Von Harald Pflüger

Steinen/Maulburg. Gestern war der internationale Tag der Muttersprache, der sprachliche und kulturelle Vielfalt fördern soll. Unser Redakteur Harald Pflüger hat sich in den Steinener und Maulburger Kindergärten umgehört, wie es dort um die Mundart bestellt ist.

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Im Schweizer Kanton Aargau wird am 18. Mai über die Initiative „Ja für Mundart im Kindergarten“ abgestimmt. Parlament und Regierung lehnen die Initiative ohne Gegenvorschlag ab. Sie wollen die hochdeutsche Sprache nicht aus dem Kindergarten verbannen. Genau das wollen die Schweizer Demokraten mit ihrem Begehren. Sie möchten erreichen, dass im Kindergarten grundsätzlich Mundart gesprochen wird.

Barbara Huber-Kramer (Kindertagesstätte Maulburg) verweist auf das 2005 eingeführte Sprachkonzept, mit dem ein bewusster Umgang mit der Sprache gepflegt wird. Die Erzieherinnen sollen in dieser Hinsicht Sprachvorbild sein. Deshalb spricht man von Jeans- oder Regenjacke und nicht von Tschobe. In der Kindertagesstätte liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei rund zehn Prozent. Mit Kindern, die Mundart sprechen, wird auch alemannisch geredet, damit der Dialekt nicht verloren geht. Dazu gehört beispielsweise auch, ein alemannisches Fasnachtslied einzustudieren. In der Regel wird mit den Kindern aber in Schriftsprache gesprochen. Sprache als solche lernen die Kinder nur durch Sprachvielfalt, weiß Barbara Huber-Kramer.

Julian Kracht (Steegmattkindergarten Maulburg) sagt, dass in seinem Kindergarten Jungen und Mädchen, die von Hause aus alemannisch sprechen, den kleineren Anteil bilden. Die Erzieherinnen würden in der Regel mit den Kindergartenkindern hochdeutsch sprechen, mit Kindern mit wenig Deutschkenntnissen sowieso. Mit Kindern, die mit der Mundart auf wachsen, werde hingegen alemannisch gesprochen. Außerdem gebe es immer wieder mundartliche Projekte.

Auch Regina Doppstadt (Dora-Merian-Kindergarten Höllstein) weist darauf hin, dass in ihrem Kindergarten überwiegend hochdeutsch gesprochen wird, was nicht heißt, dass nicht auch einmal ein alemannisches Lied bei einem Fest gesungen wird. Bei Angeboten, bei denen es um Sprachen gehe, ist Hochdeutsch selbstverständlich, während etwa in der Gruppe auch schon mal auf alemannisch geantwortet werde. Hochdeutsch ist für Regina Doppstadt gerade im Hinblick auf Kinder aus anderen Ländern wichtig. Sie lernten so besser Deutsch.

Hauptsächlich werde hochdeutsch gesprochen, sagt Thomas Seubert (Fröbelkindergarten Steinen). Dennoch habe der Dialekt seinen Platz, wenn auch nicht im laufenden Umgang miteinander. Einfach deshalb, weil es im Fröbelkindergarten Kinder gibt, die ihn nicht verstehen.

Britta Schuler (Hebelkindergarten Steinen) spricht von einem hohen Anteil Dialekt sprechender Kinder in ihrer Einrichtung. Mit Kindern, die hochdeutsch sprechen beziehungsweise zweisprachig (deutsch und türkisch etwa) aufwachsen, werde natürlich hochdeutsch gesprochen. Auch bei Aktionen wie etwa dem Stuhlkreis oder dem Schmetterlingstreff, während beim freien Spiel mit alemannisch sprechenden Kindern alemannisch gesprochen wird. Andere Kolleginnen, so Britta Schuler, würden hingegen bei Hochdeutsch bleiben. Vor 15 Jahren, erinnert sich die Kindergartenleiterin, hätten alemannisch sprechende Eltern mit ihren Kindern hochdeutsch gesprochen. Heute erlebe sie, dass diese Eltern mit Kindern wieder alemannisch sprechen.

Gabriele Hein (Steinemer Rumpelkiste) verweist auf den hohen Migrationsanteil in ihrem Kindergarten. Daher ist es für sie selbstverständlich, dass mit diesen Kindern hochdeutsch gesprochen wird. Was nicht heißt, dass Alemannisch keinen Platz hat. Man akzeptiere Dialekte. Gabriele Hein weiß auch auch um die Vielfalt der Mundart. Je nach Region gibt es für ein und dasselbe verschiedene Begriffe.