Lörrach Zwischen Beruf und Hobby

Gottfried Driesch
Kurt Zumkeller verfolgt immer noch das aktuelle Tagesgeschehen. Am Mittwoch wird der vielseitig engagierte Jubilar 95 Jahre alt. Foto: Gottfried Driesch

Jeden Morgen studiert Kurt Zumkeller erst einmal unsere Zeitung. Politik, Wirtschaft und Lokales – alles findet seine Aufmerksamkeit. Im Gespräch nimmt er zu den einzelnen Themen engagiert Stellung. Kaum zu glauben, dass er am Mittwoch seinen 95. Geburtstag feiert.

Von Gottfried Driesch

Lörrach. Der Jubilar ist ein waschechter Stettemer. Geboren am 25. Januar 1928, wurde er nach dem Schulbesuch gleich in den Reichsarbeitsdienst eingezogen. Anschließend musste er sofort zum Militär. Am Ende des Krieges geriet er in französische Gefangenschaft. Erst im Dezember 1948 kehrte er nach Stetten zurück.

„Eigentlich wäre ich gerne Förster geworden“, erinnert sich Kurt Zumkeller im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber da habe er keine Chance gehabt. Im Jahr 1949 konnte er bei der Tram zwischen Riehen Grenze und der Endhaltestelle in Lörrach als Fahrer und Schaffner – es sei abgewechselt worden – anfangen. Diese Aufgabe habe ihn aber nicht befriedigt. Als sich 1962 die Möglichkeit bot, bei der Dresdner Bank in Lörrach anzufangen, griff er sofort zu. In der Abendschule in Freiburg absolvierte er nebenher die Ausbildung zum Bankkaufmann. 1965 legte er mit Erfolg die Prüfung ab.

Prophezeiung eines Kameraden eingetroffen

Einige Monate später wechselte er zur Bank für Gemeinwirtschaft. Dort baute er die Abteilung für Anlageberatung auf, die er später 25 Jahre lang leitete.1990 ging er in Rente.

„In der Kriegsgefangenschaft hat mir ein Kamerad aus den Handlinien prophezeit, dass ich nach der Heimkehr innerhalb von zwei Jahren heiraten werde“, erinnert sich der Jubilar. Er glaubte das damals nicht. Und doch: Im Januar 1949 ging er erstmals nach Haagen zum Tanzen. Dort lernte er die junge Priska kennen. 1951 wurde geheiratet.

Die Prophezeiung war eingetroffen. „Ohne meine Frau hätte ich nie die vielen Aufgaben übernehmen können“, betont der Jubilar im Gespräch mit unserer Zeitung. Vier Kinder, vier Enkel und fünf Urenkel gingen aus der Ehe hervor. Im Jahr 2017 verstarb Kurt Zumkellers Ehefrau Priska

Sein großes Hobby seit 70 Jahren ist die Bienenzucht. Noch heute arbeitet er im Imkerverein Lörrach als Bienensachverständiger. Einige Bienenstöcke hat er auf dem Salzert und im Weinberg in Weil am Rhein. Seine Bienen sind zugleich Therapeuten für Kurt Zumkeller. „Sie spüren ganz genau, ob man ausgeglichen ist oder unter Stress steht“, erklärt er. Er geht in kurzen Hosen und kurzärmelig zu seinen Bienen – ganz ohne Schutzkleidung. Aber sie tun ihm nichts.

Überregionale Anerkennung

30 Jahre war er der Stadtmusik Lörrach zugetan. So lange verwaltete er die Kasse des Vereins. In seine Zeit fiel der Bau des Hauses der Stadtmusik an der Rümminger Straße. Zumkeller ist es maßgeblich zu verdanken, dass das Haus nach gut zehn Jahren schuldenfrei war. Er hatte eine eiserne Devise: Es wird nicht mehr Geld ausgegeben, als zuvor eingenommen wurde.

Als überregionale Anerkennung wurde Kurt Zumkeller im Jahr 1995 von dem damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für seine Verdienste um die Stadtmusik verliehen. Die Auszeichnung wurde von der frisch im Amt befindlichen Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm überreicht.

Die Kasse der Freien Wähler führte Zumkeller 20 Jahre lang.

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