Lörrach Zwischen Berg und Perle

Die Oberbadische, 20.03.2018 02:45 Uhr

Die jüngste „Literarische Begegnung“ des Hebelbunds brachte am Sonntag eine vorarlbergische Autorendelegation ins Dreiländermuseum. Astrid Marte, Birgit Rietzler und Adolf Vallaster gaben Einblicke in ein literarisch vielseitiges Schaffen zwischen Lyrik und Prosa, Dialekt und Hochdeutsch.

Von Veronika Zettler

Lörrach. Ein Vorarlberger wird im übrigen Österreich schlechter verstanden als in Südbaden, denn die vorarlbergerischen Dialekte gehören zur alemannischen Sprachfamilie. „Vorarlberg ist das einzige Bundesland Österreichs, in dem keine bairischen Mundarten gesprochen werden“, sagte Hebelbund-Präsident Volker Habermaier vor knapp 30 Besuchern. Gleichwohl verdeutlichten die Autoren, wie stark sich die Dialekte in ihrem „Ländli“ unterscheiden.

Thematisch durchpflügte das Trio ein weites Feld, das Naturerlebnisse und Großmutterfreuden ebenso umfasste wie Drachensagen und Selbstfindungsseminare. „I bi o schoa gi schwämmla gange und ha blus Flüügapilz gfunda“, lesen sich etwa Mundartzeilen von Adolf Vallaster aus der Vorarlberger Rheintalgemeinde Mäder. Der 77-Jährige ist selbst ein langjähriger Förderer der vorarlbergischen Dialektdichtung und in der hiesigen Mundartliteraturszene kein Unbekannter. Er pflegte schon Kontakte zu Gerhard Jung, später zu Markus Manfred Jung, in dessen „Mund-Art-Literaturwerkstatt“ er zu Gast war.

Im Hebelsaal trug der passionierte Schriftsteller, Leser und Theaterspieler, der nach einer Schlosserlehre 40 Jahre als Gemeindesekretär von Mäder arbeitete, unter anderem Verse aus seinem Buch „Kopfnüss“ vor. Seine besonnenen Gedichte mit Titeln wie „Zahn der Zeit“ oder „Luusbuaba“ überraschen mit ironischen Wendungen, aphoristischen Pointen und einer immer auch nachdenklich-philosophischen Perspektive.

„Gedichte sind die Textgattung, mit der man am Besten Gefühle ausdrücken kann“, erklärte im Anschluss Astrid Marte aus Satteins. In einem wehmütigen Abschiedsvers der Autorin verdichten sich Trauerphasen zu „zartschimmernden Schichten“ und schließlich zu einer Perle. „Ich genese mehr und mehr an meiner Perle“, schließt sie hoffnungsvoll.

Marte, Jahrgang 1958, eröffnete mit einer Reflexion über ihren Vornamen und den lautmalerischen Verwerfungen zwischen der vorarlbergischen Aussprache „Aschtrid“ und der für sie „unecht und fremd“ klingenden hochdeutschen Variante. Ihrer Namensschwester Astrid Lindgren erwies die Lehrerin zwischen den erzählerisch elegant verbundenen Gedichten mehrfach Referenz. Eines ihrer Lieblingszitate stammt von Pipi Langstrumpf: „Das habe ich noch nie versucht. Also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“

Paradiesisch dürfte es sein auf diesem Berg, vor der Hütte sitzend, wo man „versinkt im Grün“ – ein Idyll, das Birgit Rietzler heraufbeschwört. Während Adolf Vallasters Dialekt dem Wiesentäler Slang durchaus ähnelt, muss man das hierzulande akklimatisierte Ohr bei der Mundart von Birgit Rietzler gehörig spitzen. Die Autorin, 1968 geboren, ist im Hinteren Bregenzerwald verwurzelt und schreibt bevorzugt über das Naturerleben. In ihrem Werk „Berberitzen“ unternimmt sie einen lyrischen Rundgang durch ihr Dorf: „Auf der linken Seite steht, was man sieht, und auf der rechten, was man fühlt“, erläuterte sie den formalen Aufbau. Spätestens nach dem hymnischen Willkommensgedicht „Freud“ fühlten sich die Zuhörer auch in dieser Ecke der Vorarlberger Lyrik heimisch.