Malsburg-Marzell „Von der Schulbildung abgehängt“

Rolf-Dieter Kanmacher
Die Schülerbeförderung in der Berggemeinde steht nach einer Kündigung auf der Kippe. Foto: Rolf-Dieter Kanmacher

Die Aufkündigung des Vertrags für die Schülerbeförderung schlägt hohe Wellen: Das wurde bei der Gemeinderatssitzung am Montagabend im Bürgerhaus Edenbach einmal mehr deutlich. Zahlreiche Eltern von Grundschulkindern wohnten der Sitzung bei.

Von Rolf-Dieter Kanmacher

Malsburg-Marzell. Deren Wortmeldungen machten deutlich, dass insbesondere die Kinder aus den kleineren Ortsteilen Käsacker, Vogelbach, Lütschenbach, Kaltenbach und den Reha-Kliniken künftig von der Beförderung ausgeschlossen werden könnten oder die Verantwortung für die Beförderung der Kinder zur Grundschule ganz den Eltern zugeschoben wird. Bisher haben auch die Kindergartenkinder von der Busbeförderung profitiert – ein weiterer wichtiger Aspekt.

Zu Beginn der Sitzung hatte Isabella Zimmer, Rechtsanwältin aus Lütschenbach und frühere Gemeinderätin, in ihrem Redebeitrag verdeutlicht, dass man ernsthaft befürchten müsse, dass Kinder in der Berggemeinde „von der Bildung abgehängt“ würden. Sie sah den ländlichen Raum benachteiligt und das im Grundgesetz verankerte Recht auf Bildung in Gefahr. Wie Eva Hunzinger, eine weitere Eltern-Sprecherin, verwies sie vor allem auch auf die Verantwortung des Landkreises. „Wir müssen für die Kinderrechte kämpfen!“, unterstrichen beide übereinstimmend.

Nicht zuletzt mit einer Unterschriftenaktion, die jetzt anlaufen soll, will man die breite Öffentlichkeit auf die Situation aufmerksam machen. Mit ihrer Unterschrift unterstützen die Unterzeichner folgende Forderung: „Wir wünschen uns in der Gemeinde Malsburg-Marzell die weitere Beförderung unserer Kinder in die Grundschule Marzell und wenn möglich die Beförderung in den KiGa Schwalbennest nach Marzell aus allen Teilorten.“

Im Gemeinderat wurde später die Forderung laut, in nächster Zeit insbesondere die betroffenen Eltern, aber auch eine breite Öffentlichkeit über die als außerordentlich misslich empfundene Situation in einer „Krisensitzung“ ausführlich zu informieren und verbindliche Stellungnahmen der Verantwortlichen vor Ort einzufordern. Die Bezeichnung „Info-Veranstaltung“ wollte man in diesem Zusammenhang bewusst vermeiden.

Insbesondere vom Kreis und dessen Vertretern und weiteren politisch Verantwortlichen in Land und Bund erwartet man verbindliche Aussagen und kurzfristige Lösungsansätze. Die Verwaltung wurde mit der Vorbereitung einer entsprechenden Veranstaltung beauftragt.

35 Verkehrsbetriebe wurden von der Gemeinde angeschrieben

Insgesamt 35 Verkehrsbetriebe hat die Gemeinde nach der Kündigung des Schülerbeförderungsvertrags durch die SWEG angeschrieben und um Abgabe eines Angebots gebeten. Bisher erfolgte die Beförderung mit einem Omnibus mit einer Tagesleistung von 37 Kilometern, mit einem 15-Sitzer-Kleinbus mit einer Tagesleistung von 40,5 Kilometern und einem Acht-Sitzer-Kleinbus mit einer Tagesleistung von 48 Kilometern.

Voraussichtlich werden im nächsten Schuljahr sieben Schüler aus Malsburg, sieben Schüler aus Vogelbach, drei Schüler aus Käsacker und zwei Schüler aus Kaltenbach das Angebot der Schülerbeförderung nutzen, von dem zum Teil zusätzlich auch Kindergartenkinder aus den Ortsteilen profitieren konnten, führte Hauptamtsleiter Patrick Seemann aus.

Durch den Landkreis abgedeckt sei lediglich ein Betrag in Höhe von 1250 Euro pro Schüler, also rund 30 000 Euro. Im Blick auf die vier eingegangenen Angebote kämen auf die Gemeinde erhebliche Zuzahlungen bis zu jährlich 146 000 Euro zu, welche man im Blick auf die Finanzlage nicht stemmen könne.

Lediglich ein Bus zwischen Malsburg und Marzell sei finanzierbar, von dem die Schüler aus den Teilorten nicht oder nur schwerlich profitieren würden. Dies sahen die Ratsmitglieder nicht als zufriedenstellend an, akzeptierbar sei nur eine Komplettlösung, hieß es.

Bürgermeister Singer unterstrich, dass er Landrätin Marion Dammann dringend um Unterstützung gebeten habe. Heftige Kritik gab es auch an der SWEG als Landesunternehmen.

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