Lörrach Zurück ins „normale“ Leben

Gabriele Hauger
Die Geschäftsführer Giuseppe Conforti und Ruth Schippers im frisch eröffneten Laden. Foto: Gabriele Hauger

In der Teichstraße tut sich was. Neu angesiedelt hat sich hier nun auch der gemeinnützige Verein Reha mit Laden und Werkstatt. Was gar nicht so einfach war.

Ernie und Bert warten auf Käufer. Ebenso Holzpuzzle, Mobile, Spiele, Kirschkernkissen – und natürlich die berühmten Freiburger Bächle-Boote. Am Eingang des neue Geschäfts in der Teichstraße hängt das Schild REHA Laden.

Wieso Reha?

Reha? Da stutzt mancher. Es ist der inzwischen sechste Laden zwischen Freiburg, Emmendingen und Waldshut, der vom gleichnamigen gemeinnützigen Verein eröffnet wurde. Den Verein selbst gibt es seit 1979 in Freiburg. Zielsetzung: Psychisch beeinträchtigte Menschen sollen unterstützt werden: mit einer geregelten Tagesstruktur, mit Wohn- und Arbeitsangeboten, mit der Schaffung von Werkstätten, in denen sie wieder Fuß fassen können – und vielleicht sogar den Weg zurück in ein reguläres Arbeitsleben finden können.

In der Lörracher Werkstatt werden die Holz-Katamare Foto: Gabriele Hauger

Geschäftsführer sind Giuseppe Conforti und Ruth Schippers. „Wir verfolgen einen dezentralen Ansatz, wollen direkt zu den Betroffenen gehen und ganz zielgerichtet und individuell Unterstützung anbieten“, erklärt der Geschäftsleiter. Der Bedarf sei auch in Lörrach da.

Stadt irritiert

Umso irritierender fand die Geschäftsleitung die in ihren Augen sperrige und wenig kooperative Reaktion vonseiten der Stadt. „Das Projekt ist schwierig durchzusetzen. Beim Laden wurden uns regelrecht Knüppel zwischen die Beine geworfen, was Werbebanner oder Schaufenstergestaltung anbelangt“, zeigen sich beide irritiert. Bezüglich der geplanten Werkstätten ist jetzt sogar eine gerichtliche Klärung mit der Stadt nötig. Einrichtungen wie die Lebenshilfe hingegen hätten sehr positiv auf die Pläne des Vereins reagiert.

Werkstatt-Räume

In Lörrach sind in den Räumen über dem Geschäft kleine Werkstatträume angelegt. Es gibt einen Rückzugsraum, ein Büro, eine gemütliche Kantine mit Küche, wo Frühstück und Mittagessen angeboten werden, ein kleiner Balkon lädt zur Pause. In einer der Werkstätten friemelt Günter (*Name geändert) kleine Elektroteilchen in ein Gehäuse, die sein Gegenüber sorgfältig verpackt. Im Raum nebenan warten weitere kleine Metallteilchen auf Verpackung, eine Auftragsarbeit, wie Giuseppe Conforti beim Rundgang erläutert. Rudi (*Name geändert) kümmert sich in der Kantine um die Spülmaschine und macht Ordnung. Während im der unteren Werkstatt Dutzende Holz-Katamare auf Bemalung warten.

Bächle-Boote: ein Klassiker

Berühmte Bächle-Boote

Diese, sowie die Bächle-Boote mit Stoffsegel, die wohl jeder Freiburg-Besucher kennt – eine Kreation des Vereins – werden hier auch produziert und im Laden verkauft. „Sie sind ein Erfolgsmodell“, erklärt Ruth Schippers. Und die, die sie erstellen, seien extrem stolz darauf.

Die Mitarbeiter der Reha-Läden haben extrem unterschiedliche Biografien. Gemein ist ihnen, dass sie eine psychische Beeinträchtigung haben. Das kann von der Depression über Autismus bis zu Phobien reichen oder bis zu Menschen, die gerade in einer großen Krise stecken. Für Suchtkranke indes seien sie nicht die richtige Adresse, erklärt Conforti.

Landeten psychisch Kranke früher teilweise auf der Straße oder dauerhaft in entsprechenden Einrichtungen, sollen sie über den REHA-Verein möglichst wieder Teil der Gesellschaft werden. Dabei werden ihnen unterschiedliche Aufgaben angeboten: in den Werkstätten, Im Laden, beim Verkauf, im Lager, in der Verwaltung – je nach Wunsch und Können. „Es ist natürlich toll, wenn wir dann sehen, dass ein Mitarbeiter wieder im regulären Arbeitsmarkt landet“, erzählt Conforti.

Der Reha-Laden Foto: Gabriele Hauger

Suche nach Lösungen

„Für manche sind wir nur eine Zwischenstation, andere machen ein Praktikum, wieder andere bleiben länger bei uns.“ Wichtig sei, keinerlei Druck auszuüben. „Interessierte können einfach vorbeikommen. Wir suchen dann gemeinsam nach einer passenden Lösung“,

Die Arbeit ist für beide Geschäftsführer sehr erfüllend. „Man bekommt eine ganz neue Perspektive auf das Thema Arbeit“, erzählt Ruth Schippers. Und man erkenne, dass manche Menschen einfach mehr Zeit brauchen: „Die Entdeckung der Entschleunigung kann auch uns gut tun.

Schippers: „Viele, die zu uns kommen, entdecken wieder verschüttete Fähigkeiten. Wir nehmen die Menschen ernst und legen den Fokus nicht auf ihre Erkrankung, sondern aktivieren den anderen Teil.“

Offiziell eröffnet wird der REHA-Laden am Samstag, 13. Juli mit Angeboten und Aktionen zwischen 9.30 und 15 Uhr.

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