Von Hans-Jürgen Hege

Maulburg. Im Wiesental am Rande des Schwarzwalds hatten Karl und Ayhan Busch 1963 eine Vision, im (künstlichen) Schwarzwald unterm Zeltdach auf ihrem Firmengelände am Rande Maulburgs feierten sie am Donnerstag den 50. Geburtstag eines weltweit agierenden Unternehmens, das 2600 Mitarbeiter beschäftigt und die erste Umsatz-Milliarde fest im Visier hat.

Freunde und weit über 300 Kunden waren ins Wiesental gekommen, um mit Dr.-Ing. Karl Busch, Ayhan Busch, Ayla, Sami und Kaya Busch das Ereignis und den Erfolg zu feiern, den das Familienunternehmen des Enkels von Karl Wittig im Lauf der Jahrzehnte zweifellos vorweisen kann.

Ein Vakuum gab es in der beeindruckenden Vita des Herstellers von Vakuumpumpen und Systemen außerhalb der Pumpen nie. Mit der Idee des frisch getrauten Paares, die „industrielle Vakuumtechnologie einfacher, besser und anwendungsfreundlicher zu gestalten“, trafen sie exakt den Nerv der Anwender, die vom heute mehr denn je spürbaren Teamgeist bereits profitierten, als das „Team“ aus lediglich einem sehr wagemutigen, engagierten, innovativen und zukunftsorientierten Paar bestand.

Das „technische Genie“ Karl Busch und die zum Abheben notwendige Triebfeder Ayhan Busch hatten sich gesucht und gefunden. „Er“ entwickelte die „Huckepack“, eine zweistufige, platzsparende und robuste Drehschieber-Vakuumpumpe, und „sie“ fand die ersten Abnehmer, die Karl Busch schon bald darauf mit der „R 5“ beglückte, einer „revolutionären“ Pumpe, die inzwischen schon 2,5 Millionen Mal verkauft wurde und damit bis dato „die erfolgreichste Vakuumpumpe überhaupt“ ist. Eingesetzt wird sie in der Lebensmittelbranche, wo mittlerweile auch die „Cobra“-Schrauben-Pumpe und die „Mink-Klauen-Vakuumpumpe“ den Markt für Vakuumtechnik „grundlegend“ veränderten.

Verpackungsmaschinen mit Vakuumtechnik aus dem Hause Busch gelten weltweit als Standard und Symbol innovativer, hoch entwickelter Technik, an der in firmeneigenen Forschungszentren und in Zusammenarbeit mit diversen Forschungsinstituten „gemeinsam mit den Kunden“, die Karl Busch in seiner Jubiläumsrede als „unverzichtbare Partner“ seiner Familie bezeichnete, weiter gefeilt wird. Eindeutig bekennt sich die Familie Busch zur Globalisierung. Und zwar schon seit 1971, als in Großbritannien die erste Vertriebsgesellschaft gegründet wurde. 57 Betriebe in 39 Ländern der Erde belegen das „exklusive globale Netzwerk“, das – so Busch – unter vielen anderen Vorzügen „eine in jedem Kulturraum individuelle Beratung, Betreuung und Begleitung jedes einzelnen Kunden und seiner Projekte“ garantiert.

Im Rahmen spannender Betriebsführungen hörten die Gäste der Familie Busch und der Busch-Belegschaft Geschichten zur Produktion, zum Vertrieb und zu den Serviceleistungen des deutlich weit vorn angesiedelten Weltmarktführers, der unter anderem auch aus selbst entwickelten Materialien wie der Kohlefaser-Eishockeyschläger für die Stars der Profiligen und die Nationalmannschaften – darunter die Kanadier – herstellt. Hauptaugenmerk liegt natürlich weiter auf den Serienprodukten für Vakuum- und Überdrucktechnologie, auf der Auslegung und Realisierung von komplexen Anlagen inklusive der verfahrenstechnischen Komponenten, die unter anderem zur Herstellung von Flachbildschirmen, Handys und Laptops eingesetzt werden.

An sechs Hauptfertigungswerken wird heuer Geburtstag gefeiert. Zeitig im Frühjahr begann die Fete an den Standorten im Fernen Osten, um nun – „dem Lauf der Sonne folgend“ - im Herbst den Hauptsitz in Maulburg zu erreichen und schließlich gegen Ende des Jahres in den USA zu Ende zu gehen. Der „Globalplayer“ in Sachen Vakuum kann nicht anders. Er macht Nägel mit Köpfen, auch wenn es ums Feiern geht. Nicht umsonst zollte Professor Hermann Simon, der wohl einflussreichste Management-Vordenker, der zu Wirtschaftsthemen 30 Bücher in 25 Sprachen veröffentlichte und am Donnerstag ein gern gehörter Festredner im Busch-Zelt war, dem Maulburger Unternehmen großes Lob, als er Busch in die Phalanx erfolgreicher „Hidden-Unternehmen“ mit überproportional vielen angemeldeten Patenten und einer Mitarbeiter-Fluktuationsrate von 1.3 (Deutschland 7.3, Schweiz 8.8, Daimler 5.3 und USA 30.6) einreihte.

Dem offiziellen Teil folgte die erstmalige Verleihung des Busch-Award, der künftig an Firmen verliehen wird, die mit Vakuum-Technik besonders innovative Ideen umsetz(t)en.

Erster Preisträger des Busch-Award ist die Firma GEA Food Solutions GmbH in Düsseldorf. Sie gilt als Nachfolgefirma der Union-Verpackungs-GmbH, die 1957 in Kempten gegründet wurde und zu Beginn der 60er-Jahre die Vakuum-Verpackung entwickelt hat. Eine Herausforderung für die Firma Busch, die eine Lösung zu entwickeln hatte, die den Lebensmitteln in der Schale unter der Plastikabdeckung die Luft entzog.

Danach hatten ein paar einzelne Artisten ihre Auftritte, bei denen selbstverständlich noch einmal die Vakuumtechnik im Mittelpunkt stand. Und die Trachtengruppe Häg-Ehrsberg durfte mit einigen Tänzen glänzen, mit denen der Abend im Zelt der Buschs nach über sechs Stunden zu Ende ging.

Übrigens: Sämtliche Reden wurden in astreinem Englisch gehalten, denn über 60 Prozent der Gäste kamen aus dem Ausland.