Von Jürgen Scharf

Maulburg. Die zweite Ausstellung im Kunstraum Hohler ist eine fröhliche Wiederbegegnung mit dem aus Maulburg stammenden und seit einigen Jahren in Heilbronn lebenden Maler Udo Großklaus.

Schafe sind auch nur Menschen, sagt sich Udo Großklaus. Und zeigt das in seinen Bildern. Seine Tiere haben menschliche Züge. Neues von dem geborenen „Schäfchenmaler“ sieht man in der farbenfrohen Werkschau mit dem witzigen Titel „Menschen, Tiere, Currywürste“ (in Anlehnung an den Zirkus-Slogan „Menschen, Tiere, Sensationen“) im Alten Rathaus. Unter den gezeigten Arbeiten sind auch einige heimatliche Landschaften.

Schafe sind nicht nur Akteure in Filmen und Kriminalromanen; es gibt auch Künstler, die mit Vorliebe Schafe malen. So einer ist Udo Großklaus. Das Schaf dient als Metapher: man denke nur an den Hirten und seine Herde, an das „Lamm Gottes“, das Gleichnis vom „verlorenen Schaf“, an das „schwarze“ Schaf oder an Synonyme wie „lammfromm“. Eine symbolhafte Tradition macht Schafe – sie gelten als gutmütig, ängstlich, robust und genügsam – auch zum Gegenstand im Kunstbetrieb.

Schafe, anders gesehen: Das sind die Tierdarstellungen von Udo Großklaus. Bei seinen Schafen menschelt es. Er gibt ihnen eine menschliche Attitüde, Haltung, zwischenmenschliche Bezüge. Seine Schafe sind auch mal verträumt, melancholisch oder kämpferisch, sogar dämonisch. Da ist nichts mehr mit brav, dumm oder wollig. Schafe sind eben auch nur Menschen, deshalb nicht lieb und nett, „da lauern die Abgründe hinter der Wolle“, bringt es der Künstler ironisch zugespitzt selber auf den Punkt.

In seinen mit Spontaneität, Witz und Lebendigkeit gemalten Bildern, die weit von realistischer Tiermalerei entfernt sind und durch ihre Abstraktion viel Freiraum für die Phantasie des Betrachters geben, erzählt Großklaus diese Geschichten von Schafen und über Menschen.

Neuerdings tut er das auch im grafischen Bereich, wo er eine ganze Serie von kleinen originalen Drucksachen herstellt und wie ein Schafsfries präsentiert. Zudem zieht es ihn zur Skulptur. Erstmals zeigt er im Kunstraum Hohler, wo er ein Wunschkandidat war, aus bemalten Holzklötzen zusammengesetzte Tierskulpturen. Sind es Menschen, sind es Tiere? Das wird nicht ganz deutlich. Weil Großklaus den Schafen Menschencharakter gibt, war es naheliegend, gleich „Menschentiere“ zu gestalten. Eine ganze Herde solcher hybrider Figuren bevölkern den Ausstellungsraum: tierisch gute Kunst!

Bis 10. November, geöffnet sonntags 15 bis 18 Uhr. Am 6. Oktober gibt es um 19 Uhr eine Performance.