Lörrach Zentrum der Reformation

Von Walter Bronner

Warum der so genannte Reformationstag an diesem 31. Oktober nur in Deutschland ein Feiertag ist, nicht aber in der Schweiz oder gar in Frankreich, veranschaulicht die wohlgeratene und im Gebiet des südlichen Oberrheins umfassendste Ausstellung zum Thema „Reformationen“ im Lörracher Dreiländermuseum sehr deutlich.

Lörrach. Noch gründlicher dargestellt werden die zeitlich nicht identischen reformatorischen Bewegungen im frühen 16. Jahrhundert zu beiden Seiten des Hoch- und Oberrheins im Begleitband zur Ausstellung, der gestern der Presse und einem Team des SWR-Fernsehens vorgestellt wurde. Die 126 Seiten starke, reich bebilderte Dokumentation zum großen religiösen Umbruch in der Dreilandregion erschien als Nummer 25 der Reihe „Lörracher Hefte“ in Kooperation des Museums mit dem Evangelischen Kirchbezirks.

In einer einleitenden Betrachtung beschreibt Museumsleiter Markus Moehring das Projekt der Reformationsjubiläen, in der er verdeutlicht, dass der Blick auf Luther nicht ausreicht, „um die Vielfalt der Reformationen auf beiden Seiten des Rheins zu verstehen“. Wirkten hier doch mit Zwingli in Zürich, Oekolampad in Basel oder Bucer in Straßburg bedeutende Reformatoren teils in deutlicher Abgrenzung zur Lehre Luthers. In einem weiteren Beitrag mit deutsch-französisch-schweizerischem Vergleich spürt er sodann der seitherigen konfessionellen Entwicklung in der Region nach.

Von der Bedeutung des Dreiländerecks als wichtiges Zentrum der Reformation, in dem die unterschiedlichen Strömungen der neuen Glaubensbewegung zusammenflossen, spricht auch Dekanin Bärbel Schäfer in ihrem Grußwort.

Der Historiker Peter Kunze, Kurator der Ausstellung, unterzieht dann die Abweichungen und Parallelen „von Luther zu den Reformationen am Oberrhein“ einer ausführlichen Grundsatz-Betrachtung. Darin beleuchtet er die hiesige Region am Vorabend der Reformation und wirft im Abschnitt „Humanistischer Diskurs und reformatorischer Geist“ die Frage auf, weshalb eigentlich die Reformation nicht von Straßburg oder Basel ausging, wo der Nährboden dafür wesentlich günstiger bereitet war als im fernen Wittenberg. Unterlegt wird das auch mit einer Kartenskizze zum „Netzwerk der Humanisten“ und Verweisen auf deren „Laboratorien des Glaubens“.

Von Kunze sind auch die Themen und Exponate der Ausstellung ebenso schlüssig wie bilderreich dokumentiert, ergänzt durch orange unterlegte separate Nebenthemen, etwa über die namentlich bekannten Teilnehmer des Bauernkriegs, Luthers Schulschrift, die Kirchen der Reformationszeit im heutigen Kirchenbezirk, Melanchtons Schulkonzept und die Barockkultur allgemein. Ebenso behandelt werden die konfessionellen Konflikte, die dann zum 30-jährigen Krieg führten und die viel später gebahnten Verständniswege zu Miteinander, die inzwischen in eine „versöhnten Verschiedenheit“ mündeten. Sämtliche Haupttexte sind natürlich auch in Französisch abgedruckt.

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