Lörracher Närrischer Zwist nach Confetti-Sommer

Die Oberbadische

Der sommerliche Konfetti-Spaß am vorvergangenen Wochenende hat ein Nachspiel: Offenbar hat ein Funktionär des  Verbands Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) einer Clique vor Ort die Teilnahme am sonntäglichen Confetti-Umzug verboten. Die Lörracher Narrengilde   wertet das als  unangemessenes Eingreifen ins eigene Hoheitsgebiet   und fordert eine Entschuldigung.

Von Anja Bertsch

Lörrach.  Hintergrund ist ein  bereits im Vorfeld schwelender  Streit um den angemessenen Umgang mit dem Brauchtum: Eingeschworene Traditionalisten – namentlich der VON –  bewerten  ein närrisches Treiben  jenseits der hergebrachten Fasnachtszeit als „Missachtung der fasnächtlichen Bräuche, deren Hintergrund und Tradition“, wie der VON vorab in einem Schreiben an seine Mitglieder formulierte.

Die Lörracher Narrengilde  wiederum verwies darauf, dass der Confetti-Sommer weniger ein echter Fasnachtsersatz  sei, als viel mehr ein Angebot an die Menschen, endlich einmal wieder unbeschwert zu feiern – die ein oder anderen Fasnachts-Anleihe dabei durchaus inklusive.  

Der VON hatte zum Boykott der Veranstaltung aufgerufen und  seinen Mitgliedern ausdrücklich  verboten, sich im Häs am Confetti-Umzug zu beteiligen. Mindestens eine Gruppe wollte das offenbar trotzdem tun – und wurde von einem VON-Vertreter  vor Ort zurückgepfiffen, berichtet der Lörracher Obergildenmeister Jörg Roßkopf.

Offener Brief  ans VON-Präsidium

In einem offenen Brief  ans VON-Präsidium bringt er nun  sein Befremden  darüber zum Ausdruck, „dass Repräsentanten des Verbandes aktiv in Veranstaltungen der Narrengilde Lörrach, die selbst nicht dem Verband angehört, eingreifen.“ 

Zwar gehe  man nicht davon aus, dass die Verbandsspitze aktiv das entsprechende Verhalten eingefordert oder gar organisiert hat. Gleichwohl zeige der Vorgang, „was deren Aussagen zur Art und Weise der ’richtigen’ Brauchtumspflege und die unreflektierten Kommentare zum Sommer-Festival   der Narrengilde auslösen“.     

„Fasnacht lebt von Offenheit und Toleranz“

Fasnacht lebe von der Fähigkeit bestehende Strukturen in Frage zu stellen, von Offenheit und Toleranz.     „Brauchtum kann nur erhalten werden, wenn dieses und die Menschen, die es pflegen, atmen können“, schreibt Roßkopf: „Es wäre schön, wenn man sich einem gemeinsamen Ziel verschreiben könnte und nicht über den Weg dorthin zerstreiten müsste.“

Nach diesen moderaten Worten verschärft Roßkopf den Tonfall:  „Die Narrengilde erwartet, dass Repräsentanten des Verbandes nie mehr eigenmächtig in Veranstaltungen der Gilde eingreifen und vor Ort Einfluss auf unsere Gäste nehmen. Zudem wäre eine Entschuldigung zweifellos angebracht.“

Für die Zukunft kündigt Roßkopf zudem einen Kurswechsel gegenüber dem VON an. Seit dem Austritt der Lörracher Narrengilde  aus dem VON 2014  habe man sich um ein neutrales und respektvolles Miteinander bemüht. Dazu habe auch gehört, niemanden aus einem Ort mit VON-Mitgliedszunft in die Narrengilde aufnehmen. 

In Anbetracht der Erfahrungen rund um das „Confetti“-Sommer-Festival halte man es von Seiten der Narrengilde nun allerdings für geboten, Gruppen, „die wie wir der Enge des Denkens im Verband entfliehen wollen, eine Perspektive aufzuzeigen“.

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