Maulburg Bühnenfrau mit einem Brüller nach dem anderen

Der Gag hat gesessen, besagt die Miene der Kabarettistin Inka Meyer. Foto: Ines Bode Foto: Markgräfler Tagblatt

Maulburg (ib). Wenn Redegewandtheit und mimisches Talent aufeinander treffen, dann ist auch Inka Meyer nicht weit: Erneut kam die Kabarettistin ins Dorfstübli, und mit „Der Teufel trägt Parka“ sollte sie den Lachmuskeln ein regelrechtes Training verpassen.

Mit einem „Wow!“ eröffnete Tobias Hohenstatter die Kultursaison, und der Achtungsmoment galt zunächst der vollen Stube. Abgelöst wurde der Leiter von der Protagonistin, deren rasante wie intelligente Darbietung nur zu einem Schluss führte: dass irgendjemand den Begriff Kleinkunst noch einmal überdenken müsste.

Denn tatsächlich war es keine kleine Vorstellung. Vielmehr verkörpert das eloquente Energiebündel eine Künstlerin, die viel Wissen besitzt, um dieses mittels Fakten und schrägen Schlussfolgerungen zum quietsch-fidelen Vortrag zu formen.

Rein thematisch flitzt sie durch jedwedes halbwegs verwandte Terrain. Sprachlich setzt Meyer dabei auf die Süffisanz des Wortspiels, um dessen Vielfalt genüsslich auszuschlachten. Ein Übriges tut die nonverbale Kommunikation: unentwegt bedient sie sich aussagekräftiger Grimassen, setzt jene Maske auf, die kein Wässerchen trüben kann, wobei die Hände ostentativ in Hüfthöhe platziert werden, um letztlich eines zu vermitteln: ich tue nur harmlos.

Vokabeln, die nicht druckreif sind, kommen ihr ebenso leicht über die Lippen, wie sie Reime heraussprudelt oder den guten alten Kant verbal auseinandernimmt. Kurzum: Geboten war eine zweistündige Darbietung, bei der es auch galt, aufzupassen. Ab Minute eins wurde das Publikum eingebunden, zum heiteren Spielchen gebeten – wobei der hiesige Besucher direkt Konter gab. Da stand es eins zu null fürs Publikum. Gelacht wurde laut und herzlich an diesem Abend, und mancher im Raume amüsierte sich zudem über das ansteckende Gegacker vorderer Stuhlreihen.

„Ist doch wahr!“, sagt die Bühnenfrau, die weder das eigene Geschlecht noch die Herren der Schöpfung verschont. Warum er dieses absolut unpassende T-Shirt trage? Sachgemäße Antwort: weil‘s oben lag. Ein Brüller. Meyer reitet durch zeitgemäße Trendlandschaft: warum sie einen Schnaps bestellte? Weil sie Smoothie nicht aussprechen könne. Und sie spickt ihre komödiantischen Salven – sprich Erkenntnisse - beherzt mit scharfen Kugeln. Nichts lässt sie aus, keiner kommt davon. Rasant fegt sie durch die Themenpalette Kosmetik-Mode-Ernährung-Diät rund ums „Echo der Frau“.

Von AKK wie Annegret Kramp-Karrenbauer bis Z wie „zu spät“: so der Zwischenruf zum Rat der Ablöse nach 20 Ehejahren. Von der Politik geht’s zu Joghurt-Topping über Tattoos hin zum gesetzlich erlaubten Wahlgang im Bikini. Vom Schleier der Muslime über Ex-Männer und Happy-Size hin zu „Gender fairen Städten“. Nicht zu vergessen der Friesentee, nur echt in der Socke gekocht – schmecke auch ohne Tee. Und die Quintessenz zur Machenschaft der Schönheitsindustrie? Der gutgläubige Konsument sei schön. „Schön blöd“.

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