Malsburg-Marzell Ein kompromissloser Warner und einfühlsamer Betracher

Uli Führe mit dem Dulcimer Foto: Rolf Rhein

Malsburg-Marzell - Der alemannische Kleinkünstler, Komponist, Musiker und Sänger Uli Führe hat 19 alemannische Gedichte von Manfred Marquardt vertont. Jetzt wurden diese Lieder von Führe mit dem Heimatverein Marzell als Veranstalter in der Martinskirche Marzell zur Uraufführung gebracht.

Wieder einmal hat Führe bewiesen, dass das Alemannische trotz aller Unkenrufe noch immer lebt und in Sprache und Liedgut im äußersten Südwesten Deutschlands fest verankert ist.

Marquardt – von Beruf Lehrer, von Berufung Dichter, wie es sein ehemaliger Schüler Dieter Zeh es ausdrückt – , der alemannische Poesie „aus der Nische des Behäbigen und Betulichen in die Mitte des realen Lebens positionierte“, wird von Führe, dem musikalisch vielseitig aufgestellten Liedermacher im Oktober 2018 „entdeckt“. Führe entschließt sich, 19 der alemannischen Gedichte des Poeten zu vertonen.

Die Uraufführung sollte in Marzell erfolgen, wo Marquardt einige Jahre als Lehrer gewirkt hat. Die Martinskirche war bis auf den letzten Platz besetzt, und Pfarrerin Suanne Roßkopf sowie der Vorsitzende des Heimatvereins, Karlheinz Kiefer, begrüßten die Gäste in urigem Alemannisch mit einem herzlichen „Gottwilche“. In den Reihen der Zuhörer sah man bekannte Gesichter, wie zum Beispiel den Autor Markus Manfred Jung oder den Theaterindendanten Erwin Sütterlin.

Was dann folgte, war ein Konzert, in dem Führe – seinen Gesang mit der Gitarre, dem Looper und dem Dulcimer selbst begleitend – die Facetten der Marquard´schen Dichtung voll aufscheinen ließ. Der Poet als kompromissloser Mahner: „Mir müen no usse ärmer werde un wieder riich no inne, nit numme no die Welt vermärte, nei – bete u si b’sinne“, kam ebenso zur Geltung wie der einfühlsame Betrachter des Alltäglichen, wo es „menschelet“: „De Mensch lauft sin’re Welt dervo, wie sälle Has dur d’Fuhre. Doch s’Übel isch all ehnder do, eitue, wo ane dure“.

Dass der Interpret mit seiner musikalischen Aufarbeitung der Gedichte stets den richtigen Ton getroffen hat, wurde durch den lang anhaltenden Beifall des Publikums eindrücklich belegt. Aufgelockert wurde der musikalische Reigen durch kleine, von Zeh erzählte Geschichten und Schnurren aus Marquardts Leben.

Dass Marquardt, durch und durch Alemanne, nebenbei auch ein humorvolles Schlitzohr war, zeigt folgende Geschichte: Die Schüler von Marzell, unter denen sich auch der kleine Dieter Zeh befand, mussten einen Aufsatz mit dem Titel „Die Kander“ schreiben. Dieter, der kurz zuvor aus Franken zugezogen war, wunderte sich in seinem Aufsatz darüber, dass die Kander bereits kurz nach ihrem Ursprung schon reichlich „verschmutzt“ sei.

Er erhielt auch eine gute Note. Nur das Wort „verschmutzt“ war von Marquardt durchgestrichen und als „falsch“ deklariert worden. Als Dieter vom „Herrn Lehrer“ wissen wollte wieso, stellte dieser klar: „Bi üns werde d’Maitli verschmutzt, d’Bäch sin verdräckt“.

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