Malsburg-Marzell Die große politische Lösung im Blick

Alexandra Günzschel

Die Zukunft der Schülerbeförderung in Malsburg-Marzell ist ungewiss. Nachdem die SWEG den Vertrag mit einem Subunternehmer im gegenseitigen Einvernehmen kurzfristig aufgekündigt hatte, wird in der Berggemeinde fieberhaft nach einer Lösung gesucht. Beim gut besuchten „Krisengespräch“ am Donnerstagabend kamen erste Vorschläge auf den Tisch.

Von Alexandra Günzschel

Malsburg-Marzell. So richtig zufrieden war man eigentlich schon länger nicht mehr mit der Schülerbeförderung in Malsburg-Marzell. Doch das laufende Arrangement war günstig und für die Gemeinde kostenneutral.

Zum Hintergrund

Neue Angebote wurden eingeholt. Das Ergebnis: Will man die Schülerbeförderung aus allen Ortsteilen im bisherigen Umfang aufrechterhalten, würde das die Gemeinde im Jahr weit über 100 000 Euro kosten, wie Bürgermeister Mario Singer ausführte. Bei klammen Kassen kann sich das kleine Bergdorf diesen Service beim besten Willen nicht leisten.

Zu der Aussprache im Bürgerhaus Edenbach war auch der Erste Landesbeamte Ulrich Hoehler gekommen. Er wies darauf hin, dass die Entscheidung über die Zukunft der Schülerbeförderung bei der Gemeinde liegt. Der Landkreis könne jedoch beratend zur Seite stehen.

Die rechtlichen Grundlagen erläuterten die Landratsamtsmitarbeiter Doris Munzig, Fachbereichsleiterin Verkehr, und Mathias Allgeier, Sachgebiet Verkehr und ÖPNV. Demnach steht in Malsburg-Marzell die Gemeinde als Schulträger in der Verantwortung. Einen Anspruch auf Beförderung gebe es aber nicht, jedoch bestehe ein Erstattungsanspruch, den auch Eltern geltend machen können. Der Landkreis beteiligt sich unter bestimmten Umständen mit maximal 1250 Euro pro Kind und Jahr an den Beförderungskosten, wobei dabei die wirtschaftlichste Transportmöglichkeit als Maßstab dient. Was darüber hinaus geht, muss die Gemeinde bezahlen.

Bisher hat diese Pauschale in Malsburg-Marzell ausgereicht, so dass eine komplette Erstattung durch den Landkreis erfolgte. Doch höhere Dieselpreise, zunehmende Schwierigkeiten, Fahrer zu finden, sowie der Umstand, dass ein Unternehmen von außerhalb beauftragt werden müsste, das auch die Anfahrtskosten berechnet, treiben die Preise in die Höhe.

Der Vorschlag

Von Seiten der Gemeinde und des Landratsamts wird deshalb ein Mischkonzept vorgeschlagen. Die SWEG wird die Hauptroute zwischen Malsburg, Marzell und den Fachkliniken weiter bedienen. Aus den vier kleineren Teilorten jedoch müssten Elterntaxis – im Idealfall als Fahrgemeinschaften – zur nächstgelegnen Bushaltestelle organisiert werden. Welche Anträge dafür erforderlich sind, will das Landratsamt in einer gesonderten Sitzung noch erläutern.

Die Diskussion

Viele der Teilnehmer sahen den ländlichen Raum benachteiligt und forderten mehr Unterstützung ein. Gemeinderat Manfred Wetzel machte den Vorschlag einer landkreisweiten Ausschreibung für die Schülerbeförderung, so dass sich ein Unternehmen nicht die Rosinen herauspicken könne. Dann würde die Zuzahlung für die Gemeinde vielleicht nur 20 000 statt 100 000 Euro betragen, merkte Gemeinderat Dirk Kilchling an. Hoehler zufolge gab es eine solche Vertragskonstruktion zuletzt in den 1990er-Jahren.

„Nicht jede Familie hat zwei Autos und kann die Kinder jeden Tag herumkutschieren“, bemerkte Gemeinderätin Ulrike Richter. Und Gemeinderat Karlheinz Beyerle hob die moralische Verpflichtung der Politik hervor. Immerhin seien junge Familien auch deshalb hierher gezogen, weil es eine Beförderung zur Grundschule gab, betonte er.

Hans-Peter Oßwald bemängelte das Ausbleiben von Kreistagsmitgliedern und Landtagsabgeordneten am Abend. „Obwohl doch alle immer erzählen, wie wichtig der ländliche Raum ist.“ Sein Ratskollege André Hintenaus äußerte die Hoffnung, mit der Diskussion zumindest etwas anstoßen zu können.

Eva Hunzinger, Gemeinderätin und Elternbeiratsvorsitzende an der Grundschule, wies darauf hin, dass die Schülerbeförderung in anderen Bundesländern gesetzlich verankert sei. Es könne doch nicht sein, dass jetzt wieder jedes Kind einzeln in die Schule gebracht werde, kritisierte sie auch mit Blick auf die Umwelt.

Viele sahen die lokalen Probleme bald auch auf andere Gemeinden zukommen und wünschten sich eine große politische Lösung. Diese aber wird es so schnell nicht geben, schon deshalb, weil der Kreistag erst wieder im Oktober zusammenkommt, um über das Thema zu beraten. Ein Pilotprojekt, so ein Vorschlag, könnte sich Hoehler grundsätzlich vorstellen. Einfach nur die Zuschüsse erhöhen, wollte er nicht.

In Malsburg.Marzell stellt man sich derweil darauf ein, dass man sich wahrscheinlich erst einmal selbst helfen muss. Ein Kleinbus, gefahren von rüstigen Rentnern aus dem Ort, könnte das gewohnte Angebot fürs erste retten. Die evangelische Kirchengemeinde verfügt über einen solchen Bus. Pfarrerin Susanne Roßkopf signalisierte Bereitschaft, ihn zur Verfügung zu stellen, wenn damit auch die Beförderung zum evangelischen Kindergarten erfolgen kann.

Lieber würde man sich mit anderen Gemeinden mit ähnlichen Problemen zusammentun und gemeinsam mit der SWEG nach einer politischen Lösung suchen, wie Daniel Schweinlin ausführte. Doch dieses Vorgehen braucht Zeit – und die haben die Eltern einfach nicht.

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