Lörrach Zwei Räume, eine Region

Die Oberbadische

Von Bernhard Konrad

Lörrach. „Leader“ ist eine Anschubförderung der EU und des Landes für nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume. Was hat das mit Lörrach zu tun? Jede Menge, sagt der Architekt und Regionalentwickler Gerhard Zickenheiner.

Was ist Leader? Unter dem Titel „Leader-Aktionsgruppe Rheinknie“ bewirbt sich auf Initiative von Zickenheiner ein Gebiet mit 16 Gemeinden am Rande des Verdichtungsraums Basel um die Aufnahme in das Förderprogramm: das Band der Region Efringen-Kirchen, Schliengen, Malsburg-Marzell, Kandern, Steinen, bis Schopfheim, Zell und Schwörstadt. Was wird gefördert? Im Mittelpunkt der Leader-Förderung stehen Vorhaben, die die Innovations- und Wirtschaftskraft in den Regionen stärken, Arbeitsplätze im ländlichen Raum erhalten, schaffen und den Tourismus fördern. Ein besonderer Stellenwert kommt auch der Gestaltung des demografischen Wandels und der Rolle der Frauen im ländlichen Raum zu. Mit den Themen Kultur, Dorfentwicklung, Tourismus, Gewerbeförderung und Vermarktung regionaler Produkte werden die Fördermöglichkeiten künftig erweitert. Die Akteure: Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der von Zickenheiner moderierten Lenkungsgruppe wider, deren Akteure unter anderem dem SAK, TRUZ oder der Wirtschaftsregion Südwest angehören. Sie werden von Experten wie dem Regionalentwickler Frank Leichsenring verstärkt. Zentraler Bestandteil von Leader ist zudem der Projektansatz „von unten nach oben“, das „Bottom-up“-Prinzip. Dieser Aspekt werde besonders berücksichtigt, so Zickenheiner. Aktuell wird ein Regionalentwicklungskonzept erarbeitet.

Sofern die Gruppe zum Zuge kommt, könnten bis zum Jahr 2020 rund vier Millionen Euro von EU (2,8) und Land (1,2) für Leader-Projekte in die Region fließen. Konsequenzen für die Stadt: Die ländliche Bevölkerung spürt es zuerst selbst, wenn Dorfläden schließen, Schulen schrumpfen oder Ärzte fehlen. Doch wenn das Interesse am ländlichen Raum sinkt, habe das auch für die Städte Konsequenzen: Der Südschwarzwald und dessen Ausläufer mit Streuobstwiesen und offener Landschaft seien „ein Kunstprodukt“, das gepflegt werden müsse, sonst werde diese Landschaft ihr Gesicht verändern – unter Naherholungs- und Tourismusaspekten sei dies auch für die Städter ein Verlust, sagt Zickenheiner. Und: Wo landwirtschaftliches Engagement zurückgehe, seien gleichzeitig Monokulturen auf dem Vormarsch, werde das regionale Angebot kleiner, müsse mithin mehr in die Region transportiert werden.

Naherholung, Tourismus, Ernährung, Umweltschutz: Etliche Facetten tangieren die Städte, wenn das umliegende Land an Attrraktivität verliert. Zickenheiner: „Es geht hier auch um regionale Identität.“ Lösungsansätze: Die ökonomischen Perspektiven derjenigen, die sich im und für den ländlichen Raum engagieren, sollten verbessert werden, sagt Zickenheiner: „Wir könnten wesentlich mehr Produkte aus der Region beziehen.“ Indes müsste die Vermarktung regionaler Waren besser funktionieren. Hierzu könnten viele kleine Projekte einen Beitrag leisten, etwa eine mobile Saftpresse, um Streuobstwiesen besser nutzen zu können und um sortenreine Apfelsäfte zu gewinnen. Auf diese Weise können sogar Arbeitsplätze entstehen und zugleich eine Verbindung zum städtischen Raum als Abnehmer generiert werden, sagt er. Über einen QR-Code könnte der Saft aus einer bestimmten Region schon für das nächste Jahr vorbestellt werden. Solche Netzwerke gelte es zu stärken.

Ländlichen Raum attraktiv zu halten, bedeute aber ebenso, dessen Erreichbarkeit zu gewährleisten, ÖPNV-Lücken zu schließen. Auch die Perspektiven für Frauen und Jugendliche in diesen Gebieten seien weitere wichtige Themen. Zickenheiner wünscht sich im Miteinander von Stadt und Land „eine höhere Wertschätzung – von beiden Seiten.“ Er unterstützt den Appell der Direktorin des Schweizer Bundesamts für Raumentwicklung, Maria Lezzi, oberste Raumplanerin des Nachbarlandes. Sie fordert: „Wir brauchen die Ausbildung neuer Allianzen zwischen Stadt und Land.“

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