Lörrach Zeigen, was man kann

Die Oberbadische
Nach dem Durchlauf der ersten Gruppe: Strahlende Gesichter der Teilnehmer und Helfer.                                                                       Foto: Ursula König Foto: Die Oberbadische

Von Ursula König

Lörrach. Es ist weitaus mehr als eine Form der Integration und Sprachförderung: Der Vorlesewettbewerb für junge Flüchtlinge, der am Samstag in der Stadtbibliothek ausgetragen wurde, stärkt das Selbstwertgefühl junger Menschen, die oft genug Probleme mit den hiesigen Regelschulen haben.

„Deutsch lernen und dabei Spaß haben“: Dies stand während eines Jahres der Vorbereitung mit engagierten Helfern im Vordergrund ebenso wie die Freude am eigenen Fortschritt. „Erleben, was möglich ist“, dieses Ziel der Veranstalter forderte auch einigen Mut. Bewertet wurden Kriterien wie Lesetechnik, Flüssigkeit des Vortrags, Aussprache und ob der ausgewählte Text zum Vortragenden passe, erklärte die Leiterin der Stadtbibliothek, Sabine Dietrich. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Vorlesenden nicht länger als drei Jahre in Deutschland leben.

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Iran, der Türkei oder Indien: Und sie widmen sich Werken von Astrid Lindgren, Wilhelm Busch oder Antoine de Saint-Exupéry. Der kleine Prinz war vor allem bei den jüngeren Teilnehmern ziemlich gefragt. Bindung schaffen; Freunde finden; der Versuch, glücklich zu sein: Davon handeln die Texte ebenso wie von wissenswerten Informationen über Europa.

Dass das Interesse so groß sein würde, hatte Christine Meinzer-Folk, Koordinatorin für Flüchtlinge bei der Caritas, im Vorfeld nicht erwartet. 60 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 20 Jahren stellten sich der Herausforderung. Außer Konkurrenz waren auch zwei Teilnehmer im Alter von sieben und acht Jahren dabei. Auch die Begleitung vieler Eltern wertete Meinzer-Folk nicht als Selbstverständlichkeit.

Alle Teilnehmer erhielten Sachpreise. Die Gewinner der vier Gruppen freuen sich auf einen Ausflug in den Europapark. Doch die in Aussicht gestellten Preise seien nicht die Motivation der Kinder gewesen, erklärte Michael Preckner, Lehrer der Realschule Dreiländereck in Weil am Rhein. Der Antrieb der Schüler aus dem ganzen Landkreis sei vielmehr gewesen, zu zeigen, was sie können. Denn: „Wenn man Kindern eine Chance gibt, zeigen sie, wozu sie fähig sind.“ Oft genug wiesen geflüchtete Kinder eine lückenhafte Schulbildung auf, da ihre Arbeitskraft in den Herkunftsländern gebraucht wurde.

Der Wettbewerb biete Gelegenheit zu zeigen, was man könne, schaffe ein Gefühl der Zugehörigkeit und biete Erfolgserlebnisse, so Meinzer-Folk. Sie leistete mit der Verwirklichung des Wettbewerbs wertvolle Pionierarbeit. So bleibt nur zu hoffen, dass dieses Beispiel auch überregional Schule macht. Denn bisher ist der Wettbewerb in dieser Form einzigartig.

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