trapez“, sagt Sarah Hein über ihre Kindheit. So wuchs sie ganz selbstverständlich in die Artistik hinein.

Doch auch das Unterwegssein im Wohnwagen möchte sie nicht missen. Den ganzen Tag im Büro zu sitzen – das wäre undenkbar für sie. Auch mit Familie Frank, die hinter dem Lörracher Weihnachtscircus steht, ist Sarah Hein verwandt. Sandra Sperlich-Frank, die für das Programm in der Manege verantwortlich ist, sei ihre Tante, erzählt sie.

Im Januar, wenn der Weihnachtszirkus vorbei ist, werde die gesamte Familie ins Winterquartier gehen, so die junge Artistin. Dann stehen die Wohnwagen still, und die Zirkusleute gönnen sich eine Auszeit in ihren Häusern. In dieser Zeit feiere man auch viele Geburtstage und Hochzeitsfeste, die meistens drei Tage dauern, mit hunderten von Gästen, sagt sie.

Wenn sie die Manege betritt, verspürt die Artistin bis heute Lampenfieber. „Wenn man das nicht mehr hätte, das Lampenfieber, dann sollte man es nicht mehr machen“, sagt Sarah Hein. Am stärksten spüre sie das Adrenalin bei den „Abfallern“, wenn sie sich nur von den Tüchern gehalten, in die Tiefe fallen lasse. Doch auch der Wunsch, ihr Publikum zu faszinieren, zu begeistern, treibt ihren Puls in die Höhe. „Die Musik muss stimmen, meine Nummer muss stimmen, die Choreografie und meine Ausstrahlung sowieso“, beschreibt sie diese Momente. Auf die Frage, ob sie bei ihrem Auftritt hoch unter der Zeltkuppel Angst habe, sagt sie nach kurzem Zögern: „Angst nicht, aber Respekt.“