Malsburg-Marzell Gebührenerhöhung vorerst gestoppt

Rolf-Dieter Kanmacher
Die beiden eigenen Kläranlagen kommen die Gemeinde Malsburg-Marzell teuer zu stehen. Foto: Rolf-Dieter Kanmacher

Den Bürgern der Berggemeinde stehen auf der Grundlage einer neuen Kalkulation des Kommunalbüros Schneider und Zajontz ab dem kommenden Jahr massive Gebührenerhöhungen im Wasser- und Abwasserbereich ins Haus. Der Gemeinderat wollte dies am Dienstagabend nicht ohne Weiteres hinnehmen und pochte auf eine Überprüfung der Kalkulation.

Von Rolf-Dieter Kanmacher

Malsburg-Marzell. So würde sich nach der von Diplom-Verwaltungswirtin Inge Denk vom Kommunalbüro Schneider und Zajontz vorgelegten Kalkulation die kostendeckende Abwassergebühr mit künftig 6,26 Euro pro Kubikmeter (bisher 2,71 Euro) mehr als verdoppeln. Als Kubikmeterpreis für das Wasser sah der Verwaltungsvorschlag 5,33 Euro vor.

Das sei ein Ergebnis im „obersten Segment“, gab Denk zu. Auch Hauptamtsleiter Patrick Seemann zeigte sich überrascht von der Höhe der Zahlen.

Die Gebührenkalkulation für das Abwasser umfasst die laufenden Kosten und Erlöse, die kalkulatorische Abschreibung sowie die kalkulatorische Verzinsung. Die Verwaltung hatte die Gebühren für die Jahre von 2018 bis 2021 kalkulieren lassen. Für das Jahr 2018 hatte sich eine Kostenunterdeckung von 184 000 Euro, für 2019 von 111 600 Euro und für 2020 von 195 500 Euro ergeben.

Der Vorschlag der Verwaltung, eine Gebührenstaffelung einzuführen und die Einwohner beispielsweise im ersten Jahr nur mit Abwassergebühren von 4,50 Euro und in den Folgejahren stärker zu belasten, sei von der Kommunalaufsicht abgelehnt worden. Bei einer „gewollten Kostenunterdeckung“ sei von Zuschusskürzungen auszugehen, eine kostendeckende Gebührenerhöhung sei ein entscheidendes Kriterium für die Fördergeber.

Teure Kläranlagen

Denk führte die Kostensituation in der Berggemeinde zum Teil auf die Topografie mit langen Zuleitungen zurück. Zwei Kläranlagen, je eine in Malsburg und Marzell, seien teuer, gab sie außerdem zu bedenken. Der Betrieb der beiden Anlagen mache mit 75 Prozent der Gesamtkosten den Löwenanteil aus, machte sie deutlich. Wesentlich günstiger sei der Anschluss an einen großen Abwasserverband.

Auch sei die Abwassermenge in den vergangenen Jahren etwas rückläufig gewesen, während die Betriebskosten kräftig anstiegen.

Stimmen aus dem Rat

Angesichts der als „eklatant“ bezeichneten Preissprünge im Wasser- und Abwasserbereich meldeten mehrere Ratsmitglieder massive Bedenken gegen die ihrer Meinung nach nicht zumutbare Belastung der Bürger an.

Man könne allgemeine Haushaltsprobleme nicht über Wasser- und Abwassergebühren lösen, sagte Hans­peter Osswald. Dierk Kilchling wollte auf keinen Fall die Preisschraube in derartige Höhen drehen und verwies auf die seiner Meinung nach zu hohen Personalkosten im Verwaltungsbereich.

André Hintenaus und Manfred Wetzel hatten sich intensiv mit den in die Kalkulation eingeflossenen Kostenanteilen von Verwaltung und Bauhof für den Wasser- und Abwasserbereich befasst und verlangten dahingehend eine Überprüfung der Kalkulation. Bürgermeister Singer verwies nochmals auf die besondere Situation einer Flächengemeinde, hielt aber letztlich die Einwände für berechtigt und Korrekturen für erforderlich.

Die Kalkulation soll nun, so der einstimmige Beschluss, nochmals vom Fachbüro überarbeitet werden – unter besonderer Berücksichtigung der Anteile von Verwaltung und Bauhof.

Über die dann ermittelten Vorschläge zur Festsetzung der Gebührenhöhe soll nach Möglichkeit in der Januar-Sitzung entschieden werden. Da aber eine Erhöhung ab dem Jahr 2022 im Raum steht, werde diese im Amtsblatt angekündigt, um bis zum Beschluss Rechtssicherheit zu erlangen.

Zum Vergleich

In der ähnlich strukturierten Nachbargemeinde Kleines Wiesental betragen die Abwassergebühren 3,48 Euro pro Kubikmeter, die Wassergebühren 2,54 Euro. Die Gemeinde ist an einen Abwasserverband angeschlossen und betreibt keine eigene Kläranlage.

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