Lörracher Forst Siedler sind sauer über Rodung und enttäuscht von der Stadtspitze um den OB

Marco Fraune
Zwischen der A 98 und der Homburg-Siedlung erfolgten großflächige Abholzungen. Foto: Marco Fraune

Die Forstarbeiten entlang der A 98 sorgen bei der Siedlergemeinschaft Lörrach weiter für große Verärgerung, ebenso wie die sich damit verschärfende Lärmproblematik. Kritik wird an einer ausbleibenden Unterstützung durch OB Jörg Lutz und Fachbereichsleiterin Staub-Abt geäußert.

30 000 Fahrzeuge, davon 2500 Schwerlaster, passieren täglich die A98-Zählstelle am Homburgwald, schilderte Sabine Klein bei der Versammlung der Siedlergemeinschaft. Bisher sei der damit verbundene Lärm von Fachbereichsleiterin Britta Staub-Abt relativiert worden, da der Wald die Schallwellen dämme. „Dieser Fakt spielt keine Rolle mehr“, sagte Klein angesichts eines stark ausgedünnten Walds zwischen der Homburg-Siedlung und der A 98.

Ein Garten mit besonderer Aussicht Foto: Marco Fraune

Sowohl von Staub-Abt als auch vom OB Jörg Lutz zeigten sie und weitere Siedlervorstandsmitglieder sich „enttäuscht“. Denn beim jüngsten Treffen mit der Autobahn GmbH hätten beide von einer unterschiedlichen Messmethodik wissen müssen, so die Kritik. Die Stadt nutze für den Lärmschutz andere Zahlen als die für die Autobahnen zuständige Gesellschaft. „Für uns normale Leute ist das schwer zu verstehen.“ Die Stadtspitze unterstütze die Siedler nicht. „Das ist das Schlimmste.“

Für Wiederaufforstung

Ähnlich deutliche Kritik wurde von anderen Siedlern bei deren Hauptversammlung am Freitagabend geäußert, wie von Timo Lievert, der von einem Wald sprach, der keiner mehr sei. Eine Naturverjüngung des Bestands werde lange dauern, eine Wiederaufforstung sei leider nicht vorgesehen. „Sie überlassen es der Natur.“ Daher wollen die Siedler auf die Pflanzung von Bäumen drängen, damit der natürliche Schallschutz schneller zurückkehrt.

Entlang der Autobahn wurde gerodet. Foto: Marco Fraune

Dabei sei die Siedlung schon vor der starken Durchforstung laut dem Lärmschutzplan stark belastet, erinnerte Klein. „Die Fakten liegen vor. Es ist nicht nur unser Gehör, das sich gestört fühlt.“ Doch bei der Besprechung, an der auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Diana Stöcker teilgenommen hatte, hätten sich dann die unterschiedlichen Methodiken von Autobahn GmbH und Stadt gezeigt – was auch Stöcker überrascht habe.

Klack-Klack wird behoben

Zumindest soll laut Klein das Klack-Klack-Geräusch an der Autobahnbrücke im nächsten Jahr behoben werden. Eine Erhöhung der Schallschutzwände, ein Flüsterbelag oder auch ein Tempolimit soll es aber nicht geben, da die Schallwerte nicht überschritten werden. Die Stadt werde aber noch in diesem Jahr neue Lärmaktionsplan-Zahlen ermitteln. „Wir bleiben an dem Thema dran“, versicherte Siedler-Vorsitzender Jörg Lievert. „Sie machen ihre Berechnungen oft zu ihrem Vorteil.“ Laut Gesetzgeber müsse leider nichts getan werden.

Es geht um die Sicherheit entlang der Autobahn. Foto: Marco Fraune

Das Thema Lärmschutz beschäftigt die Siedlergemeinschaft Lörrach mit ihren 162 Mitgliedsfamilien schon lange, seit eineinhalb Jahren sei die Kritik wieder lauter geworden. Unterstützung hatte die Vereinigung teils auch von Ratsfraktionen wie der CDU oder auch dem zwischenzeitlich verstobenen Grünen-Stadtrat Gerd Wernthaler erhalten, erinnerte Klein. Nun würden die Abholzungen die Situation nochmals verschärfen.

Warum wird abgeholzt?

Forst BW, Landkreis sowie Stadt Lörrach haben zum Start der Forstarbeiten darauf verwiesen, dass die Hiebmaßnahme wegen verkehrsgefährdenden und vitalitätsgeminderten Bäumen erfolge. Es bestehe eine Gefahr für die angrenzende Wohnbebauung sowie die Autobahn, heißt es auch auf einem Info-Schild, das am Wegesrand aufgestellt wurde. Die hängenden, kranken und teilweise verfaulten Bäumen würden gefällt. „Hierfür ist auch die Entfernung des Waldtraufs notwendig, damit langfristig ein strukturreicher Sukzessionswaldrand entstehen kann.“

Langfristig soll damit ein „klimastabiler, naturnaher Waldtrauf entstehen. Dies soll mit der „Naturverjüngung“ erfolgen. Siedler-Vorstandsmitglied Timo Lievert glaubt aber nicht, dass nur kranke Bäume entfernt werden. „Sie haben gerodet.“

Wechsel nach 45 Jahren

Der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Lörrach
,
 Jörg Lievert, hat auf der Jahreshauptversammlung seinen Abschied nach 45 Jahren an der Vereinsspitze angekündigt. Bei den im nächsten Jahr anstehenden Neuwahlen werde er nicht mehr antreten. Der 79-Jährige will damit einen Generationswechsel an der Spitze einleiten. „Wir sind eine tolle Truppe. Sonst hätte ich es nicht so lange gemacht

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