Lörrach Zwischen Leid und Landschaft

Jürgen Scharf
Hafen-Bild von Paul Hübner im Ibenthalerhaus Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Paul Hübner gehört als Künstler zur „Verlorenen Generation“, der Kriegsgeneration. Der Krieg hat Spuren in seinem Werk und seinem Leben hinterlassen, ist präsent in seinem malerischen und schriftstellerischen Oeuvre. Viele seiner Bilder, die man in der Doppelausstellung im Dreiländermuseum und dem Ibenthalerhaus in Lörrach wiederentdecken kann, bringen Leid, Trauer und Kriegsschrecken zum Ausdruck.

Hübner, der als Soldat in Norwegen stationiert war und sich 1941 eine schwere Verwundung zuzog, thematisiert den Krieg in dem 1985 publizierten „Lappland-Tagebuch“, seinem bekanntesten schriftstellerischen Werk, das ein historisches Zeitdokument ist.

Neubeginn der Kunst

Die Erinnerung an Paul Hübner, so Museumsleiter Markus Moehring, ging in den letzten Jahren zunehmend verloren, was seiner künstlerischen Bedeutung nicht entspreche. Nach der Blut- und Bodenmalerei der NS-Zeit stand Hübner zusammen mit Alfred Haller und Paul Ibenthaler, damals eine junge Künstlergruppe, in der Nachkriegszeit in der Markgräfler Kunstszene für den Neubeginn in der Kunst.

Den Aufbruch in eine neue Formensprache und eine expressive und farbleuchtende Malerei markieren die Lörracher Nachkriegsausstellungen 1947/48 unter dem Titel „Moderne Malerei“, die zum Teil in der Museumsausstellung rekonstruiert sind.

Der erste Raum ist dem literarischen und malerischen Frühwerk gewidmet, bei dem Hübner ein „Wanderleben“ verarbeitet. In der eindrücklichen Abteilung „Krieg und Lappland“ kann man sich in das ausliegende Kriegstagebuch vertiefen und in diesen autobiografischen Aufzeichnungen des Landsers, der in die arktische Tundra an der finnisch-russischen Eismeerküste verschlagen wurde, nach malerischen Spuren im bildnerischen Werk suchen.

Traumatische Kriegsmotive

Die Kuratorin Jeanette Gutmann weist auf den Kontrast zwischen den Berichten über drastische Kriegsschrecken und den hellen, freundlichen, bunten norwegischen Landschaftsdarstellungen („Eismeer“ 1947) hin. Die Verarbeitung der Kriegserlebnisse in den ausdrucksstarken, dunklen, schmerzerfüllten Bildern „Niobe“ und „Gottverlassenheit“ interpretiert die Kunsthistorikerin, die die Schau teils chronologisch, teils thematisch mit großen Textfahnen und literarischen Zitaten gegliedert hat, als „posttraumatisches Kriegsmotiv“.

Auch beim großen Thema Landschaften gibt es Querverbindungen zwischen der literarischen und künstlerischen Produktion. Hübners Verbundenheit mit der Natur offenbart sich in seinem Roman „Der Berg“, der unverkennbar dem Belchen, einem Lieblingsthema des Malers, gewidmet ist. Über 40 idealtypisch gemalte Belchen-Bilder sind überliefert, zusätzlich zu Schwarzwaldlandschaften, Vogesen, Alpen, Dolomiten.

Ab Ende der 1940er Jahre bis in die 70er Jahre wird Hübner zu einem Vertreter der expressiven Landschaftsmalerei, der sich von naturalistischen Ansichten zu abstrakteren Darstellungen entwickelt, ohne das Gegenständliche ganz aufzugeben.

Farbig und expressiv

In den Menschendarstellungen tritt das Farbige und Expressive in seinem Stil besonders markant hervor. Hübner malt die menschliche Figur gesamthaft, im Profil, einzeln als Porträt oder als Paare und Gruppen: Liebespaare, Musik und Tanz sind Sujets, die eher die positive Stimmung unterstreichen. Ausflüge in die Welt des Kubismus zeitigen farbige Kompositionen wie „Der Trompeter/Louis Armstrong“. Zahlreiche religiöse Bildmotive mit biblischen Themen wie Abendmahl verweisen auf den gläubigen Menschen Hübner.

Der zeitkritische Maler Hübner äußerst sich in der Serie von Tuschen zu Amtsträgern und politischen Stereotypen wie Prediger, Beamter und Redner, aber auch Demagoge.

Landschaftsmaler

Während man im Dreiländermuseum den „ganzen“ Hübner sieht, konzentriert sich das Ibenthalerhaus auf den Landschaftsmaler. Gezeigt werden Naturimpressionen, Dorfansichten, Stadtbildern aus der näheren und weiteren Region aus dem Nachlass, der von der Künstlertochter Christiane Ahlswede betreut wird.

Stiftungsvorsitzender Andreas Obrecht und Kurator Martin Leccese haben in einer stimmigen Auswahl die expressiven, geometrisch-kubistischen und naturalistischen Arbeiten nach ästhetischen Gesichtspunkten gehängt.

Auffallend häufig tauchen Motive aus Stetten auf, das Röttler Schloss, der Rheinhafen, das Markgräflerland. Besondere Wirkung erzeugen Bilder von Mappach und Schiffen auf dem Rhein bei Friedlingen in einer speziellen Technik von Farbschichten aus bunter Ölkreide und Wasserfarben. Die Landschaften auf zwei Stockwerken des Ibenthalerhauses ergänzen also sehr gut die vielfältige Überblicksschau im benachbarten Dreiländermuseum.   Dreiländermuseum bis 4. September, Di-So 11-18 Uhr, Paul-Ibenthaler-Haus bis 25. Dezember, Sa 14-17, So 15-17 Uhr. Zur Ausstellung erschien Nr. 32 der Lörracher Hefte: „Paul Hübner -Maler und Schriftsteller“.

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