Lörracher Kinderklinik BMX-Tik-Tok-Star will Kindern neuen Lebensmut vermitteln

Regine Ounas-Kräusel
Neue Räder für das „Eli“: Chris Böhm (BMX-Star, Kinderkrankenpfleger und Leiter der BMX-Therapie), Benedikt Sester (Naturenergie), Dr. Clemens Keutler (Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie), Alexandra Edlinger (Naturenergie). Foto: Regine Ounas-Kräusel

Chris Böhm, international erfolgreicher BMX-Performer, bietet im Elisabethenkrankenhaus therapeutisches BMX-Fahren für junge Psychiatriepatienten an. Für das Training gibt es neue Bikes.

Seit mehr als 20 Jahren tritt Chris Böhm als BMX-Athlet bei internationalen Shows und im Fernsehen auf, gewinnt Wettbewerbe im In- und Ausland. Er ist Spezialist im Flatland-Style: Auf flachem Boden zeigt er rasante Sprünge, Drehungen und akrobatischen Figuren auf dem Rad. Längst ist Böhm, der mit seiner Familie in Lörrach lebt, zum BMX-Star geworden und verdient mit den Shows sein Geld. Außerdem ist er mit BMX-Videos und Produktwerbung auf „sozialen Medien“ unterwegs. Als in der Coronazeit die Shows wegbrachen, begann er, seine Videos auf Tik-Tok einzustellen. Inzwischen habe er 2,7 Millionen Follower, auch viele junge Leute, erzählte er bei der Übergabe der Bikes. Dies mache ihm bei seiner BMX-Therapie den Zugang zu den Kindern leichter: „Die Kids kennen mich schon.“

Training mit Patienten

Seit 2006 bietet Chris Böhm, ausgebildeter Kinderkrankenpfleger, das therapeutische BMX-Fahren in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Elisabethenkrankenhauses an. Einmal pro Woche trainiert der Sportler Böhm, der zu 30 Prozent bei der Klinik angestellt ist, mit den sechs- bis 14-jährigen Patienten der Kinderstation im Hof des Krankenhauses.

Auch gemeinsame Ausfahrten, etwa ins Lörracher Grütt, gehören zur Therapie. In einer Werkstatt im Keller halten Chris Böhm und die Kids ihre Bikes instand.

Das BMX-Training fördere Konzentration, Disziplin und Durchhaltevermögen der Kinder, sagt Clemens Keutler, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Vor allem aber macht es Spaß. Und wenn die Tricks, die Böhm den Kindern zeigt, schafft das neues Selbstvertrauen.

Kindern Mut machen

Die Kinder kämen mit großen Belastungen ins Krankenhaus, manche seien suizidgefährdet, weiß Böhm und redet von mangelnder Fürsorge mancher Eltern, von Schulangst, Spielsucht, belastendem Konsum von sozialen Medien. Er wolle den Kindern ein Vorbild sein, sagt der Tik-Tok-Star. Mit seiner BMX-Therapie wolle er ihnen wieder Lebensmut vermitteln: „Jeder Mensch hat ein Talent, das ihm Spaß macht.“ Wenn die jungen Patienten alle Tricks, die Böhm mit ihnen trainiert hat, lernen, können sie ihr BMX-Bike aus der Therapie sogar mit nach Hause nehmen und weiter trainieren. Dies soll verhindern, dass sie wieder in altes, schädliches Verhalten abrutschen.

„Naturenergie“ hat für das therapeutische BMX-Training am Elisabethen-Krankenhaus seit 2018 bereits 15 Bikes gespendet. Es sei eine inspirierende Methode, um therapeutische Behandlungen mit Sport und Spaß zu verbinden, so das Unternehmen.

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